Im Supermarkt der Zukunft kennt der Einkaufswagen die Kundin persönlich

Wenn der Einkaufswagen einen Bildschirm hat und die Preisetiketten elektronische Chips sind: Die Migros und die Industrie proben die Zukunft des Detailhandels.

Einkaufen in naher Zukunft: Der intelligente Einkaufswagen.

Einkaufen in naher Zukunft: Der intelligente Einkaufswagen.

Im Bürogebäude des deutschen Softwareriesen SAP in Regensdorf gibt es eine sehr spezielle Migros-Filiale. Keine Spaghettipackung verlässt diesen Laden, kein Franken liegt am Abend in der Kasse. Hier wird labormässig die Technik für den Laden der Zukunft erprobt. Zusammengetan haben sich die SAP und Siemens als Vertreter der Industrie, Forscher der ETH Zürich und der Uni St. Gallen als Wissenschafter und die Migros als Handelsunternehmen. Getestet werden neue RFID-Anwendungen.

RFID (Radiofrequenz-Identifikation) ist eine Technik, mit der die in einem winzigen Chip gespeicherten Daten berührungslos von Lesegeräten erfasst werden. Bei den neuen, sogenannten biometrischen Reisepässen, über die am Wochenende abgestimmt wird, sollen ebenfalls solche Chips eingebaut werden. Einkaufskontrolle am Monitor

Im Zukunftsladen sitzen hauchdünne RFID-Chips aber auf Teigwarenpaketen, Kosmetikschachteln, Softdrinkflaschen und sogar auf Peperoni oder Bananen. Die Waage am Gemüsestand erkennt diese übrigens über eine Kamera automatisch, es müssen keine Produktetasten mehr angetippt werden. Die von der Waage ausgegebene Preisetikette enthält auch gleich den Chip.

Die drahtlose Erfassung der Warendaten ist für Kundinnen und Kunden an der Kasse bequem, denn das Lesegerät erfasst auf einen Schlag sämtliche Produkte, die im Einkaufswagen liegen. Ein anderer Nutzen ist der Bildschirm am Wagen: Hier wird der Kassenzettel fortlaufend geführt. Jedes Produkt, das in den Wagen kommt, wird erfasst und mit Bezeichnung und Preis aufgelistet. Auf Wunsch gibts Zusatzinformationen, etwa Rezeptideen oder Hinweise auf Allergierisiken. Stammkunden können sich mit einer individuellen Chipkarte einloggen. Der Einkaufswagen erkennt sie dann und kann sogar persönliche Einkaufstipps geben, beispielsweise, wenn die Kundin am Kosmetikregal vorbeigeht, wo sie sich letztmals vor sechs Wochen ihre Lieblingsseife gekauft hatte.

Wie begeistert die Kundschaft von den Ideen der Ingenieure sein wird, ist offen. Vorläufig wird experimentiert. Der grösste Gewinn der neuen Technik wird aber bei der Logistik anfallen - auch die ist im Labormassstab in Regensdorf vorhanden. Im Idealfall werden die Waren von der Fabrik oder vom Erntefeld bis ins Ladenregal mit RFID ständig verfolgt. Es soll nicht mehr vorkommen, dass etwas ausverkauft ist, auf dem Versorgungsweg stecken bleibt oder in verdorbenem Zustand eintrifft.

Die Modekette Charles Vögele - die mit dem Zukunftsladen in Regensdorf nichts zu tun hat - ist von einer Fachzeitschrift soeben für eine Pilotanwendung von RFID ausgezeichnet worden. Vögele lässt bei den Lieferanten in Asien in allen für die Filialen in Slowenien bestimmten Kleider einen RFID-Chip einbauen. So kann der Weg einer Bluse von der Nähmaschine nahtlos bis zur Ladenkasse verfolgt werden.

(pwy/ta)

Erstellt: 13.05.2009, 09:19 Uhr


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