Suche nach GPS der Brieftauben

Von Barbara Reye. Aktualisiert am 26.06.2009

Was im Gehirn von Brieftauben bei ihrer Rückkehr vorgeht, haben Forscher der Universität Zürich erstmals mit einem selbst entwickelten Miniaturgerät untersucht.

Mit einem Neurologger gemessen: Die Hirnaktivität von Brieftauben.

Mit einem Neurologger gemessen: Die Hirnaktivität von Brieftauben.

Wie Brieftauben aus grossen Distanzen zuverlässig zurück in ihren Taubenschlag finden, ist bis heute ein Rätsel. Bekannt ist, dass sie sich beispielsweise am Sonnenstand, mithilfe des Magnetfelds der Erde oder an Gerüchen orientieren. Doch welche Prozesse im Hirn die punktgenaue Peilung ermöglichen, ist weitgehend unbekannt.

Ein internationales Forscherteam um Alexei Vyssotski von der Universität Zürich hat nun erstmals analysiert, was im Gehirn von frei fliegenden Brieftauben vorgeht. Vyssotski entwickelte und baute zu diesem Zweck einen speziellen, nur zwei Gramm schweren Neurologger. Es ist ein Gerät, das die Hirnaktivität in Form eines Elektroenzephalogramms (EEG) aufzeichnet.

Die Forscher führten ihre Versuche in Italien durch. Zum Teil entliessen sie die Tauben auf dem offenen Meer, bis zu 30 Kilometer von der Heimbasis entfernt. Dank eines zweiten Geräts, einem GPS-Logger, konnten sie genau messen, über welches Gelände die Tauben flogen, wenn im Gehirn etwas Aussergewöhnliches vorging.

Wie die Forscher im Fachmagazin «Current Biology» berichten, zeigte sich, dass bei Tauben die hohen und mittleren Gehirnfrequenzen für die Orientierung wichtig sind und nicht wie bislang angenommen die niedrigen. Die Hirnaktivität

der Tauben stieg beispielsweise an, sobald sie vom Meer her festes Land erreichten.

Erkannten die Tauben auf ihrem Flug ein ihnen bekanntes topografisch auffälliges Geländemerkmal wieder, massen die Forscher ebenfalls einen starken Anstieg der Hirnaktivität. Sie schliessen daraus, dass Brieftauben auch solche visuellen Merkmale für ihre Orientierung benutzen.

Flogen die Vögel im Schwarm, war die Hirnaktivität schwächer als im Alleinflug. Das deute darauf hin, dass zwischen den Tauben eine Art «Arbeitsteilung» stattfinde, sagt David Wolfer von der Universität Zürich. In der Gruppe seien die Tauben schneller zurückgekehrt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2009, 11:16 Uhr

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