Amerikaner melden Durchbruch bei Kernfusion

In nur fünf Jahren will der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin den Prototyp eines Kernfusionsreaktors in Betrieb nehmen. Wenig später soll die Technologie eingesetzt werden – in Kriegsschiffen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin hat einen Durchbruch bei der Kernfusion bekannt gegeben. Innerhalb eines Jahres werde man einen Testreaktor entwerfen und bauen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Bis zu einem Prototyp würden fünf Jahre vergehen, einsatzbereite Modelle seien in zehn Jahren zu erwarten. Die vierjährigen, bislang geheimen Forschungsarbeiten hätten die Machbarkeit eines 100-Megawatt-Reaktors demonstriert, der mit sieben auf zehn Fuss (circa zwei auf drei Meter) auf einen Lastwagen passen würde. Damit könnte das System etwa auch in Kriegsschiffen eingesetzt werden. Der Reaktor soll den Angaben zufolge Deuterium und Tritium als Brennstoff verwenden, beides Varianten von Wasserstoff.

Projektleiter Tom McGuire erklärte, Lockheed suche jetzt nach Partnern in der Industrie, an Universitäten und bei Regierungsstellen, um die Entwicklung voranzutreiben. «Wir können an der Energiefront wirklich etwas bewegen», erklärte er.

Wie bei der Sonne

Bei der Kernfusion wird – wie in der Sonne – Energie durch die Verschmelzung von Atomen gewonnen. Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher daran, eine kommerziell nutzbare Form zu entwickeln – bislang ohne Erfolg.

Gehofft wird auf eine saubere Form der Energie: Deuterium findet sich in den Ozeanen, und bei der Fusion werden keine Treibhausgase wie bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt. Es entstehen weder Treibhausgase noch langlebige radioaktive Abfälle. Auch ein GAU wie in Fuku­­shima scheint ausgeschlossen. Dazu enthält ein Fusionsreaktor zu wenig Brennstoff. Die Kernfusion gilt als mögliches Wundermittel gegen das absehbare Ende der fossilen Energieträger und die Gefahren durch CO2 und Atommüll.

Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich laufen Experimente mit der Kernfusionstechnik. Mit handfesten Ergebnissen wurde jedoch erst um das Jahr 2030 gerechnet. (rub/sda)

(Erstellt: 15.10.2014, 20:48 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Ein riesiger Mikrowellenherd soll das Energieproblem lösen

Um die Vision der Kernfusion zu verwirklichen, bauen Physiker in Deutschland einen Reaktor, der auf einem neuen Prinzip beruht. Seine Wände sind verdreht – damit das Plasma nicht ausbüxt. Mehr...

Von wegen Ausstieg aus der Atomenergie

Datenblog Datenblog Zu Jahresbeginn waren weltweit 72 Kernkraftwerke im Bau – 176 sind projektiert. Nur zwei Länder diskutieren ernsthaft den Ausstieg aus der Atomenergie. Zum Blog

Atomenergie, die letzte Hoffnung?

Umweltaktivisten und umgedrehte Atomgegner formieren sich in den USA zum Kampf gegen den Klimawandel. Ein Pro-AKW-Film dokumentiert den Gesinnungswandel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Mobil, personalisiert, emotional

Adaptives Lernen ist einer der Trends im Bildungsbereich.

Werbung

Kommentare

Blogs

Blog Mag Der Trumpstil
Sweet Home So wohnen Französinnen

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Reptilien in Not: An der Grenze zwischen Paraguay und Argentinien tummeln sich Kaimane auf der Suche nach Wasser in einem Tümpel, da der Fluss Pilcomayo kaum noch Wasser führt. (25. Juni 2016)
(Bild: Jorge Adorno) Mehr...