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Gaskraft kann dem Klima helfen

Von Martin Läubli. Aktualisiert am 08.06.2011

Hätte der Atomausstieg zur Folge, dass die Schweiz temporär auf Gaskraft setzen müsste, wäre das kein Unglück. Eine Analyse von «Tages-Anzeiger»-Autor Martin Läubli.

Einträgliche Zwischenlösung: Im stillgelegten Wärmekraftwerk von Chavalon ist ein Gaskombikraftwerk geplant.

Einträgliche Zwischenlösung: Im stillgelegten Wärmekraftwerk von Chavalon ist ein Gaskombikraftwerk geplant.
Bild: Keystone

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Es herrscht ein Glaubensstreit in der Energiepolitik. Die Umweltlobby ist überzeugt, dass sich mit Effizienz, Stromsparen und erneuerbaren Energien der Ausstieg aus der Atomkraft wettmachen lässt. Der Dachverband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen hingegen sieht die Stromversorgung gefährdet. Und Stromkonzerne wie Axpo fürchten, die Klimaziele des Bundes würden verfehlt, weil nach dem Automausstieg Gaskraftwerke in die Lücke springen müssten.

Es ist auf den ersten Blick verständlich, wenn dem fossilen Erdgas nur wenig Gunst eingeräumt wird. Nachvollziehbar ist auch, dass bei Umweltorganisationen und manchen Klimaforschern die Meinung vorherrscht, es werde der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, wenn die Atom- durch Gaskraftwerke ersetzt würden.Tatsächlich wäre es nicht unbedenklich, wenn die Schweiz anstelle der heute nahezu CO2-freien Stromproduktion (dank Wasser- und Atomkraftwerken) auf eine Stromproduktion setzen würde, die Treibhausgase produziert («dank» Gaskraftwerken).

Erstens ist die Schweiz nach wie vor nicht auf Kurs, um die Treibhausgase nach den Auflagen des Kyoto-Protokolls zu reduzieren. Zweitens hat die Internationale Energieagentur eben mitgeteilt, dass die weltweiten Emissionen an Treibhausgasen durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas künftig weiter dramatisch ansteigen würden. Da wäre es umso wichtiger, dass die Schweiz eine Vorbildfunktion einnähme.

Einträgliche Kompensation

Trotzdem ist es falsch, wenn man in der Schweiz die fossile Stromherstellung und den Klimaschutz gegeneinander ausspielt. Dies zeigt sich besonders deutlich, wenn man den Blick nicht allein auf die Stromproduktion, sondern auf das gesamte Energiesystem wirft. Rund 800 000 Ölfeuerungen und 200 000 Gasheizungen sind in der Schweiz in Betrieb. Raumwärme und Warmwasser verbrauchen hier knapp die Hälfte des Energiebedarfs und sind für rund 40 Prozent der jährlichen CO2-Produktion verantwortlich.

Mit der Sanierung der Gebäudehüllen, dem Ersatz der Ölheizung durch Wärmepumpe oder Pelletheizung, der Umstellung des Elektroboilers auf Solarwärme oder durch Wärmespeicher im Boden liesse sich viel Energie und CO2 einsparen. Das Gleiche gilt für Erdgas-Blockheizkraftwerke, die fossile Heizungen ersetzen und kombiniert Strom und Wärme für Privathäuser und Industrie liefern. Eine solche Entwicklung liesse vermutlich genügend Platz für einige Gaskombikraftwerke, ohne dass der Klimaschutz infrage gestellt würde. Gaskraft kann den Klimaschutz unter Umständen sogar fördern, sofern die zusätzlichen CO2-Emissionen gemäss der aktuellen Regelung mindestens zu 70 Prozent im Inland kompensiert würden.

Vorübergehender Nutzen

Glaubt man dem Stromkonzern EOS, wonach in der Schweiz Kompensationskosten von 25 Franken pro Tonne CO2 möglich sind, würde zum Beispiel das geplante Gaskombikraftwerk in Chavalon über die Betriebszeit von 25 Jahren gerechnet etwa 500 Millionen Franken einbringen. Werden damit klimaschonende Projekte gefördert oder die Forschung alternativer Energiesysteme unterstützt, würde Gaskraft als Übergangstechnologie unter dem Strich sogar zu einer positiven Emissionsbilanz führen. Voraussetzung wäre aber, dass die Anlagen nach 30 Jahren stillgelegt oder nur noch als Reserven in der Stromversorgung eingesetzt würden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2011, 23:30 Uhr

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