WM 2010

Hitzfeld: «Wenn die Schweiz mich noch will...»

Von fal. Aktualisiert am 26.06.2010

Die Schweizer Fussballer haben sich nach dem WM-Ausscheiden in ihrem Camp in Südafrika geäussert. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live von der Medienkonferenz.

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In ihrem WM-Zuhause in Vanderbijlpark äussern sich zunächst Diego Benaglio und Alex Frei zum Abschneiden des Turniers in Südafrika. Später gesellt sich Ottmar Hitzfeld dazu.

Zuerst redet Diego Benaglio. «Wir sind alle sehr enttäuscht. Unser Ziel war es, eine Runde weiterzukommen. Der Erfolg der Mannschaft steht dabei im Vordergrund. Deshalb sind wir alle enttäuscht.» (Er betont: alle).

Alex Frei sagt: «Gewiss, wir haben die Achtelfinals nicht erreicht. Aber wir haben versucht, uns so gut wie möglich zu verkaufen. Es ist für ein Land wie die Schweiz nicht selbstverständlich, dass man sich für eine WM qualifiziert. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz sich in Zukunft einmal mehr als nur für die Achtelfinals qualifizieren wird.» Den Ausdruck «scheitern» wolle er aber nicht gelten lassen, sagt der Stürmer des FCB.

Frei äussert sich zu seiner Zukunft in der Nati. «Man führt Gespräche nach der WM. Das wird auch bei mir und Herrn Hitzfeld der Fall sein. Ich freue mich jedenfalls auf die EM-Kampagne für Polen und die Ukraine.»

Benaglio sagt: «Der Knackpunkt war das Chile-Spiel. Hätten wir zu elft gespielt, hätten wir die Partie nicht verloren. Dann hätten wir einen zusätzlichen Punkt geholt, und dann hätte es gereicht.»

Frei ergänzt: «Es ist schwierig für uns Spieler, einen Tag nach dem Ausscheiden eine Bilanz zu ziehen. Das ist für die Fans und die Journalisten eben einfacher.»

Nati-Delegierte Peter Stadelmann vom Schweizerischen Fussball-Verband versucht, eine Bilanz zu ziehen. «Wir haben unser Ziel nicht erreicht. Es gibt nichts darum herum zu reden. Es ist uns trotz einer guten Ausgangslage nicht gelungen, die Gruppenphase zu überstehen.»

«Wir müssen festhalten: Wir brauchen die besten Spieler in der besten Verfassung. Zweiteres war nicht der Fall. Wenn wir uns für die Achtelfinals qualifizieren wollen, dann brauchen wir auch den Faktor Glück. Das war gegen Spanien der Fall, aber nicht mehr gegen Chile. Dritter Punkt: Defensiv stehen wir gut, Fakt ist, dass wir gegen vorne zu harmlos waren. Ein Tor in drei Spielen, das ist klar zu wenig.»

Wie geht es weiter? «Bald beginnt die EM-Qualifikation. Wir müssen auch langfristig denken. Ich denke an unangenehme Fragen: Lernen unsere jungen Spieler in der Ausbildung genügend die Kreativität und das Dribbling mit dem Ball? Wie werden die Junioren in Sachen Offensive und punkto Torgefährlichkeit ausgebildet? Das sind Fragen, die wir im Zusammenhang mit dem Nachwuchskonzept stellen müssen.»

Stadelmann äussert sich positiv zur Logistik. Auch in Sachen Sicherheit ist der Funktionär sehr zufrieden. Der Funktionär bedankt sich bei den Schweizer Journalisten für ihre Arbeit.

Stadelmann äussert sich zu Hitzfeld und dem Staff: «Ottmar Hitzfeld hat die Mannschaft akribisch vorbereitet.»

Jetzt hat Hitzfeld Platz auf der erhöhten Bühne genommen. Er wird zur Formation gegen Honduras gefragt. «Es kommt auf die Taktik an. Gegen Honduras haben wir versucht, nach vorne zu spielen. Die Frage ist: Kann man das umsetzen? Wir haben aber zu viele Fehlpässe gehabt, die Präzision hat ebenfalls gefehlt.»

Hitzfeld will sich nicht zu möglichen Rücktritten äussern. «Ich habe noch nichts davon aus der Mannschaft gehört.» Er persönlich sei enttäuscht, denn statt gegen Brasilien zu spielen, müsse man am Montag nach Hause reisen. «Ich werde zu Hause alles analysieren. Honduras war nicht so schlecht, wie sie nun dargestellt werden. Man muss dieses Team zuerst schlagen. Aber das soll keine Ausrede sein. Wir haben einfach nicht die Leistung gebracht, die nötig gewesen wäre. Unsere Spieler müssen einfach in der besten Verfassung sein. Das war nicht der Fall. Das ist auch bei anderen Mannschaften so gewesen.»

Gesteht er sich Fehler ein? «Der Staff hat eine ausgezeichnete Leistung vollbracht. Wir haben alles probiert, auch schon im Camp in Montana. Es war eigentlich alles optimal in der Vorbereitung.»

Und das Toreschiessen? «Auch grosse Nationen haben damit Probleme gehabt, haben wenig Tore erzielt und sind ausgeschieden. Vor einem Vierteljahr hatten wir Trümpfe: Frei war noch nicht verletzt, Streller war noch gesund. Derdiyok ist noch jung, er hat grosses Potential. Er muss aber noch an seiner Kaltschnäuzigkeit arbeiten.»

Eine Frage lautet: «Haben Sie ein Angebot vom DFB?» «Wenn die Schweiz mich noch will...» Und Hitzfeld schmunzelt. Hitzfeld hat noch einen Vertrag bis jzur EM-Endrunde 2012.

Was bleibt für Sie als Erinnerung? «Ich bin sehr froh, diese WM mit der Schweiz erlebt zu haben. Die Arbeit hat mir Spass gemacht. Mehr Freude als Stress. Das war umgekehrt gegenüber früheren Jahren. Leider ist der Traum geplatzt.» Jetzt müsse man alle Kräfte wieder mobilisieren. «Das gehört zu meiner Arbeit als Trainer.»

Hitzfeld erwähnt noch einmal, dass die Spieler gegen Honduras nicht das gesamte Leistungspotential abgerufen hätten. «Den Ausdruck versagen möchte ich aber nicht sagen. Von dieser Nervosität hat sich die Mannschaft nicht lösen können.» Leider habe Derdiyok seine Chance in der 16. Minute nicht nützen können. Das hätte die Verkrampfung lösen können.

Die Medienkonferenz ist beendet. Am Montag fliegt die Schweizer Delegation nach Hause zurück und trifft um cirka 21.30 Uhr in Kloten ein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2010, 16:58 Uhr