WM 2010

Wie gut Orakel Paul wirklich ist

Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 08.07.2010

1,56% ist die Chance, dass man sechs Spiele in Folge richtig tippt. Geschafft hat das ausgerechnet ein Tintenfisch im deutschen Oberhausen.

1/15 Mit acht richtigen Vorhersagen war Tintenfisch Paul der überraschende Star der WM.
Sea Life, Oberhausen

   

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Die Anlage ist simpel. In das Aquarium von Paul wird eine Doppelbox mit Nahrung gesenkt. In beiden verschlossenen Boxen ist je eine Muschel und auf den durchsichtigen Boxen die jeweilige Landesflagge aufgeklebt. Der Krake öffnet eine dieser Boxen und verzehrt die darin liegende Muschel. So tippt Paul im Meerwasseraquarium Sea Life Centre von Oberhausen jeweils die Spiele der deutschen Mannschaft – und er lag bis jetzt bei allen sechs Partien richtig.

Der Rummel um den Tintenfisch wurde entsprechend im Verlauf der WM immer grösser. Die drei Vorrundenspiele der Deutschen tippte der Krake, der vor zwei Jahren ins Sea Life Centre kam, allesamt richtig. Doch ausserhalb Deutschlands registrierte dies kaum jemand. Erst als das Oktopus-Orakel – notabene «gebürtiger Engländer», da im Ärmelkanal vor Weymouth gefangen – vor dem Achtelfinal gegen England abermals auf einen Sieg der DFB-Auswahl setzte, schwappte die Faszination für den tippenden Tintenfisch über die deutschen Landesgrenzen.

N-TV übertrug live

Und als die Deutschen im Viertelfinal, wie von Paul vorausgesagt, auch Argentinien eliminierten, stand der Tintenfisch plötzlich im weltweiten Fokus – und war in den gegnerischen Reihen entsprechend wenig beliebt. Argentiniens Teamchef Nicolas Bedorrou war nach der 0:4-Niederlage so wütend, dass er dem Octopus vulgaris auf Facebook mit dem Kochtopf drohte.

Vor dem Halbfinal gegen Spanien verscherzte es sich Orakel Paul dann aber auch mit den Deutschen. Der Nachrichtensender N-TV übertrug das «Spektakel» gleich mit zwei Reportern live. Der Tintenfisch nahm sich der Muschel in der spanischen Futterbox an. Die deutschen Hoffnungen, Paul würde wie vor dem EM-Final vor zwei Jahren, als er auf einen Sieg der DFB-Auswahl gegen die Selección tippte, falsch liegen, erfüllten sich nicht. Paul traf auch bei seinem sechsten WM-Tipp ins Schwarze. Schon bei der EM vor zwei Jahren hatte Paul nur beim erwähnten Finalspiel sowie dem Gruppenspiel gegen Kroatien daneben gegriffen. Wir sind gespannt auf den siebten Tipp für das Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.07.2010, 11:00 Uhr