Jetzt muss Yakin für Hitzfeld die Kohlen aus dem Feuer holen
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 23.06.2010
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Ottmar Hitzfeld stand nach der 0:1-Niederlage gegen Chile erstmals als Schweizer Nationaltrainer im Kreuzfeuer der Kritik. Seine taktischen Massnahmen sorgten auch bei namhaften Experten für Unverständnis. Hitzfeld hatte Alex Frei für Eren Derdiyok und Valon Behrami für Tranquillo Barnetta gebracht. Sogar Hitzfelds Vorgänger Köbi Kuhn kritisierte, dass Hitzfeld sein siegreiches Team gegen Spanien dann in der Partie gegen Chile ohne Not verändert hatte. Jetzt können sich die Schweizer mit einem 2:0-Sieg gegen Honduras für den Achtelfinal qualifizieren. Die Frage ist bloss: Können die bisher von Hitzfeld ultradefensiv eingestellten Schweizer mental den Hebel umschalten und plötzlich das Spiel machen?
Hakan Yakin, von Hitzfeld eigentlich als WM-Joker vorgesehen, wäre der ideale Mann dafür. Der Spielmacher des FC Luzern war mit seinen Geniestreichen schon massgeblich an der direkten Qualifikation für die Weltmeisterschaft beteiligt gewesen. Beim 2:2 in Israel schoss er ein wichtiges Freistosstor. In Athen spielte er jenen Pass in die Tiefe, der Blaise NKufo den goldenen Siegtreffer zum 2:1 ermöglichte. Im Rückspiel gegen die Griechen zirkelte Yakin den Freistoss auf den Kopf von Stephan Grichting, der beim 2:0-Sieg die erlösende Führung erzielte.
Über seine Qualitäten sind sich die Experten einig
GC-Trainer Ciri Sforza, bei den Bayern einst Hitzfelds Schützling, ist überzeugt davon, dass sich die Schweiz gegen Honduras durchsetzt. «Wir müssen einfach mutig und frech sein, dann schaffen wir das ganz bestimmt», sagt der ehemalige Mittelfeldstratege der Nationalmannschaft voller Optimismus. Ausschlaggebend sei die felsenfeste Überzeugung und der Glaube an die eigenen Stärken. «Wir haben eine hervorragende Mannschaft mit vielen Spielern, die sich im Ausland durchgesetzt haben», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Ausgangslage für die Schweiz sei ja geradezu sensationell. «Wir haben es in den eigenen Händen, wir müssen nicht auf andere schauen», sagt Sforza. Das sei die grösste Waffe der Schweiz.
Als Trainer macht sich Sforza auch Gedanken um Yakin. «Wir wissen alle, was für enorme Qualitäten er hat», sagt Sforza. Er wisse aber nicht, welche Strategie Hifzfeld verfolge. Diese müsse man von einem grandiosen Taktiker wie Hitzfeld akzeptieren. «Wichtig ist auch, dass wir Geduld haben», sagt Sforza. Die Partie müsse nicht gleich nach einer halben Stunde entschieden sein. «Wenn wir stürmen auf Teufel komm raus, dann riskieren wir, den Honduranern ins offene Messer zu laufen», befürchtet Sforza.
Stiel fordert Nomination für die Startelf
Für den ehemaligen Captain der Nationalmannschaft Jörg Stiel gibt es hingegen kein Wenn und Aber. «Wenn Hitzfeld Yakin nicht jetzt von Anfang an bringt, dann frage ich mich, wann überhaupt», so Stiel zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Yakin sei geradezu prädestiniert dazu, die Schweizer Offensivprobleme zu lösen. Keiner könne ein Spiel so kreieren wie Yakin. Keiner könne gefährlicher Freistösse schiessen als Yakin. Keiner könne den letzten tödlichen Pass in die Sturmspitzen besser spielen als Yakin.
«In den bisherigen Spielen ist nicht ein einziger stehender Ball gefährlich geworden», bedauert Stiel. Die Schweiz müsse gegen Honduras ihre Dominanz ausspielen, aber auch defensiv gut stehen. Auch da bricht Stiel für Yakin eine Lanze. «Er kann den Ball halten und ihn verteidigen», sagt er. So würde Yakin auch sehr viel für die Defensive arbeiten.
Auch Egli macht sich für Yakin stark
Für Andy Egli, den ehemaligen Abwehrchef der Nationalmannschaft, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Yakin jetzt zu einem zentralen Thema wird. «Er müsste jetzt gar von Anfang an spielen», erklärt Egli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Yakins zündende Ideen, seine technischen Fähigkeiten seien in diesem Spiel der letzten Hoffnung nicht wegzudenken.
Heinz Hermann, mit 118 Länderspielen Rekordinternationaler der Schweiz, ist sicher, dass Yakin in den Überlegungen von Ottmar Hitzfeld jetzt eine zentrale Rolle spielt. «Die Schweiz kann diesmal am Abend spielen», sagt Hermann. Da sei der Rasen nicht mehr so stumpf wie im Spiel gegen Chile. «Das Klima ist feuchter, der Rasen wird dadurch schneller» sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das sei auch das ideale Terrain für einen Spielgestalter wie Hakan Yakin.
Für die Experten ist klar: Jetzt muss Yakin für die Schweiz die Kohlen aus dem Feuer holen. Doch: Was macht Hitzfeld?
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.06.2010, 12:00 Uhr





