Madoffs Schneeball trifft die Schweiz

Vom grössten Anlagebetrug der Geschichte sind auch viele Schweizer Banken und private Vermögensverwalter betroffen. Den Schaden haben die Kunden.

Von Martin Vetterli



Es war ein Schneeballsystem, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Und es funktionierte lange. Schon 1992 hatte die US-Börsenaufsicht SEC den Hedge-Fund erstmals untersucht, 2005 und 2007 erneut. Ausser ein paar Bagatellverstössen fanden die Kontrolleure nichts (siehe Kasten), obwohl der 70-jährige Bernard Madoff mit bis zu 50 Milliarden Dollar jonglierte, von denen eigenen Angaben zufolge nur 300 Millionen übrig geblieben sind.

Ein bedeutender Teil des verlorenen Geldes stammt aus der Schweiz. Der Geschäftsführer von Genève Place Financière, Steve Bernard, schätzt, dass 3 bis 6 Promille der auf dem Genfer Finanzplatz verwalteten Vermögen bei Madoff investiert waren. Dies entspräche einem Engagement von bis zu 9,6 Milliarden Franken.

Vermögensverwalter liebten Madoff


Inzwischen hat die Eidgenössische Bankenkommission «umfangreiche Abklärungen» eingeleitet. Laut Sprecher Alain Bichsel bat sie alle Banken um eine Stellungnahme. Bis Ende Woche will sie sich so ein Bild vom Schaden in der Schweiz machen. Laut heutigem Erkenntnisstand sind Banken und Vermögensverwalter jedoch nur indirekt betroffen: Den Schaden tragen ihre reichen Kunden und Family Offices, die Dachfonds im Depot haben, die in Madoff-Produkte investiert sind.

Angesichts der grossen Beliebtheit von Madoffs Anlagevehikel fragen sich einzelne Experten bereits, welche Bank keine Kunden mit Madoff-Anlagen habe. «Ich kenne keine Bank, die nicht in irgendeiner Form betroffen ist», sagte ein Vermögensverwalter. Madoffs Geldmaschine sei ein verbreiteter Geheimtipp gewesen.

Es sei wie ein Schneeballsystem des Vertrauens gewesen, berichtet ein Insider. Viele hätten sich nicht nur von der stetig guten Performance und den tiefen Gebühren blenden lassen, sondern auch von den guten Namen, die mit Madoff verbandelt waren. So soll sich vor allem Hedge-Funds-Spezialist Fairfield Greenwich Group und ihr Chef Walter Noel, der in die Schweiz zum Skifahren kam, als Türöffner betätigt und sehr aktiv für Madoff geworben haben.

Stark betroffen ist Bénédict Hentsch, auch wenn «nur» 48 Millionen Dollar Kundenvermögen bei Madoff investiert sind. Die Genfer Privatbank hatte im September mit Noels Fairfield-Gruppe fusioniert. Aufgrund des Skandals wurde diese Beziehung wieder gelöst. Finanziell tief im Skandal stecken die Union Bancaire Privée mit bis zu 1,26 Milliarden Franken und die Genfer Vermögensverwaltungs- und Fondsvertriebsfirma Benbassat mit 1,08 Milliarden. Das Verlustrisiko der Luzerner Privatbank Reichmuth mit ihrem Dach-Hedge-Fund Reichmuth Matterhorn liegt bei 385 Millionen, jenes der Kunden der Hyposwiss Genf, einer Tochter der St. Galler Kantonalbank, bei rund 175 Millionen. Geschädigt sind namhafte Kundengelder der Neuen Privat Bank Zürich und der Genfer Notz, Stucki & Cie. UBS, CS und ZKB haben keine Ausfälle bei eigenen Produkten; sie überprüfen, ob einzelne Kunden in Madoff-Produkte investiert sind. Die Versicherer Bâloise und Swiss Life seien im zweistelligen Millionenbereich betroffen. Bernard Madoff.

Erstellt: 16.12.2008, 01:45 Uhr




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