WM 2010

Was Löw in Frauenfeld gelernt hat

Von Matthias Hafen. Aktualisiert am 23.06.2010

Deutschlands Nationaltrainer Joachim Löw muss heute an der Fussball-WM alles in die Waagschale werfen, was er in Frauenfeld einst gelernt hat. Ein ehemaliger Weggefährte erzählt und wagt eine Prognose.

Joachim Löw steht im Zentrum des Interesses.

Joachim Löw steht im Zentrum des Interesses.
Bild: Keystone

Als Fussballer oft gescheitert

Deutschlands heutiger Bundestrainer Joachim Löw begann seine Karriere an der Seitenlinie beim FC Frauenfeld. Dorthin kam er, weil er sich als Spieler in seiner Heimat nie richtig durchsetzen konnte. 1980 debütierte er mit Stuttgart in der Bundesliga. Er wechselte zu Eintracht Frankfurt und später zum Karlsruher SC. Doch der Stürmer war nur in der 2. Bundesliga eine Grösse: Mit 81 Toren ist Löw bis heute Rekordschütze des SC Freiburg. (mat)

Giorgio Contini.

Artikel zum Thema

Wenn Joachim Löw in Johannesburg im Blitzlicht unzähliger Kameras erklärt, wie er mit der deutschen Nationalmannschaft heute um 20.30 Uhr gegen Ghana gewinnen will, um die Gruppenspiele an der Fussball-WM zu überstehen, scheint es fast surreal, dass dieser Mann, der im Fokus der Weltpresse steht, seine Trainerkarriere einst beim FC Frauenfeld begonnen hat. Auf der Kleinen Allmend, wo sich damals kaum einer für seine Trainings interessiert hat.

Giorgio Contini erinnert sich noch gut an die gemeinsame Zeit mit Löw 1994/95. Vor dieser Saison mit dem FC Frauenfeld spielten Contini und Löw Seite an Seite in Winterthur. «Schon damals war klar, dass er es einmal weit bringen würde», sagt Contini. «Sein taktisches Verständnis überstieg jenes seiner Mitspieler.» Löw habe die Dinge oft selber in die Hand genommen und sich so auch das eine oder andere Mal mit Winterthurs damaligem Trainer Wolfgang Frank angelegt – einem Landsmann Löws notabene. «Als Captain war er ein richtiger Führungsspieler auf dem Feld.»

Contini zur Karriere verholfen

Besonders schätzte Contini die Sozialkompetenz des heute 50-jährigen Badeners. «Als Trainer des FC Frauenfeld verstand er es, den Spielern die Freude am Fussball zu vermitteln – egal welche Probleme diese von der Arbeit oder von zu Hause ins Training mitgenommen haben.» Und das schon an der ersten Station seiner Trainerkarriere. «Eigentlich habe ich es nur dank Löw so weit geschafft», erinnert sich Contini.

Nach einer schwierigen Saison mit dem FC Winterthur stand der heute 36-jährige U21-Trainer des FC St. Gallen Anfang der Neunzigerjahre am Scheideweg. «Die Zeichen standen auf Karriereende», so Contini. «Doch Löw überzeugte mich, weiterzumachen.» In Frauenfeld wurde der Stürmer unter dem Deutschen dann Torschützenkönig der 1. Liga und wechselte nach einem Jahr via Baden zu St. Gallen in die NLA. Mit den Ostschweizern wurde Contini 2000 Schweizer Meister, worauf er für die Schweizer Nationalmannschaft aufgeboten wurde.

Deutschland kann weit kommen

«Er hat eine grosse Ausstrahlung, ohne überheblich zu wirken», sagt Contini, der davon überzeugt ist, dass Löw von seinen Spielern geschätzt und respektiert wird. «Seine Mannschaft ist zudem die bessere als jene von Ghana. Deshalb wird sich Deutschland heute durchsetzen – und je nach Gegner noch weit kommen.»

Contini, der Löw wieder getroffen hat, als sich Deutschland im September 2008 für das WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein in St. Gallen vorbereitete, sagt: «Er ist nicht der typische Herr Bundestrainer.» Damit setze sich der Süddeutsche zwar oft der Kritik aus. «Doch seine Art kommt vor allem bei den jungen Spielern gut an.» Bei jenen also, die Deutschland heute in die WM-Achtelfinals schiessen und Löw vor dem Rücktritt als Bundestrainer bewahren sollen. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 23.06.2010, 17:03 Uhr