«Wenn Indien der Kohle verfällt, sind wir dem Untergang geweiht»

So gut wie heute sah es für ein globales Klimaabkommen lange nicht mehr aus. Grosse Gefahr droht aber aus Indien: Die Regierung fördert dort mit Milliardeninvestitionen einen Kohlerausch.

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Beim UNO-Klimagipfel Ende 2015 in Paris soll endlich ein neues bindendes Klimaabkommen vereinbart werden. Die Hoffnungen, dass nach den mehr oder weniger gescheiterten Gipfeln von Kopenhagen (2009), Cancún (2010), Durban (2011) und Doha (2012) endlich ein Nachfolger des Kyoto-Protokolls zur Reduktion der Treibhausgasemissionen ausgehandelt wird, sind zurzeit so hoch wie schon lange nicht mehr. Am G-20-Gipfel in Brisbane verkündeten die USA und China überraschend, sich auf gemeinsame Emissionsziele verständigt zu haben. «Kein Land ist immun, jedes Land hat die Verantwortung, seinen Teil beizutragen», sagte US-Präsident Barack Obama in Brisbane.

«Wenn sich China und die USA darauf verständigen können, dann kann es die ganze Welt», zeigte sich Obama bei einer Rede an der Universität von Queensland zudem optimistisch. Damit könnte er Recht behalten: Die G-20-Länder versprachen in Brisbane, ein für alle Mitgliedstaaten der UNO-Klimakonvention «rechtlich verbindliches» Abkommen anzustreben. Die Frage ist aber, welche Verpflichtungen die einzelnen Länder einzugehen gewillt sind. Die USA versprechen, ihre Emissionen bis 2025 um 26 bis 27 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. China verspricht, die Emissionen ab dem Jahr 2030 nicht mehr ansteigen zu lassen. Die EU verspricht gar eine Reduktion um 40 Prozent.

Internationale Konzerne dürfen bald Kohle abbauen

Entscheidend wird aber sein, welches Angebot Indien als drittgrösster Produzent von Treibhausgasen macht. Bislang hat die indische Regierung nichts versprochen – und ihre jüngsten Beschlüsse lassen wenig Raum für Zuversicht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, plant das Kabinett von Indiens Premier Narendra Modi, den Kohleabbau für internationale Konzerne zu öffnen. Zudem soll die von den Gewerkschaften protegierte, auf viel Handarbeit beruhende Produktion modernisiert werden.

Den Kohleabbau fördern will die Regierung Modi dem Bericht zufolge zudem mit der Investition einer Milliarde Dollar in Bahnwagen und Infrastruktur zwecks Abtransport des Rohstoffs. Die Massnahmen machen den Kohleabbau interessant für internationale Konzerne wie die Giganten Rio Tinto und BHP Billiton. Umgekehrt versorgt er die indischen Kohlekraftwerke mit viel billiger Kohle.

«Die Armen haben Bedürfnisse»

Deutlich äusserte sich auch Indiens Energieminister Piyush Goyal. «Das für Indiens notwendige Wachstum darf nicht auf dem Altar in einigen Jahren allenfalls drohender Klimaveränderungen geopfert werden», sagte er laut der «New York Times» kürzlich an einer Konferenz in Delhi. «Der Westen wird anerkennen müssen, dass die Armen Bedürfnisse haben.»

Beobachter erachten die indische Strategie, die einen Kohlerausch in dem Staat mit der weltweit zweitgrössten Bevölkerung auslösen dürfte, als höchst beängstigend. «Wenn Indien mehr und mehr der Kohle verfällt, sind wir dem Untergang geweiht», zitiert die «New York Times» den Klimawissenschaftler Veerabhadran Ramanathan. Dieser glaubt zudem, dass der Klimawandel gerade Indien besonders stark treffen wird. (mw/AFP)

(Erstellt: 22.11.2014, 13:42 Uhr)

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