Mit Tempo nach Mekka
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 28.10.2011 27 Kommentare
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Ein Lichtstrahl in düsteren Zeiten: Spanien, das gebeutelt wird von stagnierender Wirtschaft und rekordhoher Arbeitslosigkeit, hat den grössten Auslandauftrag seiner Geschichte gewonnen – einen Vertrag über 6,7 Milliarden Euro für den Bau einer ganz besonderen, international umkämpften Zuglinie.
Die saudische Eisenbahnbehörde hat einem spanischen Konsortium, das von der staatlichen Zuggesellschaft Renfe angeführt wird, den Zuschlag für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Medina–Jidda–Mekka gegeben: 450 Kilometer durch die Wüste, von einer heiligen Stadt zur anderen, inklusive eines Zwischenstopps in der Hafenstadt Jidda. Die Reise soll weniger als zweieinhalb Stunden dauern, bei Tempospitzen von 320 Stundenkilometern. 160'000 Pilger könnten pro Tag transportiert werden.
«Eine weitere Enttäuschung für Frankreich»
Inbegriffen im Auftrag ist die Lieferung von 35 Zügen des AVE, kurz für Alta Velocidad Española, das Pendant zum französischen TGV. Und mit den Franzosen fochten die Spanier denn auch den Bieterwettbewerb aus, in den letzten Monaten zunehmend gehässig und politisch: Paris schickte gar Premierminister François Fillon nach Saudiarabien, um zu lobbyieren. Ohne Erfolg. Der regierungsnahe «Figaro» schreibt von einer «weiteren grossen Enttäuschung für Frankreich auf dem Markt der Grossexporte».
Am Ende spielte wohl auch der spanische Preisabschlag von 30 Prozent eine Rolle – aber nicht nur der: Die Spanier gelten seit einiger Zeit als Meister auf dem Gebiet. Der AVE hat den TGV sozusagen überholt. In keinem anderen Land Europas wurden mehr Kilometer Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge verlegt als in Spanien, nämlich doppelt so viele wie in Frankreich. Weltweit zählt nur China mehr Schienenkilometer. «Wir sind jetzt für viele Länder ein Modell und eine Referenz», verlautete aus Spaniens Transportministerium. Man bewirbt sich auch um den Bau von Strecken in Brasilien und in Amerika. Und verscheucht so ein bisschen den Pessimismus in der Krise.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.10.2011, 20:18 Uhr
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