Das grösste Solarkraftwerk der Schweiz

Aktualisiert am 21.05.2010

In der Bündner Gemeinde St. Antönien sollen Solarmodule an Lawinenverbauungen befestigt werden. Die Alpen seien dafür der perfekte Standort.

Strom aus den Alpen: Eine Fotomontage zur geplanten Lawinenverbauung des Solarkraftwerkes in St. Antönien.

Strom aus den Alpen: Eine Fotomontage zur geplanten Lawinenverbauung des Solarkraftwerkes in St. Antönien.
Bild: Energiebüro AG für Solarkraftwerke

In der Bündner Gemeinde St. Antönien soll das grösste Solarkraftwerk der Schweiz gebaut werden. Die Gemeindeversammlung des 360-Seelen-Dorfes hat den Projektierungskredit von 80'000 Franken genehmigt.

Der Kredit sei ohne eine einzige Gegenstimme bewilligt worden, sagte Gemeindepräsident Heinz Rieder am Freitag der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage. Die Solarmodule sollen an den Lawinenverbauungen oberhalb des Dorfes befestigt werden. 1200 Haushalte könnte das Solarkraftwerk mit Strom versorgen.

«Der perfekte Standort»

«Wir brauchen keinen Quadratmeter Boden», betonte Gemeindepräsident Rieder. Das Vorhaben sei nicht nur innovativ und wegweisend für den gesamten Alpenraum, sondern auch ökologisch wertvoll.

Konzipiert wurde die Anlage von der Zürcher Solar-Ingenieurfirma energiebüro ag. Laut Firmengründer Christian Meier sind Lawinenverbauungen für photovoltaische Solarkraftwerke «der perfekte Standort». In den Alpen herrschten eine erhöhte Sonneneinstrahlung und kühle Temperaturen - ideale Voraussetzungen für Solarkraft.

20 Millionen Franken teuer

Der Bau des Solarkraftwerks in der abgelegenen Gemeinde im bündnerischen Prättigau kostet rund 20 Millionen Franken. Die Finananzierung ist noch nicht sichergestellt. Gemeindepräsident Rieder denkt an die Gründung einer Aktiengesellschaft. Und er ist zuversichtlich, Investoren zu finden.

Die Lawinenverbauungen im Alpenraum stellen nach Einschätzung der Firma energiebüro ein riesiges Potenzial für Solarenergie dar. In der Schweiz gibt es rund 500 Kilometer Lawinenverbauungen.

Grosses Potential

Unter der Annahme, dass 200 Kilometer davon die geeignete Ausrichtung und Grösse für die Montage von Solarmodulen aufweisen, ergibt sich eine potenzielle Energieleistung, um 20'000 Haushalte mit Strom versorgen zu können.

Würden die Verbauungen von 1200 Kilometern im gesamten Alpenraum genutzt, könnte eine Stadt wie Bern mit etwa 50'000 Haushalten Solarstrom beziehen. Das Zürcher energiebüro hat Erfahrung mit Solarkraftwerken. Es entwickelte auch die Anlage auf dem Dach des Stade de Suisse in Bern und wurde dafür mit dem Schweizer und dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet. (jak/sda)

Erstellt: 21.05.2010, 11:28 Uhr

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