Frankreich scheidet aus – aber mit Anstand
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 22.06.2010
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
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Als erster Gastgeber in der 80-jährigen WM-Geschichte verpasste Südafrika den Vorstoss in die nächste Runde. Dem Team von Carlos Alberto Parreira half der 2:1-Erfolg gegen Frankreich nach dem Remis gegen Mexiko und der Pleite gegen Uruguay nicht mehr. Immerhin konnten die Südafrikaner die Gruppe A vor den ebenfalls ausgeschiedenen Franzosen, dem WM-Finalisten 2006, beenden.
Südafrika, das gegenüber Mexiko die schlechtere Tordifferenz aufweist, konnte lange Zeit hoffen, den nötigen hohen Sieg gegen Frankreich zu feiern. Die "Equipe tricolore" präsentierte sich wie in den vorangegangenen Spielen in miserabler Form. Nach einem Eckball und Goaliefehler von Hugo Lloris traf Bongani Khumalo in der 20. Minute mit dem Kopf und kurz vor der Pause erhöhte Sturmspitze Katlego Mphela auf 2:0.
Frankreich bekundete Pech mit dem Schiedsrichter. Der Kolumbianer Ruiz zeigte Yoann Gourcuff schon nach 25 Minuten die Rote Karte für einen vermeintlichen Ellenbogenschlag. Der französische Ehrentreffer, der einzige während des gesamten Turniers, fiel Mitte der zweiten Halbzeit durch Florent Malouda.
Für Raymond Domenech war es der letzte Auftritt als französischer Nationalcoach. Er wird durch Laurent Blanc ersetzt. -
Telegramm
Frankreich - Südafrika 1:2 (0:2)
Free State Stadium, Bloemfontein. - 39 415 Zuschauer. - SR Ruiz (Kol). - Tore: 20. Khumalo 0:1. 37. Mphela 0:2. 70. Malouda 1:2.
Frankreich: Lloris; Sagna, Gallas, Squillaci, Clichy; Alou Diarra (82. Govou), Diaby; Gignac (46. Malouda), Gourcuff, Ribéry; Cissé (55. Henry).
Südafrika: Josephs; Ngcongca (55. Gaxa), Mokoena, Khumalo, Masilela; Pienaar, Sibaya, Khuboni (78. Modise), Tshabalala; Mphela, Parker (68. Nomvethe).
Bemerkungen: Frankreich ohne Toulalan (gesperrt) und Anelka (suspendiert), Südafrika ohne Khune und Dikgacoi (beide gesperrt). 25. Platzverweis Gourcuff (Ellbogenschlag). 38. Tor von Parker wegen Offside aberkannt. 51. Pfostenschuss Mphela. Verwarnung: 71. Diaby (Foul). -
93'
Abpfiff
Das Spiel ist vorbei.
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92'
Und auch Tshabalala kommt noch zu einem Schuss. Der Mann von den Kaizer Chiefs ist wahrlich eine Entdeckung.
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91'
Teko Modise mit einer Möglichkeit. Sein Schuss geht vorbei.
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90'
Drei Minuten lässt Oscar Ruiz nachspielen.
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88'
Von einem versöhnlichen Abschluss kann man bei den Franzosen sicher nicht sprechen, aber wie sich die zehn übrig gebliebenen Feldspieler gegen die anrennenden Südafrikaner halten, verdient Respekt.
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83'
Wechsel
Gouvou wird für den Interimscaptain Diarra eingewechselt.
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80'
Modise wird grosses Talent nachgesagt. Der Kreativspieler soll vorne für Wirbel sorgen.
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77'
Wechsel
Khuboni verlässt den Platz und wird von Modise ersetzt.
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75'
Auch vom Publikum kommt relativ wenig. Statt ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen, hört man immer nur dieses lähmende Getröte.
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73'
Man kann nicht sagen, dass sich der Treffer abgezeichnet hätte. Aber Südafrikas Druck hat spürbar abgenommen. Es scheint, als traue sich die Mannschaft die Überraschung nicht zu.
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70'
Tor!
1:2
Malouda bricht den Bann und erzielt das erst Tor der Franzosen an dieser WM. Somit reduzieren sich auch Südafrikas Chancen auf die Achtelfinals auf ein Minimum.
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68'
Wechsel
Parker geht raus, Nomvethe betritt den Platz.
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65'
Henry mit einem Hands. Der Mann, der die «Bleus» an die WM geführt hat, kommt mit der Brust nicht an den Ball und nimmt stattdessen den Arm zur Hilfe.
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62'
Noch eine Chance für Mphela. Der flinke Stürmer zeigt ein sehr gutes Spiel und bringt die Defensive der Franzosen immer wieder ins Schwitzen. An seiner Chancenverwertung muss er allerdings noch arbeiten.
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59'
Ein Lebenszeichen von Franck Ribéry. Er wuselt sich durch die Abwehr, schiesst allerdings über das Tor.
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58'
Mphela prüft Hugo Lloris mit einem Weitschuss. Südafrikas Stürmer geniessen ungeahnte Freiräume.
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55'
Wechsel
Frankreich hat an dieser WM noch kein Tor erzielt und erinnert in dieser Hinsicht an die «Equipe tricolore», die an der WM in Südkorea und Japan 2002 ebenfalls keinen Treffer zustande brachte. Mal schauen, ob Thierry Henry daran etwas ändern kann. Er kommt für Cissé.
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53'
Carlos Alberto Pareira hat in der Pause die richtigen Worte gefunden. Seine Mannschaft glaubt jedenfalls an die Sensation. Ein frühes Tor in der zweiten Halbzeit wäre dabei natürlich nicht ungelegen gekommen.
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50'
Herrliche Kombination! Nach Tshabalalas Traumpass in die Tiefe haut Mphela den Ball an den Pfosten.
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48'
Südafrika legt gleich los. Bernard Parker zieht von der Strafraumgrenze ab, vermag den Unglücksraben Lloris allerdings nicht zu beunruhigen.
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45'
Wechsel
Malouda ist für Gignac gekommen.
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45'
Anpfiff
Ruiz pfeift die Partie wieder an.
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Gewinnt Uruguay mit 1:0, fehlen den Südafrikanern noch zwei Tore zum Achtelfinal. Auch ein Losentscheid ist noch denkbar. Dies wenn es zwischen Südafrika und Frankreich beim 2:0 bleibt und Uruguay 3:0 gewinnt.
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Blitztabelle
1. Uruguay 7 (4:0)
2. Mexiko 4 (3:2)
3. Südafrika 4 (3:4)
4. Frankreich 1 (0:4) -
47'
Uff, ich möchte nicht in der Haut von Domenech stecken! Was kann er seiner Mannschaft noch mitgeben? Es ist den Anhängern der «Bleus» zu wünschen, dass sich die Spieler nun nicht gehen lassen. Überraschen würde es mich allerdings nicht mehr.
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47'
Abpfiff
Die erste Hälfte ist vorbei.
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45'
Noch drei Minuten werden nachgespielt. Den Südafrikanern fehlen nach der Führung für Uruguay noch zwei Tore, um sich für die Achtelfinals zu qualifizieren.
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44'
Luis Suarez hat übrigens gerade Uruguay in Führung geschossen. Mehr lesen Sie im Liveticker von Stephan Roth.
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43'
Mphela zieht aus der Distanz ab und Lloris kann sich auszeichnen.
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37'
Tor!
0:2
MPHELA! Die französische Abwehr kann nach einem Querpass nicht klären und der Stürmer von den Mamelodi Sundowns schiesst ein.
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35'
Südafrika hat sich gesteigert und dies nicht erst seit dem Platzverweis gegen Gourcuff. Das Tor hat dem WM-Gastgeber offensichtlich Auftrieb gegeben.
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25'
Domenech mag nicht mehr hinsehen. Er ahnt wohl Böses. Gourcuffs Ellbogen war tatsächlich zu weit oben, aber die rote Karte finde ich etwas hart.
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25'
Rote Karte
Rot für Gourcuff!
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24'
Jetzt aber! Mphela schiesst nach einem beeindruckenden Rush am Tor vorbei.
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21'
Starke Reaktion der Franzosen. Gignac schiesst jedoch am Tor vorbei.
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20'
Tor!
0:1
KHUMALO! Nach dem Eckball von Tshabalala segelt Lloris durch den Strafraum. Bongani Khumalo steigt am höchsten und bringt die «Bafana Bafana» völlig überraschend in Führung.
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20'
Erster Eckball für Südafrika.
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15'
Ribéry mit einem kämpferischen Einsatz. Der Flügelflitzer holt sich einen Ball und lanciert Cissé mit einem weiten Ball, der steht jedoch im Offside.
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14'
Gourcuff mit einem weiteren Corner. Erneut schaut nichts zählbares heraus.
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11'
Cissé mit einem Kopfball auf das Tor - eine sichere Beute für Moeneeb Josephs.
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10'
Die Franzosen nehmen das Spiel in die Hand. Der Wille, sich zu rehabilitieren ist da.
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8'
Nochmals zu den Wechseln: Wie erwähnt, sitzt Patrice Evra auf der Bank. Vorne soll der Exzentriker Djibril Cissé von Panathinaikos Athen Nicolas Anelka vergessen machen. Das dürfte nicht allzu schwierig werden, denn bis auf sein loses Mundwerk ist Anelka in Südafrika nicht wirklich in Erscheinung getreten.
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4'
Keine Gefahr für Josephs.
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4'
Eckball für die «équipe tricolore».
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3'
Erste Annäherung an das Tor von Südafrika. Gignac mit einem Abschluss.
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1'
Schiedsricher Oscar Ruiz eröffnet die Partie.
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Ich bin sehr gespannt, wie sich die Franzosen präsentieren werden. Da ist es in den letzten Tagen wirklich hoch zu und her gegangen. Nicht weniger als sechs Änderungen hat Domenech im Vergleich zum Spiel gegen Mexiko vorgenommen.
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Es folgt die Hymne Südafrikas.
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Die «Marseillaise» ertönt.
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Sowohl für Frankreich als auch für Südafrika ist entscheidend, was in der Partie Mexiko gegen Uruguay passiert. Diese Partie verfolgt mein Kollege Stephan Roth für Sie. Hier der Link zum Liveticker.
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Vor dem Spiel
Kuriose Szene bereits vor dem Spiel: Raymond Domenech steht in der Mitte des Felds und winkt den Zuschauern zu. Er rechnet anscheinend kaum noch mit dem Weiterkommen.
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Vor dem Spiel
«Sélectionneur» Raymond Domenech hat die Aufstellung ordentlich durcheinander gewirbelt. So findet sich beispielsweise «Rebellenführer» und Captain Patrice Evra auf der Bank wieder. Gaël Clichy vom FC Arsenal ersetzt ihn. Die Binde hat Alou Diarra übernommen. Der Mann von Girondins Bordeaux hat an dieser WM noch keine Minute gespielt! Die Wirren scheinen sich also auch auf die Formation ausgewirkt zu haben.
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Die Aufstellungen
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Vor dem Spiel
1. Uruguay 4 (3:0)
2. Mexiko 4 (3:1)
3. Frankreich 1 (0:2)
4. Südafrika 1 (1:4)
Mexiko und Uruguay reicht ein Remis Denn Frankreich und Südafrika, die sich gleichzeitig in Bloemfontein duellieren, liegen in der Tabelle der Gruppe A drei Zähler zurück.
Noch schwerer wiegt für Franzosen und Südafrikaner die Tordifferenz, die im Fall der Punktgleichheit über das Weiterkommen entscheiden würde. Uruguay steht aktuell mit +3 zu Buche, Mexiko mit +2, Frankreich dagegen mit -2 und Südafrika gar mit -3. Wie schwer die Aufgabe ist, zeigt eines von vielen Beispielen: Verliert Mexiko gegen Uruguay 0:2, bräuchte Frankreich einen 3:0-Erfolg gegen Südafrika.
Trennen sich Mexiko und Uruguay aber unentschieden, nützt Frankreich oder Südafrika auch ein Kantersieg nichts. Dass es zu einer Art Absprache unter den Lateinern kommt, scheint aber trotzdem wenig wahrscheinlich. Der Gruppenzweite wird es in den Achtelfinals mit dem Gewinner der Poule B zu tun bekommen, und der wird mutmasslich Argentinien heissen. Uruguay befindet sich vor dem Match gegen Mexiko in einer besseren Ausgangslage. Den 'Urus', die seit 1990 nie mehr die WM-Achtelfinals erreichten, reicht ein Remis zum Gruppensieg.
Im Gastgeberland und in Frankreich sind die Meinungen derweil schon vor dem letzten Auftritt gemacht, in beiden Ländern sieht man den Vergleich als Not gegen Elend. Spielerisch limitierte Südafrikaner gegen peinlich auftretende Franzosen; Kredit geniessen beide keinen mehr. Vor allem der französische Fussball erlebt derzeit die schwerste Krise seiner Geschichte. Präsident Nicolas Sarkozy nannte es "inakzeptabel", die Grande Nation versinkt nach der Affäre um Stürmer Nicolas Anelka vor Scham im Boden.
Auf Anordnung von Präsident Sarkozy verlängerte Sportministerin Roselyn Bachelot ihren Aufenthalt in Südafrika. Sie soll dem Chaos ein Ende setzen. Einigermassen in Würde muss der Schlusspunkt über die Bühne gehen. Denn was die französische Elf sportlich noch zu bieten hat, scheint niemanden mehr zu interessieren. Die öffentliche Meinung findet alles nur noch grauenvoll bis erbärmlich.
Erstellt: 22.06.2010, 15:39 Uhr








