WM 2010

«Gewisse Leute sind nicht auf der Höhe der Aufgabe»

Von Peter M. Birrer. Aktualisiert am 22.06.2010 62 Kommentare

Schiedsrichterchef Urs Meier kritisiert Khalil al-Ghamdi – nicht nur wegen des Platzverweises für Behrami.

Spricht klare Worte: Schiedsrichterchef Urs Meier kann bei den Schiedsrichtern an der WM keine einheitliche Linie erkennen.

Spricht klare Worte: Schiedsrichterchef Urs Meier kann bei den Schiedsrichtern an der WM keine einheitliche Linie erkennen.
Bild: Keystone

Den USA wurde das 3:2 gegen Slowenien aberkannt; Luis Fabiano nahm gleich zweimal die Hand zu Hilfe, um für Brasilien gegen die Elfenbeinküste zu treffen; gegen Neuseeland hätte das 1:0 der Slowaken wegen Abseits annulliert werden müssen – und gestern büsste der Schweizer Valon Behrami, weil er für den Geschmack von Khalil al-Ghamdi, dem Schiedsrichter aus Saudiarabien, gegen Vidal zu heftig mit den Armen gerudert hatte. Urs Meier, in der Schweiz Schiedsrichterchef und an der WM der ZDF-Experte, fand dafür klare Worte.

Urs Meier, können Sie ansatzweise nachvollziehen, weshalb al-Ghamdi Behrami die Rote Karte zeigte?
Die Fifa will nicht, dass die Spieler mit den Armen arbeiten. Wir weisen unsere Leute auch an, das möglichst zu unterbinden. Aber das heisst noch lange nicht, dass man in so einer Aktion zur drastischsten Strafe greifen muss. Was Behrami gemacht hat, ist überhaupt nicht mit dem Ausfahren des Ellbogens in einem Luftduell zu vergleichen.

Also: ein Fehlentscheid.
Das war sicher keine Rote Karte!

Der Assistent stand gleich daneben. Er hätte seinem Chef helfen können.
Vielleicht hat gerade er eine Tätlichkeit angezeigt . . . Egal: Ein solcher Massstab ist ein deutliches Signal. Die Spieler merken doch auch: Aha, da ist einer, bei dem man es probieren und sich theatralisch fallen lassen kann. Aber die Fifa hat vor drei Jahren festgelegt, welche Schiedsrichter hier zum Einsatz kommen sollen, und das sind die Besten . . .

. . . Neuseelands Captain Ryan Nelsen kann darüber nur lachen. Er sagte: «Wenn das die Besten sind, will ich die Schlechtesten nicht sehen.»
Ein Schiedsrichter darf auf diesem Niveau nicht nur pfeifen, er muss leiten. Er muss das Spiel lesen, muss antizipieren können. Dann ist mir egal, ob er aus Mali oder Saudiarabien kommt. Hat er dieses Niveau nicht, hat er hier nichts verloren. Gewisse Leute sind einfach nicht auf der Höhe der Aufgabe.

Warum werden die 64 Spiele nicht von weniger, dafür von guten Schiedsrichtern geleitet?
Es ist unmöglich, eine WM mit nur zehn, fünfzehn Schiedsrichtern durchzubringen. Ausserdem machen auch die Besten einmal einen Fehler. Mir wäre wichtiger, wenn ich eine Linie erkennen würde.

Konkret?
Etwa in der Frage, wann es wofür Gelb gibt. Deutschland – Serbien wurde ganz anders geleitet als danach Slowenien – USA, Schweiz – Chile war wieder etwas Eigenes. Anfänglich gab es kaum Grund zur Kritik, jetzt häufen sich die Fehler und fangen die Diskussionen an. Und das ist nicht gut für die Schiedsrichter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.06.2010, 07:23 Uhr

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62 Kommentare

Guido Cina

22.06.2010, 08:53 Uhr
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Was hilft es uns dass wir uns ärgern? Vor 4 Jahren war es genau das selbe. Die FIFA hat gar kein Interesse, eine Änderung bezüpglich den Refs herbeizuführen. Das fördert Emotionen und das Geschäft, Man bleibt im gespräch. ielleicht müsste mal wirklich ein ehemaliger profi wie z.B. Beckenbauer FIFA Chef werden? Schade für all die betroffenen Mannschaften.... Antworten


Mathias Zimmermann

22.06.2010, 11:40 Uhr
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Ein moderner Milliardenevent hat eine mittelalterliche Spielleitung! Auch die Traditionalisten der FIFA müssen endlich erkennen, dass der Videobeweis längst überfällig ist. An die Begründung der Nostalgiker, dass dadurch das Spiel zerfahren wird, glaube ich nicht. Jeder Spieler der weiss, dass er unter Beobachtung steht, wird sich automatisch anders verhalten. Fazit: weniger Fouls, Schwalben etc. Antworten