Unter Entzugzwang

London will das Rauchen auch draussen verbieten.

Er wäre «not amused»: Der frühere britische Premierminister und Zigarrenfan Winston Churchill (1949). Foto: AP, Keystone

Er wäre «not amused»: Der frühere britische Premierminister und Zigarrenfan Winston Churchill (1949). Foto: AP, Keystone

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Menschen, die Rauchverbote einst als «faschistisch» verfluchten, gestehen heute leise: Dank dem Draussengebot rauchten sie heute weniger. Und ja, die Kleider stinken kaum noch. Doch aufgehört? Das haben deswegen die wenigsten.

Längst haben sich die Schweizer mit dem Verbot angefreundet. Die Vorstellung von Restaurants, in denen man sich zwischen Salat und Hauptgang eine Zigarette ansteckt, wirkt vergilbt, tiefste Vergangenheit.

Die Aufregung ums Thema schien bereits verglüht. Doch nun flammt die Debatte neu auf. In London und Schweden haben die Gesundheits­behörden diese Woche vorgeschlagen, Zigaretten von öffentlichen Plätzen zu verbannen – eine Premiere in Europa. Betroffen wären Parks, Spielplätze, Fussgängerzonen, Badis.

Kritiker reagierten entsetzt. Das Drinnen-Rauch-Verbot schütze Nichtraucher vor ungesundem Qualm. Keine einzige Studie weise hingegen Schäden von Passivrauch unter freiem Himmel nach. Der Effekt von Zigaretten, die in frischer Luft verpuffen, sei homöopathisch gering. Um die Stadtluft sauberer zu machen, müsste man erst einmal Autos und Ölheizungen verbieten.

Und wer wolle, dass Jugendliche nicht durch öffentliches Rauchen verführt würden, müsse vorher alle James-Dean-Poster und «Mad-Men»-Folgen einstampfen. Die Verbots­ausweitung, finden Kritiker, sei ein «bösartiger» Versuch, Rauchern das Leben zu vergällen und ihnen einen gesunden Lebensstil aufzuzwingen.

Das bestreiten die Befürworter gar nicht. In den USA haben mehrere Städte (New York zum Beispiel) und Universitäten Outdoor-Verbote erlassen. Um sie zu rechtfertigen, wird beteuert, dass sie den Raucheranteil unter den Betroffenen senkten.

Viele Raucher, die aufhören wollen, holen sich Hilfe von aussen – sie tun dies aus eigener Motivation. Mit Outdoor-Rauchverboten schreitet der Staat als Entzugshelfer ein, unaufgefordert und ungebeten.

Winston Churchill, bekennender Zigarren-Fan, sagte: «Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer von der Gefahr des Rauchens liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.10.2014, 18:34 Uhr)

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