So überprüft die Lufthansa die Psyche ihrer Piloten

Körperlich werden die Piloten der Lufthansa regelmässig untersucht. Die psychische Eignung für den Beruf wird allerdings nur einmal getestet.

«Weltweit anerkannt», sei ihr Standard, was den Eignungstest für Piloten anbelangt, sagt Lufthansa: Piloten der deutschen Airline vor einer A380.

«Weltweit anerkannt», sei ihr Standard, was den Eignungstest für Piloten anbelangt, sagt Lufthansa: Piloten der deutschen Airline vor einer A380. Bild: Keystone

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Die Piloten der Lufthansa werden – wie auch bei vielen anderen Fluggesellschaften – vor ihrer Ausbildung psychisch auf die Eignung für diesen verantwortungsvollen Beruf überprüft. Nach dem Erwerb der Verkehrspilotenlizenz erfolgen dann regelmässige medizinische Tests, psychische Tests gibt es später allerdings nicht mehr. Konzernchef Carsten Spohr sagte, dass bei der Auswahl ein spezieller mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR entwickelter Eignungstest bei der Auswahl der Flugzeugführer eingesetzt wird. Dieser sei «weltweit anerkannt».

Auffälligkeiten werden in der Regel von Kollegen während der Arbeit bemerkt und gemeldet. Allerdings kommt es selten vor, dass die gleiche Crew im Cockpit oder in der Kabine mehrere Tage zusammen fliegt, psychische Auffälligkeiten müssten von daher schon sehr extrem sein, um sofort bemerkt zu werden.

Wie die Lufthansa erklärte, können die Piloten sich bei Sorgen oder psychischen Problemen jederzeit an Spezialisten des Konzerns wenden, die ihnen dann weiterhelfen. Bewerber für die Pilotenausbildung auf der Fliegerschule in Bremen müssen vor dem ersten persönlichen Kontakt mit Mitarbeitern der Lufthansa einen umfangreichen digitalen Fragenkatalog ausfüllen. Danach werden sie zu etwa drei Tage laufenden technischen und psychologischen Tests eingeladen, bevor über ihre Eignung für die Pilotenausbildung entschieden wird.

Vor Ausbildungsbeginn finden dann umfangreiche medizinische Tests statt, bei denen die Pilotenanwärter unter anderem auch auf Drogenkonsum untersucht werden. Während der eigentlichen Berufstätigkeit würde fortgesetzter Drogenkonsum allerdings nur bei den gesetzlich vorgeschriebenen, jährlichen Medizinchecks auffallen.

Regelmässige Sicherheitsüberprüfung

Vor Eintritt in die Pilotenschule erfolgt wie bei allen anderen Mitarbeitern von Fluggesellschaften eine Sicherheitsüberprüfung durch die zuständigen Luftsicherheitsbehörden. Diese läuft unter anderem über das polizeiliche Führungszeugnis. Die Luftsicherheitsbehörden fordern Informationen von den Polizei- und Verfassungsschutzbehörden an und teilen das Ergebnis der Überprüfung den Flughäfen und den Airlines mit.

Diese Sicherheitsüberprüfung muss nach fünf Jahren erneuert werden. Sind Mitarbeiter von Airlines polizeilich auffällig geworden, wird dies dem Arbeitgeber automatisch mitgeteilt und im Extremfall bis zur gerichtlichen Klärung des Sachverhalts die Ausübung des Berufs in allen sicherheitsrelevanten Bereichen untersagt.

Bei der Lufthansa wird zudem während der Ausbildung sehr grosser Wert auf die Entwicklung der fliegerischen Fähigkeiten gelegt. So lernen alle Schüler das faktische Fliegen in kleinen Maschinen im Trainingscenter der Lufthansa in Phoenix/Arizona. Dort hängen Fotos aller bisherigen Ausbildungsjahrgänge an den Wänden, die vermitteln sollen, dass die Piloten zu einer kleinen, feinen Elite gehören.

Harte Ausbildung in der amerikanischen Wüste

In der Regel fliegen die Flugschüler in der amerikanischen Wüste mit einem Fluglehrer in kleinen Maschinen. Wegen der heissen Luft kommt es zwischendurch zu schweren Turbulenzen, die bei den Flugschülern auch schon einmal zu starken gesundheitlichen Reaktionen führen können. Dennoch dürfen die Flugschüler zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über das Flugzeug verlieren.

Sind die körperlichen und psychischen Strapazen erfolgreich überstanden, schweisst dies die Auszubildenden in der Regel weiter zusammen. Während des Berufsalltags werden die fertig ausgebildeten Piloten einmal im Jahr von einem Arzt untersucht, um ihre körperliche – nicht aber die psychische – Flugtauglichkeit festzustellen.

* Ernst August Ginten / LENA (Leading European Newspaper Alliance) – in Kooperation mit «Die Welt». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.03.2015, 16:02 Uhr)

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