Nervengift im Flugzeug macht Piloten und Passagiere krank

Aktualisiert am 24.09.2009 3 Kommentare

Immer wieder gelangt Ölqualm über Triebwerke in Flugzeuge. Piloten sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Sicherheit der Passagiere. Wie gefährlich der Qualm ist, zeigt eine neue Studie.

Risiko in der Luft: Atmen Piloten giftigen Qualm ein, ist die Flugsicherheit gefährdet.

Risiko in der Luft: Atmen Piloten giftigen Qualm ein, ist die Flugsicherheit gefährdet.
Bild: Keystone

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Wie das Gift ins Flugzeug gelangt

Cockpits und Passagierkabinen fast aller modernen Linienflugzeuge werden über die Triebwerke mit Luft versorgt.

Diese «Zapfluft» wird verdichtet, erwärmt und durch Rohre ins Innere geleitet. Das Cockpit wird zu 100 Prozent mit Zapfluft versorgt, die Passagierkabine zu 60 Prozent.

Bei Triebwerksschäden kann sie mit Ölqualm kontaminiert werden, der das Nervengift Trikresylphosphat (TCP) enthält.

Das Cockpit füllt sich plötzlich mit Dunst, der eine toxische Wirkung entfaltete. Es riecht unangenehm. Dieser Qualm kann durch ein Ölleck im Triebwerk entstehen, der dann über die Klimaanlage ins Cockpit gelangt. Wenn Piloten kontaminierte Luft einatmen, ist die Flugsicherheit gefährdet: Die Handlungsfähigkeit ist nicht mehr gewährleistet.

Ein sogenannter «Fume Event» ist auch bei allen Flugzeugen der Swiss möglich. Jeder Jet, der Luft über Triebwerke einsaugt, kann betroffen sein.

200’000 Flugpassagiere betroffen

Nach einer Expertise der britischen Regierung ist dies statistisch bei jedem 2000. Flug der Fall. Für die Swiss würde dies bei jährlich 134’000 Flügen fünf Vorfälle pro Monat bedeuten. Die Neuropsychologin Sarah Mackenzie Ross (University College London) glaubt, dass jährlich bis zu 200’000 britische Flugpassagiere von einem «Fume Event» betroffen sind. Fluggäste können die Rückstände von erhitztem Öl über die Lüftung oder das Licht oberhalb des Sitzes einatmen.

Recherchen der TV-Sendungen «Kassensturz» (SF) und «Plusminus» (ARD) ergaben auch in einigen Flugzeugen der Swiss eine stark erhöhte Konzentration des Nervengifts TCP. Dieser Stoff ist dem Triebwerksöl aus technischen Gründen beigemischt.

Irreversible Gesundheitsschäden

Wenn Piloten, Flight Attendants oder Passagiere den Giftqualm einatmen, können sie schwer erkranken und arbeitsunfähig werden. Mediziner nennen die Krankheit Aerotoxisches Syndrom. Die Symptome sind: Seh- und Sprechstörungen, Gedächtnisverlust, Husten, Atemnot, Koordinationsstörungen und Lähmungen. Zum Teil sind die Gesundheitsschäden irreversibel.

Die Swiss sagte im «SonntagsBlick» im April, dass sie das Thema sehr ernst nehme. Weiter schrieb sie aber auch: Ein «kausaler Zusammenhang» zwischen Öldampf in der Kabine und gesundheitlichen Problemen «konnte bis heute nicht nachgewiesen werden».

Neue Studie bringt Beweise

Gemäss einer neuen britischen Studie ist der Beweis jetzt jedoch erbracht. Eine Untersuchungsreihe mit 18 Piloten habe klare Verbindungen zwischen einem «Fume Event» und chronischen Gesundheitsproblemen hergestellt, wie die britische Zeitung «Telegraph» berichtet. Der Untersuchungsleiter und Neuropsychologe Peter Julu sagt, er habe Beweise für Nervenschäden durch chemische Vergiftungen im Flugzeug gefunden. Eine amerikanische Untersuchung mit 26 Piloten als Testpersonen ist kürzlich zum gleichen Ergebnis gekommen.

Ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde in London sagt: «Die Studie von Peter Julu ist mit Vorsicht zu geniessen. Die Untersuchung sei bis jetzt noch nicht nachgeprüft worden.» (bru)

Erstellt: 24.09.2009, 15:55 Uhr

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3 Kommentare

Roger Kuhn

24.09.2009, 20:00 Uhr
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... als Vielflieger beunruhigt mich dies nicht, wenn man bedenkt, dass viele Piloten ein gröberes Alkohol-Problem haben. Ich bin überzeugt, dass trotz dieser Studie im Kontext eines möglichen Safety-Problems, Fliegen in Zukunft immer noch das sicherste Fortbewegungsmittel sein wird ... Antworten


Max Sutter

24.09.2009, 18:36 Uhr
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Das Problem ist uralt und bekannt. Technisch wäre es sehr wohl möglich, die Kabinenklimatisierung unabhängig von der Zapfluft an den Triebwerken zu beschicken, nur kostet das halt Platz und Gewicht für zusätzliche Aggregate. Solange die Lösung dieses Problems kein offizielles technisches Erfordernis wird, solange wird sich vermutlich nichts tun, so einfach ist das in der Marktwirtschaft. Antworten



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