«Künstliche Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten»

Stephen Hawking hat ein Leben lang von Hightech profitiert. Nun lässt er bei einem Auftritt in London aufhorchen.

Spricht über sein neues Kommunikationssystem: Stephen Hawking. (Quelle: BBC/Youtube)


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Er beeindruckte alle, als er gestern in London vor die Medien trat: Stephen Hawking präsentierte gemeinsam mit dem Softwarehersteller Intel eine neue Kommunikationsplattform zur drastisch vereinfachten Verständigung via Sprachcomputer. Der berühmte Astrophysiker leidet an der Muskelkrankheit ALS und ist seit Jahrzehnten auf den Rollstuhl angewiesen.

Anlässlich der Präsentation führte die britische Fernsehstation BBC ein ausführliches Interview mit Hawking (siehe oben). Darin warnte der 72-Jährige vor den Folgen der technischen Entwicklung für die Menschheit. «Bereits die einfache Form von künstlicher Intelligenz, wie wir sie heute nutzen, erweist sich als äussert nützlich. Entwickelt sie sich weiter, könnte sie eines Tages das Ende der Menschheit bedeuten», sagte Hawking im Gespräch. Denn Technik entwickle sich schneller als die menschliche Biologie.

Seit 25 Jahren arbeitet Hawking mit Intel zusammen. Seine ALS-Erkrankung wurde 1961 diagnostiziert. Die Ärzte gaben dem damals 21-Jährigen noch zwei Jahre zu leben. «Die Medizin war nicht fähig, mich zu heilen», sagte er in London, «also verlasse ich mich auf die Technik, die mir hilft, zu kommunizieren und zu leben.»

Infrarotsensor in einer Brille

Dank der neuen Computersoftware kann Hawking schneller und einfacher kommunizieren. «Diese technische Entwicklung hat das Potenzial, das Leben von behinderten Menschen in aller Welt zu verbessern», sagte Hawking in London. «Sie macht es möglich, dass ich jeden Tag das tun kann, was ich gerne tue.»

Das System basiert auf einem Infrarotsensor in der Brille des Wissenschaftlers. Mit Bewegungen seiner Gesichtsmuskulatur kann er Computerbefehle geben. Intel will das System im Januar als Open Source kostenlos verfügbar machen. Viele Menschen mit Behinderungen könnten davon profitieren, sagte die leitende Ingenieurin Lama Nachan.

«Dieses System verändert mein Leben»

Der Softwarehersteller Intel hat mit Hawking gemeinsam drei Jahre lang an der Entwicklung des neuen Systems gearbeitet. «Wir haben die Sprechgeschwindigkeit von Stephen verdoppelt», sagte Lama Nachan. Die Computerstimme des weltbekannten Astrophysikers bleibe die alte. Andere Anwendungen, etwa das Öffnen von Computerdokumenten, kann der Ausnahmewissenschaftler sogar bis zu 15-mal schneller ausführen als mit seinem alten System.

«Mein altes System war 20 Jahre alt und ich fand es zunehmend schwieriger, effektiv zu kommunizieren», sagte Hawking. «Dieses System verändert mein Leben – und ich hoffe, es wird mir die nächsten 20 Jahre gute Dienste erweisen», sagte der 72-Jährige.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur sda. (wid)

(Erstellt: 03.12.2014, 10:30 Uhr)

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Das Physik-Genie vor den Medien: Stephen Hawking. (Bild: Keystone )

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