WM 2010

Holland steht im WM-Final

Von Stephan Roth. Aktualisiert am 06.07.2010

Die Holländer stehen am Sonntag gegen Deutschland oder Spanien im WM-Final. Sie besiegten Uruguay 3:2. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live.

2 : 3

  • 41. Forlan 1:1.

    92. M. Pereira 2:3.

  • 18. Van Bronckhorst 0:1.

    70. Sneijder 1:2.

    73. Robben 1:3.

1/18 Robin van Persie steht bei Wesley Sneijders Schuss zum 2:1 knapp im Offside und irritiert Torhüter Fernando Muslera.
Quelle: SF.

   

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

  • Ein Doppelschlag trägt Holland die erste WM-Finalteilnahme seit 32 Jahren ein.

    Die Holländer setzten sich im ersten Halbfinal in Kapstadt gegen Uruguay 3:2 durch und treffen am Sonntag auf Deutschland oder Spanien. Den dritten Einzug ins Endspiel nach 1974 und 1978 verdankte das Team von Bert van Maarwijk, das im Vergleich mit dem Viertelfinal gegen Brasilien auf drei Positionen verändert angetreten war, einem Doppelschlag in der zweiten Halbzeit.

    Wesley Sneijder und Arjen Robben führten die nicht sehr überzeugenden Holländer, die es als erst zweites Team nach Brasilien (2002) mit der maximalen Ausbeute in den Final schafften, mit ihren Treffern innerhalb von drei Minuten zum zehnten Sieg in Serie. In der 70. prallte ein Schuss von Sneijder (5. WM-Tor) via Bein von Maxi Perreira ins Tor, keine 180 Sekunden später erhöhte Robben per Kopf auf 3:1. Von diesem Schlag erholte sich Uruguay, das davor ein ebenbürtiger Gegner gewesen war, nicht mehr. Das 2:3 durch Maxi Pereira nach einer gewieften Freistoss-Variante (92.) kam zu spät, auch wenn Holland bangen musste.

    Für einen der schönsten Treffer des Turniers war im zweitletzten Spiel seiner langen Karriere Giovanni van Bronckhorst besorgt. Der nach der WM abtretende Captain der "Elftal" zog in der 18. Minute aus grosser Entfernung ab, sein strammer Schuss schlug regelrecht in der hohen weiten Torecke zum 1:0 ein. Die Fifa-Statistiker errechneten bei Van Bronckhorsts erst sechstem Tor im 105. Länderspiel eine Distanz von 37,6 Metern und eine Schussgeschwindigkeit von 109 km/h.

    Fast wie die Jungfrau zum Kind, und ebenfalls von weit ausserhalb des Strafraums, kam Uruguay kurz vor der Pause zum Ausgleich. Einen Linksschuss von Captain Diego Forlan mitten aufs Tor vermochte Hollands bislang so sicherer Keeper Marten Stekelenburg in der 41. Minute nicht abzuwehren. Nicht der Flatterball Jabulani war Schuld am 1:1, dem vierten WM-Treffer Forlans, sondern der für einmal fehlerhafte Goalie von Ajax Amsterdam.

    Weil Hollands hochgelobtes offensives Mittelfeld zu oft zu unpräzise agierte, blieben die Überraschungsmomente aus. Uruguays defensives Konzept mit starkem Pressing und drei eher nach hinten orientierten Mittelfeldspielern machte dem Favoriten das Leben sehr schwer. Bis Sneijders 2:1 Uruguay den entscheidenden Nackenschlag verpasste. Beim Tor der knapp Offside stehende Van Persie allerdings Torhüter Muslera deutlich mit einem versuchten Absatztrick irritiert. (Si/str)

  • Telegramm

    Uruguay - Holland 2:3 (1:1)
    Green Point Stadium, Kapstadt. - 62'479 Zuschauer. - SR Irmatow (Usb). - Tore: 18. Van Bronckhorst 0:1. 41. Forlan 1:1. 70. Sneijder 1:2. 73. Robben 1:3. 92. Maximiliano Pereira 2:3.
    Uruguay: Muslera; Maximiliano Pereira, Victorino, Godin, Caceres; Perez, Arevalo, Gargano, Alvaro Pereira (78. Abreu); Forlan (84. Sebastian Fernandez), Cavani.
    Holland: Stekelenburg; Boulahrouz, Heitinga, Mathijsen, Van Bronckhorst; Van Bommel, De Zeeuw (46. Van der Vaart); Robben (90. Elia), Sneijder, Kuyt; Van Persie.
    Bemerkungen: Uruguay ohne Suarez, Fucile (beide gesperrt) und Lodeiro (verletzt), Holland ohne Van der Wiel, De Jong (beide gesperrt). Verwarnungen: 21. Maximiliano Pereira (Foul). 29. Caceres (gefährliches Spiel). 30. Sneijder (Unsportlichkeit). 78. Boulahrouz (Foul). 94. Van Bommel (Reklamieren).

  • Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live:

  • Am Schluss musste Holland noch einmal zittern. Doch der Doppelschlag mit den Toren von Sneijder und Robben zum 3:1 blieb entscheidend. Bei Sneijders 2:1 hatte der knapp Offside stehende Van Persie allerdings Goalie Muslera deutlich mit einem versuchten Absatztrick irritiert.

  • Abpfiff

    Holland steht im Final! Es kommt noch kurz zu Tumulten. Doch die Lage beruhigt sich.

  • 95'

    Letzter Angriff für Uruguay. Es wird noch einmal gefährlich!

  • 94' Gelbe Karte

    Van Bommel wird noch verwarnt.

  • 92' Tor! 2:3

    MAXI PEREIRA! Es wird noch einmal kurz spannend. Maxi Pereira traf mit einem Schlenzer in die linke Ecke.

  • 91'

    Drei Minuten Nachspielzeit.

  • 90' Wechsel

    Elia kommt für Robben.

  • 88'

    Corner für Uruguay.

  • 87'

    Robben vergibt allein vor Muslera leichtfertig das 4:1. Der Bayern-Star wollte den Torhüter mit einem Lupfer bezwingen.

  • 84' Wechsel

    Tabarez nimmt Forlan vom Platz. Sebastian Fernandez ersetzt ihn. Dieser Wechsel kommt einer Kapitulation gleich.

  • 83'

    Uruguay ist sichtbar geknickt.

  • 78' Wechsel

    Bei Uruguay kommt Stürmer Abreu für Alvaro Pereira.

  • 73' Tor! 1:3

    ROBBEN! An diesem Tor gibt es nichts auszusetzen. Arjen Robben traf nach einer Flanke von Kuyt wuchtig per Kopf.

  • 70' Tor! 1:2

    SNEIJDER! Für mich hätte dieses Tor nicht zählen dürfen, da Van Persie wohl im Offside stehend Torhüter Muslera beim Schuss von Wesley Sneijder irritiert hatte.

  • 68'

    Was für eine Chance für Holland! Van Persie legt schön auf Van der Vaart ab. Der Spieler von Real Madrid zwang Muslera zu einer Parade. Und Robben traf beim Nachschuss das leere Tor nicht.

  • 65'

    Freistoss für Uruguay. Forlan setzt sich den Ball. Stekelburg pariert.

  • 63'

    Die Holländer können nun ein wenig Druck machen, Uruguay einschnüren. Corner.

  • 58'

    Corner für Holland. Schubser von Heitinga. Freistoss für die Südamerikaner.

  • 56'

    Eckball für Uruguay. Faustabwehr von Stekelenburg.

  • 54'

    Uruguay stört jetzt die Holländer früher.

  • 52'

    Corner für Holland. Schlecht getreten von Van der Vaart.

  • 51'

    Stekelenburg kommt nach einem zu kurzen Rückpass von Boulahrouz aus dem Tor, bleibt aber an Cavani hängen. Alvaro Pereira kommt zum Schuss. Van Bronckhorst rettet vor dem leeren Tor! Corner.

  • 46' Wechsel

    Van der Vaart ersetzt De Zeeuw. Das ist ein offensiver Wechsel.

  • Anpfiff

    Weiter geht's!

  • Torszenen waren Mangelware. Zwei Weitschüsse sorgten für die Tore.

  • Abpfiff

    Zur Pause steht es zwischen Uruguay und Holland 1:1.

  • 46'

    Zwei Minuten Nachspielzeit.

  • 41' 1:1

    FORLAN! Wieder ein Weitschuss-Tor! Diesmal liess sich Goalie Stekelenburg durch einen Schuss von Diego Forlan unter die Latte, aber in die Mitte des Tores, erwischen lassen. Der Goalgetter von Atletico Madrid hatte den Ball wie gewohnt hart und mit Drall geschlagen. Doch das war ein Fehler von Ajax-Torhüter Stekelenburg. Aus 26 Metern Distanz liess er sich bezwingen.

  • 38'

    Kopfball von Forlan. Keine Gefahr.

  • 36'

    Alvaro Pereiras Weitschuss ist kein Problem für Stekelenburg.

  • 35'

    Die Uruguayer haben nach dem Rückstand ihr Spiel noch nicht umgestellt. Sie ziehen sich weiterhin schnell zurück und machen dann die Räume eng.

  • 31'

    Chance für Robben, doch Caceres stoppt ihn. Jetzt ist auch De Zeeuw wieder im Spiel.

  • 30' Gelbe Karte

    Irmatow verwarnt Sneijder und Caceres.

  • 27'

    Corner für Uruguay. Nun kommt es zu Tumulten. Sneijder geht auf Caceres los, weil dieser De Zeeuw bei seinem Fallrückzieher voll im Gesicht erwischt hatte.

  • 25'

    Der 35-jährige Van Bronckhorst gilt ja nicht (mehr) unbedingt als Offensivverteidiger. Dies war sein sechstes Tor im 105. Länderspiel. Nach seinen Wanderjahren bei den Glasgow Rangers, Arsenal und Barcelona spielt Gio wieder bei seinem Stammklub Feyenoord.

  • 21' Gelbe Karte

    Maxi Pereira wird für ein Foul an Robben verwarnt.

  • 21'

    Corner für Holland. Und noch einer.

  • 18' Tor! 0:1

    VAN BRONCKHORST! Was für ein Schuss! Captain Giovanni van Bronckhorst nahm von links aus über 37 Metern kurz Anlauf und donnerte den Ball überraschend ins Eck. Dem Treffer war ein übles Foul von Van Bommel vorangegangen.

  • 17'

    Van Persie setzt sich zunächst gut durch, trennt sich dann aber zu spät (freiwillig) vom Ball.

  • 15'

    Es fehlt auf beiden Seiten noch die Präzision.

  • 13'

    Sneijder schiesst, trifft aber Van Persie.

  • 12'

    Glück für Holland. Forlan schickte Cavani steil. Aber die Fahne des Linienrichters ging hoch. Wohl zu Unrecht.

  • 6'

    Frecher Abschluss von Alvaro Pereira. Kurz nach der Mittellinie versucht er Stekelenburg mit einem Heber zu überraschen.

  • 4'

    Erste Chance für die Holländer. Kuyt vergibt sie nach einer eher missglückten Abwehr von Muslera. Ausgelöst wurde die Aktion durch ein Dribbling von Robben gegen Caceres, der heute erstmals bei dieser WM zum Einsatz kommt. Er ist eigentlich gelernter Innenverteidiger und war letzte Saison vom FC Barcelona an Juventus Turin ausgeliehen gewesen.

  • 2'

    Die ersten 120 Sekunden waren fast nur die Uruguayer im Ballbesitz.

  • 1'

    Eine erste, gelungene Grätsche von Van Bommel.

  • Anpfiff

    Los geht's! Uruguay hat Anstoss.

  • Gleich pfeift der Usbeke Rawschan Irmatow das Spiel an. Für mich war er bisher der beste Schiedsrichter an dieser WM. Er hätte durchaus den Final verdient gehabt.

  • Die Teams kommen auf den Platz. Die Hymnen erklingen.

  • Sollten sich die Holländer heute durchsetzen, wird erstmals ein europäisches Land den Weltmeistertitel ausserhalb Europas gewinnen, da ja im anderen Halbfinal Spanien auf Deutschland trifft.

  • Die Aufstellungen

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  • Im Gegensatz zum zweifachen WM-Finalisten Holland hat Uruguay bereits zwei Titelgewinne vorzuweisen. Der Favorit im heutigen Halbfinal von Kapstadt trägt jedoch orange.

    Vor zwei Jahren an der EM hatten die Holländer halb Europa entzückt, bis sie von den Russen im Viertelfinal entzaubert wurden. Die Lektion der Sbornaja zeigte Wirkung. Die «Elftal» tritt in Südafrika pragmatischer auf denn je. Ohne Verlustpunkt zwar, aber nicht mehr im Gala-Stil vergangener Jahre erkämpfte sich Holland einen Platz in den Top 4.

    Das System ist auf dem Papier nach wie vor ein 4-3-3. Nur interpretieren es die Holländer unter Bert van Marwijk je nach Gegner mehr oder weniger defensiv. In Dortmund ist der Coach mit seiner Idee vor vier Jahren gescheitert, 2002 hingegen führte er Feyenoord Rotterdam zum Sieg im Uefa-Cup. Nun könnte er auf die Stufe von Rinus Michels aufsteigen, der «Oranje» 1974 in den WM-Final und 14 Jahre später zum EM-Titel coachte.

    Seit dem 1:2 in einem Test gegen Australien haben die Holländer keines ihrer letzten 24 Spiele mehr verloren. Zuletzt reihten sie inklusive der WM-Vorbereitung gar neun Siege aneinander. Alles deutet auf eine dritte WM-Finalteilnahme hin.

    Ortet die Team-Crew Tendenzen zur Überheblichkeit, schreitet sie ein. Van Marwijk platzierte in den Medien in diesem Zusammenhang bereits mehrfach unmissverständliche Botschaften: «Wir wissen selber am besten, was passiert, wenn schon das nächste Spiel das Thema ist. Denken wir doch einfach an die letzte EM zurück.»

    Keiner sei bislang am Ziel angelangt und nur Uruguay das Thema, so die Losung. Die Wortführer und Verantwortungsträger haben sich bis anhin vollumfänglich an die Vorgaben gehalten - allen voran Bayern-Captain Mark van Bommel. Aber auch der Münchner Künstler Arjen Robben oder Wesley Sneijder von Inter Mailand, notabene bereits vierfacher Torschütze, sind nicht in privater, sondern in oranger Sache unterwegs.

    Der stolzen Fussball-Nation Holland steht eine Auswahl gegenüber, mit der im Vorfeld der WM kein Experte ernsthaft gerechnet hätte. Die Blütezeit der Uruguayer liegt sechzig oder mehr Jahre zurück. Zweimal, 1930 und 1950, gewannen sie den Titel. Seit die Sportart global im Fokus steht, tauchte die «Celeste» nie mehr an vorderster Front auf.

    Die Prognostiker irrten sich. Nicht der fünffache Weltmeister Brasilien oder Argentinien vertreten Südamerika im Halbfinal, sondern die Fussballer eines Staates mit knapp 3 Millionen Einwohnern. Auf dramatische Art und Weise vermied Uruguay im Penaltyschiessen gegen Ghana das Out der letzten CONMEBOL-Equipe.

    Noch immer sind die Auswirkungen des Kraftakts zu spüren. Luis Suarez, seit seiner Abwehraktion auf der Linie der berühmteste Handballer der Erde ohne Lizenz, fehlt gesperrt. Zwei weitere aus der Stammformation (Fucile und Lodeiro) verpassen das wichtigste Spiel seit der erfolgreichen Finalrunde in Rio 1950. (Si)

Erstellt: 06.07.2010, 20:03 Uhr