Eine kleine Firma elektrisiert die Schweizer Pöstler

Das Ingenieurbüro Kyburz aus Freienstein rüstet die Schweizer Post mit Elektrofahrzeugen aus. 2000 Stück auf einen Schlag darf die Firma liefern – mehr, als sie selbst herstellen kann.

Bestellte 2000 Elektroroller: Jürg Bucher, Konzernleiter der Schweizerischen Post, neben einem Solarpanel.

Bestellte 2000 Elektroroller: Jürg Bucher, Konzernleiter der Schweizerischen Post, neben einem Solarpanel. Bild: Keystone

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Zum Bild des Schweizer Pöstlers gehört künftig ein Dreirad aus dem Zürcher Unterland. Denn die Post ist dabei, sämtliche Motorroller gegen Elektrofahrzeuge auszutauschen, und besonders überzeugt hat sie der Elektroroller DXP des Freiensteiner Ingenieurbüros Kyburz. 2000 Stück hat die Post auf einen Schlag bestellt – mit der Option, weitere 1000 nachzubestellen.

Für die Firma Kyburz ist es der erste Auftrag in dieser Grössenordnung. «Bis anhin verkauften wir die Fahrzeuge nur in kleinen Stückzahlen oder an Einzelabnehmer», sagt Geschäftsleiter Martin Kyburz. Um die Bestellung zu bewältigen, musste er die Produktion an die Berner Fahrzeugbaufirma FBT auslagern. Aber auch in Freienstein werden wöchentlich zehn der Elektroroller produziert.

17'000 Franken pro Stück

Was der Auftrag der Post konkret in die Kasse spült, will Kyburz nicht verraten. Er sagt nur, dass ein Einzelstück rund 17'000 Franken kostet. Multipliziert mit 2000 ergäbe das 34 Millionen Franken. «Natürlich erhält die Post als Grossabnehmerin einen gewissen Mengenrabatt», relativiert Kyburz.

Weil seine Firma auch die Wartungs- und Servicearbeiten an den Postwägeli übernimmt, sind in Freienstein ein paar neue Stellen entstanden; weitere werden folgen. «Und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten», sagt Kyburz nicht ohne Stolz. Derzeit beschäftigt er rund 30 Angestellte.

Weniger Lärm und mehr Kraft

Die Firma hat das dreirädrige Fahrzeug in Zusammenarbeit mit der Post während Jahren weiterentwickelt. Neben der Ladekapazität und der gesteigerten Effizienz überzeugte die Verantwortlichen beim gelben Riesen am Ende auch der geringe Lärm des Rollers. Dieser ist tatsächlich kaum zu hören, auch wenn er mit bis zu 50 Stundenkilometern unterwegs ist. «Unsere Mitarbeiter sind sehr zufrieden», sagt Mediensprecherin Nathalie Salamin. Sie schätzten nicht zuletzt die Kraft der Fahrzeuge.

Das bestätigt Michaela Knup, Pöstlerin in Oberhasli. Sie kennt die Vorzüge des Elektrorollers bereits, weil sie das Fahrzeug in der Testphase ausprobieren durfte. Als wettkampferprobte Motocross- und Endurofahrerin hatte sie zunächst Vorbehalte gegenüber ihrem neuen Untersatz. «Ich hocke mich doch nicht auf so ein Teil», dachte sie, weil sie dumme Sprüche der Kollegen fürchtete. «Du gurkst ja herum wie eine Seniorin», erwartete sie zu hören. Doch heute will sie den Roller um keinen Preis wieder hergeben. «Das Fahrzeug hat nur Vorteile», schwärmt die Motorsportlerin.

Wegen der drei Räder sei es sogar auf Schnee stabil unterwegs und meistere auch Steigungen auf der rutschigen Unterlage mit Bravour. Die Unfallgefahr werde so drastisch reduziert. Als weiteren Vorteil nennt Knup die Ladekapazität. Man könne mit dem Roller viel mehr transportieren als mit anderen Fahrzeugen: Hinten lassen sich 90 Kilo draufpacken und im Anhänger nochmals 150 Kilo. «Das bedeutet für mich einen Zeitgewinn von bis zu 20 Minuten pro Tour», sagt die Briefträgerin.

Interesse auch aus dem Ausland

Zu den Eigenschaften, die es Knup angetan haben, zählt auch der Rückwärtsgang. Dank diesem kann sie enge Wege ohne Wendemöglichkeit problemlos befahren. Früher musste sie hier jeweils zu Fuss gehen.

Der Elektroroller findet nicht nur bei der Schweizer Post Anklang. Auch aus Deutschland, Liechtenstein und Luxemburg kommen vereinzelt Bestellungen. Zudem laufen in Frankreich, Schweden und Norwegen weitere Tests. Es sieht ganz so aus, als könnte das kleine Dreirad aus Freienstein bald ein internationaler Verkaufshit werden. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.11.2011, 17:46 Uhr)

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