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Phobos-Grunt stürzt am Sonntag in den Atlantik

Aktualisiert am 13.01.2012

Immer wieder wird die Vorhersage geändert: Nach neusten Berechnungen wird die russische Marssonde in den Atlantik fallen – zumindest Teile davon. Für die Schweiz besteht höchstwahrscheinlich keine Gefahr.

154 Millionen Franken teure Sonde: Letzte Arbeiten an Phobos-Grunt im kasachischen Baikonur. (2. November 2011)

154 Millionen Franken teure Sonde: Letzte Arbeiten an Phobos-Grunt im kasachischen Baikonur. (2. November 2011)
Bild: Keystone

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Die fehlgeleitete Phobos-Marssonde

Die fehlgeleitete Phobos-Marssonde
Die erste Weltraummission Russlands könnte wegen eines Triebwerkausfalls scheitern.

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Die Raumsonde «Phobos-Grunt» wird russischen Experten zufolge vermutlich über Argentinien in die Erdatmosphäre eintreten. Die dabei nicht verglühenden Teile könnten nach jüngsten Berechnungen am Sonntag nach 17 Uhr MEZ in den Atlantik stürzen.

Das teilte die Raumfahrtbehörde Roskosmos am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit. Eine Gefahr für bewohnte Gebiete sei nicht völlig auszuschliessen, sagte der Moskauer Raumfahrt-Experte Alexander Ilin. Details seien aber erst kurz vor dem Absturz berechenbar.

Giftstoffe im Tank

Die Berechnungen der Absturzstelle und -zeit sind offenbar schwierig: Am Donnerstag hatte die Raumfahrtbehörde Roskosmos noch mit einem Absturz am Sonntag um 13.12 Uhr MEZ in den Indischen Ozean nördlich von Madagaskar vor den Küsten von Tansania und Kenia gerechnet. Am Mittwoch hatte es geheissen, die Teile würden mitten in den Indischen Ozean fallen.

Die Giftstoffe im Tank sowie das radioaktive Kobalt an Bord verglühten wohl, sagte Ilin. «Die rund 13,5 Tonnen schwere Raumsonde wird von der Hitze förmlich zerrissen.» Rund zwei Tonnen der Raumsonde seien aus Metall, davon könnten voraussichtlich 200 Kilogramm als Trümmer zur Erde fallen.

Keine Gefahr für die Schweiz

Für die Schweiz besteht höchstwahrscheinlich keine Gefahr. Laut dem Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) werde «die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz betroffen ist und dass es dabei zu Schäden kommt, als äusserst gering eingeschätzt». Die Nationale Alarmzentrale (NAZ) verfolge die Lage, heisst es in einer VBS-Mitteilung.

Der am «Phobos-Grunt»-Projekt beteiligte Forscher Wladimir Sytschjow sagte, an Bord des 120 Millionen Euro teuren Flugkörpers befänden sich auch Mikroorganismen und Fruchtfliegen.

«Sie befinden sich in hermetisch abgeschlossenen Titankapseln und stellen keine Bedrohung für die Bevölkerung dar - falls sie den Absturz überhaupt überstehen», wurde der Wissenschafter vom Institut für Biomedizinische Probleme (IMBP) zitiert.

Vorwürfe an Roskosmos

Schwere Vorwürfe gegen Roskosmos erhob der Flugpionier Wladimir Bugrow. «Wenn einigen Ingenieuren vor dem Start von 'Phobos-Grunt' tatsächlich klar war, dass die Mission nur 50 Prozent Erfolgschancen hat - warum haben sie dann ihre nötige Unterschrift geleistet?», sagte der 78-Jährige der Zeitung «Rossijskaja Gaseta».

Die am 9. November 2011 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartete «Phobos-Grunt» sollte den grössten Marsmond Phobos erforschen, Bodenproben sammeln und diese bis 2014 zur Erde bringen. Wegen einer technischen Panne blieb die Raumsonde aber in der Erdumlaufbahn stecken.

Mit der ersten interplanetaren Mission seit 15 Jahren wollte die Raumfahrtnation Russland nach Rückschlägen wieder international Eindruck machen. (rub/bru/sda)

Erstellt: 13.01.2012, 11:32 Uhr

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