«Wie der Morgen nach der Party»
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Welche Bilanz zieht der OK-Chef?
Bevor die WM anfing, sagte Danny Jordaan: «Wir brauchen die WM, damit die Welt auf uns schaut.» Bevor der grosse Finaltag anbrach, zog der südafrikanische OK-Chef seine Bilanz, und er versah seine Worte mit reichlich Pathos, als er von einem «neuen Südafrika» redete. «Davon haben wir geträumt, als Nelson Mandela vor 20 Jahren das Gefängnis verliess. 2010 ist es Wirklichkeit geworden, das ist etwas ganz Besonderes. Die Welt hat gesehen, dass wir eine solche Veranstaltung organisieren können. Der soziale Gewinn für unser Land ist unbezahlbar.» Dann bemühte der 58-jährige Jordaan ein Bild, mit dem er der Welt glaubhaft machen will, dass das Selbstwertgefühl der Menschen ein anderes ist: «Wir haben gelernt, aufrecht zu gehen.» Er erwartet wohl ein Nach-WM-Tief, «aber ich hoffe, dass die Leute trotzdem wieder zur Arbeit erscheinen. Das Ende der WM, das ist wie der Morgen nach einer Party.»
Was passiert mit den Stadien?
Fünf der zehn Stadien wurden eigens für die WM 2010 hochgezogen. 1,36 Milliarden kosteten die Neu- und Umbauten insgesamt. Wofür sie in Zukunft genutzt werden, ist in manchen Fällen fraglich. In Rustenburg beispielsweise spielt der lokale Fussballklub Platinum Stars gewöhnlich vor 1500 Zuschauern. In Port Elizabeth kostete das Nelson Mandela Bay Stadium 120 Millionen Euro und bietet 42 500 Zuschauern Platz, aber Bay United ist ein Fussballverein ohne Geld und Fans. Probleme der hohen Unterhaltskosten stellen sich in Polokwane und Nelspruit. Es ist unklar, wer dort künftig spielen soll. Eine bessere Perspektive hat einzig Johannesburg mit seinen zwei Stadien. Der Ellis Park ist eine traditionelle Rugbystätte, in Soccer City wird vorwiegend Fussball gespielt. Die Orlando Pirates und die Kaizer Chiefs ziehen vor allem zu Derbys die Massen an. Ihre normalen Heimspiele tragen sie aber weiter in ihren alten Stadien aus.
Wie viel verdienten die Teams?
Für die Geldmaschine Fifa war Südafrika 2010 ein lohnendes Geschäft mit einem Gewinn von gegen einer Milliarde Dollar. Da lassen sich die Boni für die qualifizierten Nationen problemlos anheben. Der Weltfussballverband entschädigte die 32 Teilnehmer mit insgesamt 420 Millionen Dollar. Garantiert war ein Startgeld von 8 Millionen pro Team. Wer sich für die Achtelfinals qualifizierte, bekam eine weitere Million. Die Viertelfinalisten durften sich über Einnahmen von total 18, die Halbfinalisten über 20 Millionen freuen. Am meisten streicht der Weltmeister ein: Für ihn sind 30 Millionen bestimmt. Dem Verlierer bleiben immerhin 24 Millionen. An die Vorbereitungskosten zahlte die Fifa allen Mannschaften je eine Million Dollar. Und auch die Klubs, die ihre Spieler für die WM abstellten, gingen nicht leer aus. Für sie gab es pro Spieler und Tag 1600 Dollar. Unter dem Strich sind das weitere 40 Millionen.
Wie gut waren die Referees?
Der Anfang verlief so ruhig, dass ZDF-Experte Urs Meier nach fast einem Viertel der Spiele bilanzierte: «Bis jetzt ist es die WM der Schiedsrichter.» Dann aber lieferten die Spielleiter Gesprächsstoff, angefangen beim Saudiaraber Khalil al-Ghamdi mit dem Platzverweis gegen Behrami. Die Tiefpunkte folgten in den Achtelfinals: Ein klares Offsidetor von Tevez leitete Mexikos Niederlage gegen Argentinien ein; England wurde um das reguläre 2:2 gegen Deutschland gebracht. Zur Überraschung stieg Ravshan Irmatow auf. Der 32-jährige Usbeke leitete fünf Spiele, darunter das Eröffnungsspiel, den Viertelfinal Deutschland - Argentinien und den Halbfinal Holland - Uruguay. Den Final bekam der Beste aller 24, die nach Südafrika aufgeboten worden waren: Howard Webb, auf allen Ebenen erprobter Engländer. Keine Rolle spielte der Schweizer Massimo Busacca. Aber das ist wieder eine eigene Geschichte.
Wer verblüffte am meisten?
Uruguay, Weltmeister von 1930 und 1950, erreichte die Halbfinals. Das ist für ein Land mit 3,5 Millionen Einwohnern und nur einem Diego Forlan beeindruckend. Paraguays Vorstoss in die Viertelfinals ist so bemerkenswert wie jener der Slowakei, der immerhin bis in die Achtelfinals führte. Zu den erstaunlichsten WM-Episoden gehörte aber das Abschneiden von Neuseeland: 1:1 gegen die Slowakei, 0:0 gegen Paraguay – und dazwischen vor allem das 1:1 gegen Italien. Die All-Whites, die bei ihrer ersten WM-Teilnahme 1982 in Spanien alle ihre Vorrundenspiele verloren hatten, überzeugten mit Widerstandskraft und wurden vor den Titelverteidigern aus Italien ungeschlagen Gruppendritter. Winston Reid traf gegen die Slowakei. Shane Smeltz hiess der Torschütze gegen Italien – das trug dem 28-Jährigen einen Vereinswechsel ein: Er stürmt künftig für Shandong Luneng in China. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.07.2010, 10:18 Uhr





