Vom Schweigen zur Selbstlosigkeit
Von Thomas Schifferle und David Wiederkehr, Bloemfontein. Aktualisiert am 25.06.2010 23 Kommentare
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- «...dann seid ihr überrascht, wenn er nichts sagt»
- «Wollt Ihr denn, dass ich zurücktrete?»
- «Alex Frei wird morgen sprechen»
- Captain Frei schweigt nicht mehr
- Wenn die Schweiz weiter gewinnt, gibts in Zürich eine Freinacht
- Aggressive Fans machen Polizei zu schaffen
- Public Viewing mit Comedy-Einlagen
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Da sitzt es nun, das Phantom von Vanderbijlpark. Alex Frei betritt die Bühne in einem notdürftig hergerichteten Zelt, das im Free-State-Stadion von Bloemfontein als Presseraum dient. Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück und wirkt leicht verkrampft. Die Trainingsjacke muss er noch wechseln, ein Sponsorenlogo zu viel ist drauf. Rund hundert Journalisten sind gekommen, um ihm zuzuhören, nur ihm. Einen solchen Auftritt hat bisher kein Schweizer Spieler an dieser WM gehabt.
Es ist zwei Wochen nach der Landung der Schweizer in Südafrika und der Abend vor dem Finalspiel gegen Honduras, als der Captain das Wort in der Öffentlichkeit wieder findet. Geschwiegen hat er und Kritik dafür einstecken müssen. Er hat mit seinem Verhalten Vorurteile bestätigt, die ihn seit Langem verfolgen: dass er egoistisch denkt und verbissen handelt.
Der Umgang mit Kritik
Er schlägt gegen das Mikrofon, um zu testen, ob es funktioniert. Es gibt einen Knall, er erschrickt. Am Anfang ist sein Ton etwas schärfer. Vielleicht wirkt das auch nur so, weil er sich erst wieder warm reden muss. Und als ihm das gelungen ist, erzählt er: 13 Jahre sei er Profi, immer habe er in der Kritik gestanden oder mit Kritik leben müssen. Manchmal berühre einen Kritik, manchmal nicht, er sei ja keine Maschine. Das sagt er, und er sagt auch: «Ich habe lernen müssen, damit umzugehen.»
Gegen Spanien war er Zuschauer, der verstauchte Knöchel liess keinen Einsatz zu. Gegen Chile durfte er die Mannschaft als Captain aufs Feld führen, nach 42 Minuten musste er Platz machen für Tranquillo Barnetta. Danach ignorierte er alle in der Interviewzone. Jetzt sagt er, dass er mit diesem Entscheid «von Herrn Hitzfeld» kein Problem hatte, er konnte ihn nachvollziehen, weil ihm schliesslich die Spielpraxis fehlte. «Es ist doch logisch», sagt er: «Wenn man sich nach einer Verletzung zurückkämpft und dann nicht spielt, muss man das manchmal akzeptieren.»
Frei gibt sich selbstlos
Warum er dann nicht geredet habe, wird er gefragt. «Ich bin nun einmal ein Spieler, der anderen die Plattform lassen möchte, die es gut gemacht haben», antwortet er und meint das Spiel gegen Spanien. Er gibt sich selbstlos und schiebt nach: «Der Captain muss nicht auch noch seinen Senf dazugeben.» Kein Wort aber, warum er nach der Niederlage gegen Chile schwieg, warum er da keine Verantwortung übernahm, sondern abtauchte.
Er hat nicht alles gelesen, was in den letzten Tagen über ihn verfasst worden ist, vieles ist ihm offenbar zugetragen worden. Seine Erkenntnis ist, dass «eine Hetzjagd gegen meine Person» veranstaltet worden ist. Dass er hier in Südafrika nur mit deutschen Journalisten rede, ist ihm vorgehalten worden. Er stellt klar, das Interview, das jetzt in «SportBild» erschienen ist, sei im April schon geführt worden. Und man könne beim FC Basel nachfragen: Ab Mitte März habe er 70 Medienanfragen gehabt und 52 wahrgenommen. Da könne man doch nicht sagen, er rede nicht.
Keine hohen Sympathiewerte
Frei erreicht daheim, im eigenen kleinen Land, keine rekordverdächtigen Sympathiewerte. Das ist in diesen Tagen wieder zum Ausdruck gekommen. Und er, der so viel Zeitungen liest wie kein anderer Nationalspieler, muss das auch mitbekommen haben. Er lässt sich nicht auf Diskussionen darüber ein, mag sich nicht gross über den Respekt aufhalten, der ihm in der Schweiz angeblich fehlt, sagt deshalb nur: Er habe unterschätzt, dass er vom Ausland heimkomme und in fremden Stadien ausgepfiffen werde. Das muss zum Thema genügen. Frei liegt offenbar nichts daran, sich auf Polemiken einzulassen.
«Alex, die Schweiz braucht zwei Tore, welchen Beitrag kannst du leisten?», fragt ein Journalist. Frei sagt; «Ich bin froh, reden wir über das Spiel.» Ja, das Spiel, darum ist er hier, 350 Kilometer südwestlich von Vanderbijlpark, in diesem schmuck- und farblosen Bloemfontein. Und eben, was kann er leisten, damit die Schweiz mit zwei Toren Unterschied gewinnt und sich aus eigener Kraft für die Achtelfinals qualifiziert? Er kann sich fit melden, zumindest fit genug, um eingesetzt zu werden. Sagt er. Alles andere liegt in der Obhut von Ottmar Hitzfeld. Der lässt sich erst heute offiziell zu seinen Plänen vernehmen. Es scheint nach dem letzten Training ganz so zu sein, als würde er das Spiel mit der Mannschaft beginnen, die Spanien besiegte. Das heisst: im Angriff ohne Frei, dafür wieder mit Blaise Nkufo und Eren Derdiyok. Es wäre eine Enttäuschung für den Captain. Er gibt sich schon einmal professionell: «Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft.»
«Wollt ihr, dass ich zurücktrete?»
Drei Tore hat die Schweiz in den letzten sieben Spielen zustande gebracht. Frei kennt die Statistik, sie ängstigt ihn nicht mit Blick auf heute Abend. Er vertraut der Mannschaft, redet davon, zuversichtlich zu sein, weil das in solchen Momenten zum Standardrepertoire von Fussballern gehört, und berichtet von seinen Eindrücken aus dem Innenleben: «Alle brennen darauf, einen sensationellen Auftritt hinzukriegen. Es wäre uns zu wünschen, dass wir den zweiten Sieg einfahren.»
Bleibt noch eine Frage nach seiner Zukunft, die Frage, ob er denn nach der WM seinen Rücktritt gebe. Die eine oder andere Zeitung hat die Spekulationen darüber angeregt. «Warum?», entgegnet Frei im kalten Pressezelt. «Wollt ihr, dass ich zurücktrete? Für mich zählt: Wir haben das Spiel gegen Honduras vor der Brust, dann haben wir hoffentlich einen Achtelfinal vor der Brust, und danach geht es weiter mit der EM-Qualifikation. Ich habe jedes meiner 76 Länderspiele genossen. Ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu.» Jetzt geht er. Er hat genug gesagt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.06.2010, 07:54 Uhr
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23 Kommentare
Hauptsache Frei kuriert sich wieder und schiesst zusammen mit Streller kommende Saison für den FCB wunderschöne Goals in der Superleage und in der Championsleage! Bei solchen Turnieren hat Frei meistens Pech. Aber es gibt noch andere, die Spielen können. Antworten
Wieso versucht die Presse immer wieder den Keil zwischen Frei und Mannschaft zu treiben ? Hilft uns das heute Abend? Oder ist es nur ein SchreiberEgo welches einen demotivierten Frei zu Gunsten der eigenen Profilierung in Kauf nimmt ? Wartet doch das Ende der WM ab, dann könnt ihr immer noch, sollte euch wirklich nichts anderes einfallen als andere kleinzureden, auf Frei rumhacken. Antworten





