Wie umweltfreundlich sind Labor-Burger?

Künstliches Fleisch hat viele Vorteile – ob dessen Produktion auch weniger Energie braucht, ist allerdings umstritten.

Bild: TA-Grafik mrue/Quelle: Hanna L. Tuomisto et al., A.G. Williams et al.

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Vor fünf Jahren biss der Niederländer Mark Posta herzhaft in einen Burger aus künstlichem Fleisch. Dieses wurde nicht mithilfe von Bakterien hergestellt. Posta züchtete die fast schon real aussehenden Hackfleischplätzchen aus Rinderstammzellen in Petrischalen. Der Forscher ist im Moment daran, den Protein- und Fettgehalt des Fleisches zu optimieren und das Verfahren so zu verfeinern, dass es dereinst in grossem Massstab angewendet werden kann.

Inzwischen sind weitere Projekte ­dazugekommen, in denen nach einer neuen nachhaltigen und tierfreien Produktion von Fleisch gesucht wird. Unterstützt werden sie von der amerikanischen Nonprofitorganisation «New Harvest», welche dieser sogenannten zellulären Landwirtschaft zum Durchbruch verhelfen möchte. Amerikanische Forscher um Paul Mozdziak etwa arbeiten seit Juni 2016 an einem Projekt, in dem sie Hühnerfleisch produzieren wollen, für das nie ein Huhn sein Leben lassen musste. Ähnlich wie Mark Posta kultivieren sie in ihren Labors biologische Hühnerzellen auf einem geeigneten Nährmedium. Da Hühnerfleisch weniger Fett enthält, hoffen die Forscher auf effizientere Verfahren als bei Rindfleisch.

Als Gedankenexperiment kritisiert

Unbestritten vorteilhaft ist Laborfleisch bezüglich des Landverbrauchs, auch müssen keine Tiere ihr Leben dafür lassen. Eine Kontroverse ist jedoch um den Energieverbrauch entbrannt, der sich auch auf die Klimafolgen auswirken könnte.

In frühen Studien kam die in Grossbritannien arbeitende Umweltwissenschaftlerin Hanna Tuomisto in einem Vergleich mit konventionell produziertem Fleisch auf deutlich tiefere Werte von rund 30 Gigajoule pro 1000 Kilogramm Laborfleisch. Dabei ging die Forscherin jedoch davon aus, dass die Zellen während des Wachstums selbst Wärme produzieren und deshalb keine Energie zugeführt werden müsse. Da jedoch noch keine industriellen Anlagen bestehen, beruhten diese Einschätzungen auf Gedankenexperimenten und wurden kritisiert. Heute gehen die Forscher davon aus, dass der Energieverbrauch von nötigen Bioreaktoren ähnlich hoch sein könnte wie bei der Produktion von Rindfleisch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2017, 11:15 Uhr

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