Die menschliche Stimme ersetzt den PIN-Code

Spracherkennung kann auch Stimmerkennung sein. Die Stimme identifiziert ihren Besitzer so sicher wie der Fingerabdruck.

Patricia Kaas, Stephan Klapproth oder Trudi Gerster erkennt man problemlos an der Stimme. Aber nicht nur sie, die Stimme eines Menschen ist ein persönliches Unikat, bedingt durch die individuellen Strukturen des Kehlkopfs, der Zunge usw. Bei der Einführung der biometrischen Pässe standen als Sicherheitsmerkmal der Fingerabdruck, die Iris und das Gesichtsbild zur Diskussion, aber nie die Stimme. «Man hat das einfach vergessen», sagt Michael-Maria Bommer, der den Software-Hersteller Nuance vertritt.

Die Stimmerkennung ist, was inzwischen auch viele Unternehmen bestätigten, ein ebenso sicheres Identifizierungsmittel wie etwa der Fingerabdruck. Die Anwendung sei für den Benützer unkompliziert, kontaktlos und schnell, erläutert Bommer. In einem arabischen Land habe eine Bank das System unter dem Namen Voicepay bereits an den Geldautomaten eingeführt, weil zahlreiche Fremdarbeiter Analphabeten seien und mit der Tastatur Mühe hätten.

Für Anwendungen wie Diktate oder die Bedienung von Geräten soll die Spracherkennung möglichst breit funktionieren, sodass der Computer nicht auf seinen Benützer trainiert zu werden braucht. Umgekehrt muss der Computer eine Stimme eindeutig einer Person zuordnen, wenn sie als Passwort am Geldautomat oder bei der Passkontrolle eingesetzt wird. Stimmerkennung kann auch einen Anrufer bei einem Callcenter identifizieren, Türen freigeben oder als Autoschlüssel dienen.

Und was ist, wenn man Grippe hat?

Und was ist, wenn man erkältet ist? «Die Frage kommt immer sofort», sagt Bommer. Doch die Stimme werde auf 154 Kennzeichen analysiert, etwas Heiserkeit vertrage das System schon. Schwierig werde es, wenn die Stimme angesäuselt oder gar betrunken klinge. Aber bei vielen Anwendungen gelte die Stimme allein ohnehin nicht als elektronische Unterschrift, sie sei Teil einer ganzen Kette von Sicherheitsmerkmalen.

Computern gelingt es bereits ganz gut, Gespräche in schriftliche Daten zu übertragen und Stimmen bestimmten Personen zuzuordnen. Nun kommt der nächste Schritt: Der Computer soll die Informationen «verstehen». Mit künstlicher Intelligenz meinen die Informatiker, dass ein System Daten selbstständig so analysiert, dass es ohne gezieltes Programm Zusammenhänge herstellen kann. Man würde einem solchen Computer in Klartext eine Frage stellen, und er würde aufgrund seiner Datenbanken die Antwort finden.

Die treibende Kraft hinter solchen Entwicklungen ist das Militär. Die Forschungsorganisation des US-Verteidigungsministeriums (Darpa) hat Aufträge ausgeschrieben, Systeme zu entwickeln, welche beliebige Textquellen direkt analysieren. An Informationen, so schreibt die Darpa, fehle es nicht. Im Gegenteil: Von Funkgesprächen der Versorgungstruppen bis zu den Resultaten von Spionagesatelliten schwappt eine Flut von Daten in die Zentralen. «Die Informationen sind vorhanden, aber selten in einer Form, die für Systeme der künstlichen Intelligenz verwendbar sind», heisst es in einem Darpa-Papier. Gesucht sind Systeme, die natürliche Sprache und Text computertauglich machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2009, 09:29 Uhr

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