Steiler hinab – leiser am Boden
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 27.07.2011 16 Kommentare
Forscht für weniger Fluglärm: Helmut Többen vom Institut für Flugführung des DLR.
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Projekte in der Schweiz und Europa
Damit die Schweizer Luftfahrt von der Satelliten-Technologie profitiert, hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt das Koordinations- und Steuerungsprogramm Chips gestartet. Chips steht für «CH-wide Implementation Program for SESAR oriented Objectives, Activities and Technologies» und soll in der Schweiz als Sammelbecken für Ideen dienen, um die Einführung neuer Verfahren zu koordinieren. SESAR ist die Abkürzung für ein aufwendiges Forschungsprogramm der EU, um den Flugverkehrs effizienter zu gestalten.
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Seit dem 10. Februar hat sich die Nachtruhe in der Region Offenbach ein wenig verbessert. Von 23 bis 5 Uhr fliegen Passagierjets den Flughafen von Frankfurt am Main nicht mehr schnurgerade auf einer rund 10 Kilometer langen Einflugschneise an, sondern «segmentiert», wie Helmut Többen das nennt. Der Experte vom Institut für Flugführung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erforscht und testet mit anderen Fachleuten neue Anflugsysteme, die das Nachtleben betroffener Anwohner künftig beruhigen sollen.
Zum Beispiel Anflüge mit steileren Winkeln als die heute üblichen drei Grad: Je grösser der Winkel, desto länger ist das Flugzeug höher in der Luft. Wie sich dieser Flug in die Tiefe, von dem laut Többen eher die Piloten als die Passagiere etwas spüren, auf den Lärmpegel am Boden auswirkt, erkundeten die Wissenschaftler mit Testanflügen auf den Flughafen in Braunschweig. Die Resultate der Messungen durch Bodenmikrofone: Ein leicht steilerer Anflug mit 3,2 Grad verringerte den Anfluglärm nur unwesentlich, während die Steigerung von 4,5 über 5 bis zu 5,5 Grad deutlich spürbar war.
Belastung für die Anwohner geringer
Beim steilsten Anflug verringerte sich das Überfluggeräusch, wie Menschen es wahrnehmen, um rund 25 Prozent. «Abstand ist das beste Mittel gegen Fluglärm», lautet Többens Fazit aus den 13 Testflügen. Beim Flughafen London-City wird der 5,5-Grad-Anflug sogar schon praktiziert – allerdings mit speziell modifizierten A-318-Maschinen, die auf der Strecke nach New York verkehren. Für den Einsatz auf europäischen Grossflughäfen wie Frankfurt oder Zürich müssten handelsübliche Jets laut dem Forscher wohl aus Sicherheitsgründen aufgerüstet werden.
Nützlich wäre zum Beispiel ein Head-up-Display, also eine Glasscheibe, die dem Piloten die Flugdaten während des Anflugs vor Augen führt. Damit könnte er im heikelsten Moment der Landung, dem «Flare» genannten Hochziehen der Nase, durch eine spezielle Anzeige für diese Situation unterstützt werden. «Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Fahrwerke stärker ausgelegt werden müssten», sagt Többen, «allein schon für den Fall, dass ein steilerer Anflug nicht richtig klappt und der Touch-down einen harten Stoss zur Folge hätte.»
GPS-Systeme mit höherer Genauigkeit
Eine zweite Strategie, um Fluglärm zu mindern, wird ebenfalls bereits in der Praxis getestet. Die Flugzeuge, die seit Februar auf dem Frankfurter Flughafen ab 23 Uhr landen, fliegen nicht mehr auf der Einflugschneise über die bewohnten Gebiete von Offenbach, sondern bogenförmig um sie herum – dank der Steuerung durch Satellitendaten des Global Positioning System (GPS), das die Piloten von den «Funkfeuern» am Boden unabhängig macht.
Bei den Tests am Braunschweiger Flughafen hatten die DLR-Forscher bei ihren Steilflug-Versuchen ein noch genaueres Satelliten-System namens GBAS (Ground Base Augmentation System) zur Verfügung, das letztlich auf simple Weise arbeitet. Eine Bodenstation steht in Kontakt mit allen Satelliten, die an der Berechnung der Position des Flugzeugs beteiligt sind und führt ständig Kontrollrechnungen durch. Dank dieses Verfahrens wurden die Flugdaten so genau bestimmt, dass die Anflüge mit maximalen Abweichungen von 40 Höhenmetern gelangen.
Kloten: Testphase auf Piste 14 seit März
Solche Navigationssysteme sollen in absehbarer Zeit in ganz Europa zum Einsatz kommen, auch in Zürich-Kloten. Auf der Piste 14 können seit dem 10. März Flugzeuge mit der entsprechenden Ausrüstung per GPS landen – allerdings nur entlang der bereits bestehenden Anflugrouten. Diese erste Testphase brachte, wie Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling sagt, «durchweg positive Erfahrungen. Das System läuft einwandfrei». Gleichwohl landeten bislang nur etwa 200 Maschinen auf diese Art, weil heute nur eine Minderheit mit der nötigen Technologie ausgerüstet ist.
In Zukunft soll die Satellitennavigation auf Europas Flughäfen aber zum Standard werden (siehe Box). Bei den neuesten Boeing-Generationen 737-600, - 700 und - 800 sind sogenannte RNAV-Systeme jedenfalls schon erhältlich. Und während steilere Anflüge auf grossen Airports laut Helmut Többen «wohl noch Zukunftsmusik» sind, glaubt der DLR-Forscher, dass GPS-Systeme sich schon im Lauf der nächsten zehn Jahre in der Praxis etablieren könnten.
Schritt für Schritt zur künftigen Navigation
Wie könnte sich dieser Technologie-Sprung auf die Lärmbelastung durch den Zürcher Flughafen auswirken? Und welche alternativen Anflugrouten könnte er dereinst erlauben? «Eindeutig noch nicht zu beantworten», teilt die Flugsicherung Skyguide auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit. «Zu früh», heisst es auch beim Flughafen Zürich, zumal der Fluglärmstreit mit Deutschland derzeit den Blick auf Perspektiven trübt. Der nächste konkrete Schritt in die Zukunft der Navigation soll laut dem Unternehmen allerdings schon in wenigen Monaten folgen – mit einer Bodenstation für das genauere GBAS-System. Dann wären Satelliten gestützte Anflüge auf Piste 14 auch bei schlechter Sicht erlaubt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2011, 08:19 Uhr
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16 Kommentare
Der Flughafen ist schon länger da, nur weil Spekulaten Bauland billig erworben haben und Dort Wohnungen/Häuser gebaut worden sind, jeder wusste es wo dort hin gezogen ist also ist er auch selber Schuld. Ich wohne auch dort und mich stört es nicht, lieber ein Flugplatz um die Ecke als die Autobahn die finde ich störender. Von daher Go ZRH Airport und ich bin pro Flugplatz und Arbeitsplätze!
my 2c
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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