Klimakiller CO2 könnte bald Autos antreiben

Vom Klimafeind Nummer 1 zum Treibstoff: Ein deutscher Autobauer will CO2 industriell nutzbar machen – mit Hilfe der ETH.

Dereinst mit Kohlendioxid unterwegs? Auto auf dem Klausenpass. (Archivbild)

Dereinst mit Kohlendioxid unterwegs? Auto auf dem Klausenpass. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ausgerechnet das als Klimakiller verschriene Kohlendioxid CO2 könnte dereinst Treibstoffe für Autos liefern. Nächstes Jahr will jedenfalls ein deutscher Autobauer erstmals einen in der Schweiz entwickelten CO2-Kollektor industriell einsetzen.

Mit dem aus CO2 gewonnenen Treibstoff gehe es darum, Autos auch auf langen Strecken CO2-neutral antreiben zu können. Das sagte Hagen Seifert von Audi am Mittwoch zu Beginn des Schweizerischen Energie- und Klimagipfels (Swiss ECS) in Bern an einer Medienkonferenz.

ETH-Spin-Off arbeitet mit

Sein Unternehmen werde nun den Schweizer Erfindern des CO2-Kollektors mit Know-how unter die Arme greifen, um diese Anlagen zur Serienreife zu bringen. «Wir sehen darin eine extrem vielversprechende Zukunftstechnologie», sagte Seifert weiter.

Ein sogenanntes Spin-Off-Unternehmen der ETH Zürich mit dem Namen Climeworks hat den CO2-Kollektor entwickelt. Mitbegründer Christof Gebald sagte, Kernstück des Kollektors sei eine Art Filter oder Schwamm. In diesem Filter setze sich das CO2 fest, und wenn man es erwärme, könne aus der Abwärme Gas gewonnen werden. Aus diesem lässt sich dann wiederum Diesel, Benzin oder Methangas produzieren.

Auf einer Anlage im niedersächsischen Werlte will nun Audi mehrere CO2-Kollektoren aufstellen und die damit gewonnenen Treibstoffe in der Praxis erproben.

Optimistische Doris Leuthard

Unter dem Motto «Walk the Talk» steht der diesjährige Swiss Energy and Climate Summit, wie der offizelle Name lautet. Das heisst übersetzt etwa «Den Taten Worten folgen lassen». Rund 600 Personen nehmen am zweitägigen Anlass teil.

Bundesrätin Doris Leuthard hielt am Mittwochnachmittag die Eröffnungsrede und gab einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Energiepolitik.

Sie sei überzeugt, dass die Bevölkerung und die Wirtschaft bereit seien für die Energiezukunft - der neue Rekord bei den Anmeldungen für die kostendeckende Einspeisevergütung vom Juni dieses Jahres zeige dies.

Der Chef des deutschen Energieunternehmens WestfalenWind, Johannes Lackmann, hielt ein flammendes Plädoyer für die Anwendung des Verursacherprinzips in der Energie und Lenkungsabgaben. Den CO2-Emissionshandel bezeichnete er «als Katastrophe».

Am Swiss ECS wurden auch andere technische Neuerungen präsentiert. So etwa eine schiffscontainergrosse Nuklearbatterie mit einer Leistung von zwei Megawatt, welche in der Lage ist, während zwölf Jahren ununterbrochen Strom zu lieferen. Ein US-amerikanisches Jungunternehmen hat sie gebaut. (fko/sda)

Erstellt: 03.09.2014, 21:22 Uhr

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