Ein Transistorrechner für Kataster, Karten und Koordinaten

Vor kurzem tauchte an der ETH Lausanne der erste Transistorcomputer der Schweiz auf: Cora 1. Er steuerte vor allem hochpräzise Zeichentische.

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Von Herbert Bruderer

Die Zürcher Waffenschmiede Contraves (lateinisch für «gegen Vögel»), die auch Fliegerabwehrwaffen entwickelte, setzte für ihre Anwendungen ursprünglich Analogrechner ein. Weil diese jedoch langsam und ungenau waren, stellte das Unternehmen in den 60er-Jahren den Digitalrechner Cora 1 her (Abkürzung für Contraves-Rechenanlage). Mit diesem Gerät sollte der Beweis erbracht werden, dass eine Echtzeitsteuerung eines Feuerleitsystems mithilfe eines Digitalrechners möglich ist. Zudem sollte Cora 1 auch Kurven höherer Ordnung, die zum Beispiel in der Ballistik zur Bestimmung der Flugbahnen herangezogen werden, in Echtzeit berechnen und zeichnen. Die wichtigste kommerzielle Anwendung war jedoch der Einsatz als Steuerelement für hochpräzise Zeichentische. Für die Nutzung in Feuerleitsystemen war Cora 1 zu schwer.

Pläne statt Lenkwaffensysteme

Der ungarische Ingenieur Peter Toth hatte die Maschine ab 1957 im Auftrag des damaligen technischen Direktors der Contraves, Max Lattmann, entwickelt. «Die Transistorschaltungen waren so ausgelegt, dass sie grosse Temperaturschwankungen aushalten konnten», erzählt Toth, der heute in Herrliberg wohnt. Die Maschine hatte magnetische Ferrit-Kerne als Hauptspeicher, für die Ein- und Ausgabe von Daten wurden Lochkarten und Lochbänder verwendet. Von Cora 1 wurden etwa 60 Stück hergestellt.

Den automatischen Zeichentisch, einen Koordinatographen, hatte Contraves vom Berner Unternehmen Haag-Streit übernommen und zum Coragraphen weiterentwickelt. Die in der maschinennahen Programmiersprache Assembler programmierte Anlage wurde beispielsweise im österreichischen Vermessungswesen und im Schiffsbau eingesetzt, etwa von Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel zur Steuerung einer Brennschneidemaschine.

Per Zufall entdeckt

Auch die ETH Lausanne kaufte eine solche Anlage für kartografische Arbeiten. Laut Yves Bolognini sind weder das genaue Kaufdatum noch die Dauer des Einsatzes bekannt. «Die ETH dürfte die Maschine Mitte der 60er-Jahre beschafft haben», erklärt der Computerwissenschaftler, der Cora 1 im vergangenen Februar per Zufall in einem Keller entdeckte und die Maschine seit November im Bolo-Museum der Fakultät für Computerwissenschaften der Öffentlichkeit zugänglich macht. Allerdings sei es ziemlich aufwendig, die Geschichte des Computer-Urahns zu rekonstruieren, sagt Bolognini. «Ich vermute, dass Cora 1 an unserer Schule bis in die 70er-Jahre in Betrieb war.»

Benutzt wurde sie von Walter Karl Bachmann vom Lehrstuhl für Geodäsie und Fotogrammetrie. Einer seiner Schwerpunkte war die «Einführung der elektronischen Rechner und automatischen Zeichentische in Katasterwesen, Strassenplanung und Fotogrammetrie». Ob noch weitere Exemplare von Cora 1 überlebt haben, ist nicht bekannt. Eine weitere Cora 1 wurde jedenfalls an der Expo 1964 in Lausanne vorgestellt. Sie steuerte, hinter einer Mauer versteckt, einen Coragraphen.

www.bolo.ch; Tel. 078 748 21 16.

Erstellt: 23.11.2011, 06:20 Uhr

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