Nach dem Zittersieg das Wut-Interview

Deutschland kegelt sich mit haarsträubenden Abwehrfehlern beinahe selber aus der WM. Um die gute Stimmung ist es erst einmal geschehen.

Sauer statt lustig: Per Mertesacker im ZDF. Video: Youtube.


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«Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder dass wir mit schönem Fussball rausfliegen?», fragte Per Mertesacker nach dem sauer verdienten Viertelfinaleinzug seiner Mannschaft gereizt. Die kritischen Bemerkungen des ZDF-Reporters schmeckten dem zuvor ein ums andere Mal überlaufenen Innenverteidiger ganz und gar nicht. Wie Deutschland die Partie gegen Algerien gewonnen habe, so Mertesacker, sei ihm vollkommen egal. Und unter dem letzten 16 Teams einer WM finde man keine Karnevalstruppen mehr, auch Algerien gehöre mit Sicherheit nicht in diese Kategorie.

Die deutsche Presse kommentierte den erst in der Verlängerung herausgespielten 2:1-Sieg derweil mit einer Mischung aus Spott und Häme. «So fliegen wir am Freitag gegen Frankreich raus», titelt das Millionenblatt «Bild» auf seiner Website. Für die beiden Aussenverteidiger Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes setze es in der Spielerbewertung die Höchststrafe, eine glatte Sechs. Die Höchstnote Eins erhielt dagegen der überragende Keeper Manuel Neuer. «Dieses Spiel wird er nie vergessen. Diesmal nicht nur der beste Torwart, sondern auch unser bester Innen- und Aussenverteidiger und Libero. Rettete überall», steht in seinem Zeugnis.

Ein Sieg des Glücks

Tatsächlich hätte Deutschland ohne Neuer nicht nur verlieren, sondern deutlich verlieren können. «Ein Sieg des Willens und der Willenskraft», wie Bundestrainer Joachim Löw beschönigend erklärte, war es nur in zweiter Linie, obwohl die Deutschen mit zunehmender Spieldauer besser wurde. In erster Linie war es ein Sieg des Glücks. Oder anders formuliert: die Rückkehr der Dusel-Deutschen. «Dem Ende ganz nahe», konstatierte die «Frankfurter Allgemeine» treffend.

«In der ersten Halbzeit waren wir schlecht», gab Löw denn auch zu. «Algerien hat oft unser Pressing umgangen und lange Bälle gespielt. Da waren wir sehr anfällig.» Zum grossen Glück der Deutschen war da ja aber noch Torhüter Neuer, an dessen Leistung nur der frühere Nationalgoalie Oliver Kahn etwas auszusetzen hatte. «Was Manuel macht, ist Harakiri. Denn er kann auch mal eine Zehntelsekunde zu spät kommen», mokierte sich Kahn, der als ZDF-Experte in Brasilien weilt.

Kahn machte aber durchaus auch kluge Bemerkungen, so etwa die Grundfrage, die sich das DFB-Team stellen müsse: «Wie bekommen wir es hin, dass wir aus dem Mittelfeld mehr Vertikalität ins Spiel bringen?» Mangelhaft war längst nicht nur die Abwehr, sondern auch das Mittelfeld, das wegen der früh störenden Algerier kaum einmal einen brauchbaren Ball in die Spitze zustande brachte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.07.2014, 02:31 Uhr)

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