Kommentar

Die verletzte Narzisstin

Oprah Winfrey spricht von «Rassismus in der Schweiz». Dabei handelt es sich nur um die Empörung einer Frau, die erwartet, dass sich die Welt um sie dreht.

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Die Welt hält der Schweiz wieder einmal den Spiegel vor. Und was sehen wir? Eine hässliche Fratze. Für einmal gehört sie nicht einem Banker, sondern der ahnungslosen Verkäuferin einer Zürcher Edelboutique. Weil sie eine Kundin nicht erkannte, ist nun der Teufel los. BBC News spricht von «Rassismus in der Schweiz». Weltweit setzte es ähnliche Schlagzeilen ab. Auch der «Blick» titelte auf der Frontseite: «Rassismus!».

Was war passiert? Eine dunkelhäutige Kundin wollte eine Tasche kaufen. Diese könne sie sich nicht leisten, sagte die Verkäuferin und zeigte ihr günstigere Modelle. So die Version der Kundin. Diese überlegte sich, demonstrativ die ganze Boutique aufzukaufen. Sie gönnte der Verkäuferin aber die Provisionen nicht und liess es bleiben.

Der Fauxpas der Verkäuferin: Ihre Kundin war die berühmte Talkmasterin Oprah Winfrey, die rund 2,5 Milliarden schwer ist. Die Bildungslücke der Verkäuferin hat Winfrey als rassistischen Vorfall dargestellt.

Nun werden wir von der halben Welt geprügelt. Doch geht es bei der Geschichte wirklich um Rassismus? Oder doch eher um die grenzenlose Eitelkeit der TV-Talkerin, wie sie bei vielen Fernsehmoderatoren zu beobachten ist? Diese verdanken ihre Popularität einzig dem Umstand, dass Menschen auf der Strasse ihr Gesicht wiedererkennen. Deshalb steigen sie in der öffentlichen Wahrnehmung rasch in den Olymp der Promis auf und entwickeln oft eigenartige Ansprüche an die Welt. Sie wollen überall erkannt, bevorzugt behandelt, verehrt und geliebt werden. Weshalb eigentlich? Nur weil sie einen Text flüssig vor der Kamera ablesen oder schlagfertig Fragen stellen können? Popularität ist verführerisch und wirkt oft wie ein sanftes Gift.

Eine ähnliche Geschichte erlebte Winfrey schon vor acht Jahren in Paris. Damals wollte die Talkmasterin in einer Hermès-Boutique shoppen, die bereits geschlossen war. Die Abweisung des Türstehers interpretierte sie auch vorschnell als rassistischen Akt.

Die Vorfälle zeigen mehr über ihre seelische Befindlichkeit als über Rassismustendenzen in der Schweiz – die es zweifellos gibt. Auslöser der weltweiten Empörung ist genau betrachtet lediglich die narzisstische Verletzung einer Frau, die erwartet, dass sich die Welt um sie dreht.

Erstellt: 09.08.2013, 16:43 Uhr

Oprah Winfrey ist in der Zürcher Edelboutique nicht das Opfer von Rassismus geworden: TA-Redaktor Hugo Stamm.

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Oprah Winfrey und die Boutique von Trudie Götz

Oprah Winfrey und die Boutique von Trudie Götz Talkmasterin Oprah Winfrey blitzte in einem Laden von Trudie Götz in Zürich ab.

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