Auf die Plätze, fertig, …
Aktualisiert am 02.02.2012 28 Kommentare
Artikel zum Thema
- Die Flugzeuge von SkyWork Airlines sind zur Hälfte gefüllt
- Easyjet steigert Umsatz und befördert mehr Passagiere
Ausgeklügeltes Konzept: Dieses Boarding-Modell hielt Astrophysiker Jason Steffen für besonders effizient. (Bild: PD)
Die Praxis bei der Swiss
Auf Kurzstrecken mit mehr als 70 Passagieren ruft die Swiss Passagiere der Economy-Class nach Reihen auf – von hinten nach vorne im Flugzeug. Bei weniger als 70 Passagieren gibt es kein spezielles Verfahren.
Auf Langstrecken dürfen sich die Business-Class-Passagiere mit freiem Boarding zu ihren Sitzen geben, während es bei der Economy-Class wieder nach Reihen von hinten nach vorne geht.
Premium-Kunden bei allen Flügen können sich ohne Vorgaben zu ihrem reservierten Platz begeben. Beim Einsteigen nach einem Bustransfer, wie im Foto oben, gibt es ebenfalls kein besonderes Verfahren.
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Vielflieger ertragen die Prozedur mancher Airlines meist mit stoischer Miene. Vor dem Betreten des Flugzeugs stehen sie stumm in der Masse und setzen sich erst in Bewegung, wenn ihre Sitznummer aufgerufen wird – in einem Pulk von Mitpassagieren, die in der Nähe sitzen, damit am Ende alle Plätze möglichst schnell besetzt sind.
Gut möglich, dass man sich dieses Verfahren sparen könnte. Zwei norwegische Physiker, die sich sonst mit Simulationen von Staus befassen, haben das Boarding unter die Lupe genommen – mit einem Rechenmodell, das aus einem Gang mit nur einer Sitzreihe an beiden Seiten besteht. Vidar Frette und sein Kollege Per Hemmer von der University of Science and Technology schickten ihre Passagiere in zufälligen Reihenfolgen an Bord und verglichen dieses Verfahren mit anderen Methoden.
Der Zufall als Boarding-Helfer
Wie die Zeitschrift «Spektrum der Wissenschaft» und andere Medien berichten, zeigte die statistische Auswertung einen überraschenden Effekt: Die Zeit, bis alle Passagiere Platz genommen haben, verdoppelt sich nicht, wenn man doppelt so viele Menschen an Bord schickt. Stattdessen ist sie geringer, weil regelmässig einige Personen in der Schlange zufällig gerade dort zum Stillstand kommen, wo ihr reservierter Platz ist. Diese Situation tritt laut den Wissenschaftlern umso häufiger auf, je mehr Passagiere im «Stau» stehen.
Damit ist die Geschichte der Boardingforschung um ein Kapitel reicher. Erst im vergangenen Jahr hatte der amerikanische Astrophysiker Jason Steffen ein Verfahren (siehe Grafik) entwickelt, bei dem die Passagiere an Fensterplätzen zuerst einsteigen, allerdings mit «Leerreihen» dazwischen, damit keine Zeit verloren geht, wenn sie sich beim Verstauen des Gepäcks in die Quere kommen.
Diese und andere Konfigurationen testete der Forscher nicht nur rechnerisch, sondern auch mit Versuchspersonen in einer Attrappe einer Boeing 757. Herauskam dabei, dass das Boarding in Gruppen, das von vielen Airlines praktiziert wird, die langsamste Variante ist. Sein eigenes System, so Steffen, brauche nur etwa halb so viel Zeit – und eine rein zufällige Anordnung ebenfalls eine längere Dauer.
American Airlines: Verfahren geändert
Dieser Meinung sind die norwegischen Physiker Frette und Hemmer freilich nicht. In einem Interview mit dem Deutschland-Radio erklärte Frette, dass die heute bekannten Varianten für Airlines allesamt nicht praxistauglich seien – gleich, ob man zuerst die Fensterplätze besetze, dann die Mittel- und die Gangsitze oder ob zuerst die ungeraden Sitznummern und dann die geraden.
Einig sind sich die Boarding-Forscher allerdings darin, dass die heute gängige Befüllung in Gruppen nach Sitzzonen im Flugzeug nicht effizient ist– und so plädiert Frette dafür, gezielt den Zufall spielen zu lassen. Zwar sei sein Modell vereinfacht, so der Physiker, doch er will sein Verfahren noch präzisieren. An der Kernaussage, dass die üblichen Boarding-Gruppen mehr Zeit brauchen als zufälliges Einsteigen, ändere das allerdings nichts.
Mittlerweile scheint sich diese Einsicht hier und dort schon durchzusetzen. American Airlines beispielsweise führte nach einer eigenen Studie im vergangenen Mai ein neues System ein, bei dem Passagiere ohne Premium-Status einfach in der Reihenfolge des Check-ins an Bord gelassen werden, während Elite-Kunden geordneter in Gruppen einsteigen. Die Zeitersparnis liegt der Fluggesellschaft zufolge bei dieser Variante bei bis zu vier Minuten. (raa)
Erstellt: 02.02.2012, 13:01 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
28 Kommentare
Das grösste Problem ist, dass es viele Einmalpassagiere sind die sich gar nicht gewohnt sind wie es Flieger ist. Dazu kommt, dass trotz Aufrufe etc die Economypassagiere masslos Gepäck auf einmal haben und sich deren Platz in den Gepäckfächern versuchen zu ergattern. Überschwere Köfferchen, die niemand hochhieven kann sind oft an der Tagesordnung. Hier sollte man viel konsequenter sein . Antworten
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten





