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Dieses Teleskop erkennt Erbsen auf dem Mond

Auf der Kanaren-Insel La Palma wird am Freitag ein gigantisches Spiegelteleskop eingeweiht – mit einem ungeheuren «Sehvermögen», das gesetzlich vor störendem Licht geschützt wird.

Blick ins Innere: Hier wollen Astronomen unter anderem dem Urknall nachspüren.

Blick ins Innere: Hier wollen Astronomen unter anderem dem Urknall nachspüren.
Bild: Wikipedia / H. Raab/Keystone

Klarsicht über den Wolken: Das Teleskop wurde auf 2400 Metern über Meereshöhe errichtet.

Klarsicht über den Wolken: Das Teleskop wurde auf 2400 Metern über Meereshöhe errichtet.

Das Gran Telescopio Canarias, kurz: Grantecan, ist so leistungsstark wie vier Millionen menschliche Pupillen – und so präzise, dass es einen Teller Erbsen auf dem Mond erkennen oder die Scheinwerfer eines fahrenden Autos in Australien auseinanderhalten könnte. Am kommenden Freitag wird es von Spaniens König Juan Carlos offiziell in Betrieb genommen.

«Es ist wie ein Wunder», schwärmt Francisco Sánchez, der Direktor des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC), von dem das Vorhaben 1987 ins Leben gerufen worden war. Die Bauarbeiten der umgerechnet rund 200 Millionen Franken teuren Sternwarte hatten vor zehn Jahren begonnen.

Bis zum Urknall vordringen

Die Anlage steht in 2400 Metern Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel. «Es herrschte damals grosse Skepsis», erinnert sich Projektleiter Pedro Alvarez, «und auch Angst, uns lächerlich zu machen.» Denn an ein so technologisch kompliziertes Unterfangen hatte sich Spanien zuvor nie herangewagt. Nun aber zählt das Land in diesem Bereich zur internationalen Elite.

Mit dem Grantecan, das auch als GTC bekannt ist, wollen die Wissenschaftler in bislang unerreichte Tiefen des Universums vordringen – fast bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. Sie wollen ferne Galaxien erforschen, die Entstehung von Sternen beobachten und weitere Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems finden.

«Es wäre natürlich wunderbar, wenn dieses Teleskop uns dabei helfen könnte, einen Planeten zu entdecken, der unserem ähnelt», sagte Alvarez, «ich bin überzeugt, dass es auch anderswo im Universum Leben geben kann.»

400 Tonnen schwer

Das Herzstück des «Galaxien-Jägers» ist ein Spiegel von 10,4 Metern Durchmesser, der in Deutschland gefertigt wurde. Er ist rund sechs Quadratmeter grösser als die der anderen Riesenteleskope – in der Astronomie sind das Welten. Der Spiegel besteht aus 36 sechseckigen Segmenten, die zusammen 18 Tonnen wiegen.

Das Teleskop insgesamt ist etwa 400 Tonnen schwer. Dennoch lässt es sich mühelos mit der Hand bewegen, da es auf einer dünnen Ölschicht «schwimmt». Die «Kathedrale der Astronomie», wie die imposante Konstruktion genannt wird, ist 45 Meter hoch. Das entspricht einem 14-stöckigen Hochhaus.

Riesenfernrohre gibt es bislang etwa auf dem Gipfel des erloschenen Vulkans Mauna Kea auf Hawaii (Keck I und Keck II) oder auf dem Cerro Paranal in Chile, wo die Europäische Südsternwarte (ESO) das Very Large Telescope (VLT) betreibt. Keines von ihnen hat aber die Ausmasse des Grantecan.

Fremdes Licht verboten

Dessen Standort ist zudem in Europa einzigartig. Der klare Himmel über La Palma – geschützt durch ein Gesetz, das in der Umgebung fremde Lichtquellen verbietet – und ein Wind, der in der Regel gleichmässig weht, erleichtern die Arbeit der Sterngucker.

Auf dem Gelände betreiben das IAC und andere Forschungszentren bereits mehrere Sternwarten. Finanziert wurde das Grantecan grösstenteils von der spanischen und der kanarischen Regierung. Beteiligt sind zudem Universitäten aus Mexiko und den Vereinigten Staaten. (raa/sda/)

Erstellt: 21.07.2009, 09:53 Uhr

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