WM 2010

«Wollt Ihr denn, dass ich zurücktrete?»

Von Sascha Rhyner, Bloemfontein. Aktualisiert am 24.06.2010

Nach Tagen des Schweigens spricht der Schweizer Captain Alex Frei heute erstmals wieder. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live von der Medienkonferenz in Bloemfontein

Video: Reuters.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Privatsphäre
  • 18.55 Uhr  

    So, ich sitzte jetzt hier mit rund einem Dutzend, ich korrigiere, mit rund drei Dutzend mehrheitlich Schweizer Journalisten und warte auf Alex Frei. Eigentlich war ja noch ein zweiter Spieler angekündigt. Mal schauen.

  • 19.00 Uhr  

    Es hat ja schon fast etwas Staatstragendes. Und man munkelt schon, wie Frei wohl die Medienkonferenz eröffnen wird. Die ganze Geschichte ist nun zu etwas geworden, was eigentlich überhaupt nicht ist. Die ausländischen Journalisten werden unseren Wirbel zwischen gar nicht und überhaupt gar nicht verstehen.

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    Es macht sich auch schon eigentlich unfaire Häme breit. Frei komme gar nicht, nur Shaqiri und Schwegler kämen, wird gewitzelt. Leoni und Wölfli sind weitere Vorschläge.

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    Was auch bemerkenswert ist: Die Schweizer Fotografen, die sich sonst um diese Medienkonferenzen foutieren, weil sie ohnehin nur drei Minuten lang knipsen dürfen, stellen ihre Apparate schon mal scharf.

  • 19.03 Uhr  

    Jetzt trudeln auch noch internationale Journalisten ein. Ob sie auch so gespannt sind auf Alex Frei wie wir Schweizer? Oder warten sie gar (vergeblich) auf Ottmar Hitzfeld?

  • 19.05 Uhr  

    Der Saal, der in Tat und Wahrheit nicht wirklich geheiztes Zelt ist, füllt sich immer mehr. Bald schon sind 100 Journalisten da. Und am Ende erzählt Alex Frei nur, wie wichtig das Spiel morgen ist und dass es das Ziel der Schweizer ist, sich für die Achtelfinals zu qualifizieren. Und natürlich, dass er froh ist, wieder Fussball spielen zu können.

  • 19.06 Uhr  

    Alex Frei kommt im Beisein von Medienchef Marco von Ah.

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    Und bald die ersten Worte von Frei... Zuerst gibt es noch eine wärmere Jacke.

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    Erst spricht Marco von Ah. News zu Derdiyok. Er ist im Hotel, konnte aber voll mittrainieren. Er ist einsatzfähig.

  • Wie es Alex Frei ergangen ist seit der Verletzung  

    Ich bin ein Teil der Mannschaft, bin Captain dieser Mannschaft, und habe alles möglihce versucht, um wieder schnell fit zu werden. Das ist halt mit Physiotherapie im Hotel Ich konnte nachvollziehen, dass ich nach 40 Minuten raus musste. Ich bin jetzt wieder fit und konnte in den letzten 5, 6 Tagen alle Trainings mitmachen.

  • Wieso geschwiegen nach Chile  

    Ich bin ein Spieler, der den Spielern eine Plattform lässt, die gespielt haben. Manchmal ist es nicht nötig, dass der Captain auch noch seinen Senf dazugibt. Manchmal muss man akzeptieren, dass man sich nicht äussern will. Meine Enttäuschung war in diesem Moment gross. Was ich aber sagen möchte, dass ich wenig Verständnis habe für gewisse Dinge. Dass man gegen mich zum Beispiel eine Hetzjagd macht. Ich spreche auch nicht nur mit deutschen Journalisten, das Interview wurde schon im April gemacht.

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    Am Mitte März sind 70 Medienafragen eingagangen, 52 davon habe ich mich gestellt.

  • Die Schweiz braucht zwei Tore  

    Ich bin froh sprechen wir auch über das Spiel. Bin genau so nahe wie jeder andere Spieler. Man hat mit dem einen mehr als mit dem anderen. Ich bin fit genug, um eingesetzt zu werden. Wenn uns jemand vor der WM gesagt hätte, dass wir uns im letzten Spiel aus eigener Kraft zu qualifizieren, dann hätten wir das unterschrieben.

  • Vergleich zu 2006  

    Man kann nicht sagen, dass es weniger schwierig ist. Auch Honduras kann sich noch qualifizieren und die wollen sich teuer verkaufen. Sie wollen auch sicher einen positiven Abschluss und werden uns das Leben schwer machen.

  • Leistungsvermögen  

    Wenn man so viel verletzt ist wie, dann ist es schwierig, eine Wasserstandsmeldung zu machen. aber ich bin 100% fit. Ich gehe aber nicht zum Trainer und sage, ich muss spielen.

  • Zum Spiel gegen Honduras  

    Wir standen in der Qualifikation defensiv immer sehr gut. Und wir sind immer sehr gut für ein Tor. Alle Teams, die zum Beispiel gegen Barcelona mitspielen wollten, die kriegen drei, vier Stück. Ein Land wie die Schweiz ist verpflichtet, defensiv zu stehen. Gegen Honduras ist das anders. Wir haben aber viele gute Spieler, die aus dem Spiel heraus oder nach einem stehenden Ball ein Tor schiessen können.

  • Warum zwei Tore?  

    Wir trainieren gut, und wir schiessen Tore und wir erzielten auch gegen Griechenland zuhause und auswärts zwei Tore.

  • Respekt  

    Ich habe das vielleicht unterschätzt.

  • Stürmer treffen nicht mehr  

    Habe drei Länderspiele gemacht in dieser Phase. Ich hatte zwei, drei Chancen und diese nicht genutzt. International sind es Details, die entscheiden. Man muss an die Chance glauben und hoffen, dass einem der Bll auch einmal vor die Füsse fällt.

  • Rücktritt?  

    Wollt Ihr, das ich zurücktrete? Jetzt haben wir das Spiel gegen Honduras vor uns. Und dann hoffentlich einen Achtelfinal. Und nach der WM geht es mit der EM-Qualifikation weiter.

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    Alex Frei findet seine gute Laune, als eine Frage auf Spanisch kommt. Er habe immer mal in Spanien spielen wollen, um die Sprache zu lernen. Das sei nun auch vorbei. Und dann korrigiert er: Das ist vorbei.

  • Nochmals zur Hetzjagd  

    Habe nicht alles gelesen. Ich lasse mich nicht in eine Ecke drängen, dass ich gewisse Journalisten bevorzuge. Wenn so viel geredet wurde, weil ich zehn Tage nicht gekommen bin, dann habe ich meine Rolle als Captain erfüllt.

  • Frage aus Brasilien  

    Wir haben darüber gesprochen, wie wir Honduras schlagen. Dann haben wir immer noch Zeit, um über Brasilien zu sprechen. Wenn der Gegner danach tatsächlich Brasilien heissen sollte, dann gibt es doch nichts Schöneres.

  • Die Rolle als Captain  

    Wenn ich das erzähle, dann ist es ja nicht mehr intern.

  • Frage aus Honduras  

    Ich bin zuversichtlich. Es wäre uns zu wünschen, dass wir einen zweiten Sieg einfahren. Und alle Spieler brennen darauf, nochmals einen sensationellen Auftritt zu zeigen, um sich für die Achtelfinals zu qualifizieren.

  • Unterschied Hitzfeld-Kuhn  

    Es ist schwierig, Unterschiede festzumachen. Was besser ist, was schlechter ist. Ich respektiere beide Trainer enorm. Ich war unter Ottmar Hitzfeld zu oft verletzt. Kuhn wurde zum Nationaltrainer, als das allgemeine Interesse nicht gross war. Wir spielten in St. Gallen vor 4000 Zuschauern. Fünf Jahre später musste man um die Karten kämpfen. Das Renommé von Hitzfeld als Klubtrainer bewundert man natürlich. Man versucht natürlich, auch gewisse Dinge abzuschauen, wenn man später mal Trainer werden möchte.

  • Allgemein zur WM  

    Wir haben am eigenen Leib erfahren in der Qualifikation, dass es keine Kleine mehr gibt. Ich habe das Yakin im Training gefragt, ob es einen kleinen Weltmeister geben wird. Er meinte nein. Und als Italien rausgeflogen ist, habe ich kurz leer geschluckt. Vielleicht gibt es doch einen überraschenden Weltmeister – ähnlich wie 2004 Griechenland.

  • Frage aus Spanien  

    Es wäre fatal, wenn man Spanien nicht als Favorit sehen würde. So wie die Mannschaft aufgestellt ist, so wie sie Fussball spielt, wird sie sich durchsetzen.

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    Für mich ist klar, ich möchte an der EM-Qualifikation spielen. Ich geniesse jeden Tag als Nationalspieler. Ich hoffe es kommen noch einige mehr zu meinen bisherigen 76 Länderspielen.

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    Ich bin keine Maschine, manchmal geht einem die Kritik nahe, manchmal auch nicht.

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    Wir werden heute Abend und morgen nochmals Video anschauen, um die Spielanlage von Honduras zu studieren. Wir haben das in der WM-Qualifikation gelernt, dass man alle Teams respektieren muss. Aber wir werden uns so vorbereiten, dass wir uns für die Achtelfinals qualifizieren.

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    Auch wenn wir nicht im Stadion trainieren können, bereiten wir uns mit einer kleinen Besichtung drauf vor.

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    Das Spiel gegen Honduras kann man vielleicht mit jnem von Südkorea oder mit jenem in der Qualifikation gegen Griechenland vergleichen. Und was mich positiv stimmt, ist, dass wir immer in diesen Spielen gut spielten.

  • Wie bitter wäre ein Scheitern  

    Ich befasse mich nicht damit, sondern dass wir noch immer alles in den eigenen Füssen haben.

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    Herr Hitzfeld sagt die Aufstellung immer erst am Spieltag und hält uns so unter Spannung.

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    Das war es nun, die Mannschaft besichtigt nun das Stadion.

Erstellt: 24.06.2010, 18:55 Uhr