Studentin spürt Fehler im Cern auf – Wissenschaftler überrascht
Von Marc Brupbacher. Aktualisiert am 23.03.2009 25 Kommentare
«The Daily Princetonian» berichtet über den sensationellen Fund von Xiaohang Quan.
Links
Artikel zum Thema
Cern und LHC
Das Cern, die Europäische Organisation für Kernforschung, ist eine gigantische Forschungseinrichtung in der Nähe von Genf in der Schweiz. Am Cern wird vielfältige physikalische Grundlagenforschung betrieben, bekannt ist es vor allem für seinen grossen Teilchenbeschleuniger LHC.
Der Teilchenbeschleuniger LHC gilt als die grösste und komplizierteste Maschine, die je gebaut wurde. Im unterirdischen Tunnel bei Genf werden Protonen, also Wasserstoffkerne, auf beinahe Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und aufeinandergeschossen. So wollen die Wissenschaftler die kleinsten Bausteine der Materie untersuchen und ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Die junge Physikstudentin Xiaohang Quan reiste letzte Woche zusammen mit drei von ihren Professoren von der Princeton University (New Jersey, USA) nach Genf um am Jahrestreffen der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) teilzunehmen. Dabei traf die chinesische Delegation auch die Hardwareentwickler des Compact Muon Solenoid (CMS), welcher ein Teil des grossen ringförmigen Teilchenbeschleunigers LHC ist, um ihnen ein Fehler im System zu erläutern.
Xiaohang Quan hat während ihrer Dissertationsarbeit herausgefunden, dass eine CMS-Hardware Daten doppelt aufzeichnet, was zu Fehlern bei der Schlusskalkulation führen kann, wie die Studentenzeitung «The Daily Princetonian» berichtet.
Wissenschaftler überrascht
Quan tüftelte in ihrer Arbeit die letzten Jahre nach einem bestimmten Algorithmus im Zusammenhang mit dem Teilchenbeschleuniger Large Electron-Positron Collider (LHC). Sie war sehr überrascht, als sie eine Diskrepanz zwischen ihren Vorhersagen und den tatsächlichen Resultaten in Genf feststellte.
«Falls weitere Analysen meine Entdeckung bestätigen, wird es den Physikern eine Menge Ärger ersparen», sagt Quan.
Professor Christopher Tully, Quans Dissertations-Betreuer, präsentierte die neuen fehlerbereinigten Kalkulationen vor kurzem den Wissenschaftlern am Cern. Diese hätten nicht schlecht gestaunt, als sie erfuhren, dass eine College-Studentin die Missstände aufspürte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.03.2009, 10:57 Uhr
WRITE A COMMENT
25 Kommentare
Xiaohang Quan eine junge Physikstudentin – vermutlich mit einem Masterabschluss – tüftelte die letzten Jahre im Rahmen ihrer Doktorarbeit nach einem bestimmten Algorithmus im Zusammenhang mit dem Teilchenbeschleuniger Large Electron-Positron Collider (LCH) und hat dabei einen Systemfehler. Gratulation! Bloss: Eine "Studentin", mit Master die seit mehreren Jahren an der Dissertation schreibt... Antworten
Augen auf, das ist das Motto! Man sieht, es lohnt sich in vielen Lebenssitutationen, selber zu denken und Dingen unvoreingenommen auf den Grund zu gehen. Weniger Autoritätsgläubigkeit bewahrt uns in vielen Lagen vor dummen Fehlern - lbnl auch bei der Bankenkrise, auch in der Politik. Antworten
Ich selbst durfte vor einigen Jahren im CERN erleben, wie diese hoch komplizierte und technisch sehr komplexe Anlage aufgebaut wurde - und wunderte mich damals schon, ob dieses doch eindrucksvolle und imposante Werk auch störungsfrei laufen würde. Wenn dieser "Rechenfehler" das einzige Problem war, ist und bleibt, so haben die Leute am CERN einen richtig guten Job gemacht. Antworten
Superstory - wie im Film! Und zum Schluss rettet die Putzfrau im Kommandoraum des Amok gelaufenen CERN unsere Welt vor schwarzen Löchern, indem Sie dem Compi einfach den Stecker rauszieht - die rundumstehenden ratlosen Wissenschaftler applaudieren frenetisch. Antworten
@ G. Rubli: Ihnen fehlt das Gottvertrauen, dass trotz dem menschlichen Grössenwahn doch noch alles gut gehen wird und niemals nicht kein Risiko für die Sicherheit besteht und so. Die Wissenschaft ist unfehlbar und sie irrt keineswegs, wie manche Ketzer behaupten, von einem Irrtum zum nächsten. Einfache Menschen können diese Komplexität eben nicht verstehen. Viele wissensch. Studien beweisen das. Antworten
Die Leistungen unserer wissenschaftlichen Elite - vergessen wir nicht die hochdekorierten Ökonomen, Physiker etc, welche in der Finanzindustrie arbeiten (gearbeitet haben) - können wirklich auch mehr hinterfragt werden. Die Politik verbietet, lenkt und entscheidet aufgrund von Statistiken und Arbeiten, die genau aus dieser Ecke kommen (Klima, Sicherheit, Energie, Gesundheit). Antworten
"xie xie nee Quan lao shr". Hochnot-peinlich fuer die hochdotierten computerglaeubigen Wissenschenschaftler. Verdient diese "Studentin" mit gesundem Menschenverstand nicht den Nobelpreis in Physik oder Mathematik? Unvorstellbar welches GAU in Genf und Umgebung mit derartig falschen Berechnungen haette ausgeleost werden koennen. Antworten
Die gelehrten Damen und Herren, welche versuchten, die Kritik am LHC-Experiment lächerlich zu machen, stehen nun selbst mit abgesägten Hosen da. "Komplizierteste Maschine, die je gebaut wurde" - ergänzen sollte man: nutzloseste und möglicherweise gefährlichste... Menschliche Selbstvernichtung durch schwarzes Loch - Treppenwitz des Universums. Antworten
Statt Geld wird Quan einen Orden bekommen. Und das Geld, das man jetzt für die Fehlersuche eingespart (=verdient) hat, kann man jetzt dem Management als Bonus ausschütten, da unter ihrer Federführung grösstes Ungemach vermieden wurde. Willkommen im Kapitalismus, Quan! Antworten



Die Welt in Bildern

Hans-Karl Kuhn
Wer den Originalartikel gelesen hat, kann sich nur wundern über diesen Artikel, und noch mehr über den von "20 Minutes". LEP und LHC verwechselt, CMS mit LHC in einem Topf: Welche journalistische Sorgfalt. CMS als CERN-Experiment hat nichts zu tun mit dem Betrieb des LHC, ergo hat die Studentin das CERN als solches auch nicht erschüttern können. Aber das sind ja alles nur unbedeutende Details... Antworten