Zürich
Ein Turm und seine Salami
Zu FussDiese Woche im Fricktal, Kanton Aargau
Diese Wanderung beginnt im Tamedia-Personalrestaurant in Zürich. Dort arbeitet Karin. Sie ist Berufsköchin sowie die Assistentin des Betriebsleiters und steht ab und zu auch an der Kasse. Wir sehen uns öfter, da ich mir fast jeden Tag im Personalrestaurant ein Birchermüesli kaufe, das übrigens grossartig ist.
Vor Wochen sprach mich Karin an: Oberhalb von Gansingen, wo sie wohne, gebe es den Aussichtspunkt Cheisacher. Seit Oktober 2010 stehe auf ihm ein Turm. Zwar werde dieser erst im April eingeweiht, doch sei er offen – und ob ich ihn nicht einmal in meiner Kolumne ...?
Gute Idee, Karin! Eines warmen Februartags fahren wir zu neunt los. Im Bus queren wir von Brugg her den Bözberg, einen Übergang, den schon die alten Römer nutzten. Weil ich mich mit meiner Sitznachbarin unterhalte, entgeht mir die Verwandlung der Landschaft. Sie wird zum Garten. Das Fricktal ist das Reich der Vögel, Reben, Kirschen – ein Obstparadies, dessen Hecken, Baumketten, Hügelwellen mich an die Toskana erinnern. Seine tieferen Teile gelten als die wärmste Region nördlich der Alpen, mit 40 Sonnentagen mehr pro Jahr als das Mittelland. Was für ein Wunderland und Wanderland!
In Effingen steigen wir aus. Kurzer Blick auf den Wegweiser, jawohl, die Sennhütte ist verzeichnet. Anderthalb Stunden später sind wir bei diesem ersten Zwischenziel, haben es allerdings, weil uns die Schilder des «Helsana»-Trails narrten, auf einem Umweg erreicht. Die Sennhütte ist eine von Dimitri-Schule-Absolventen betriebene Besenbeiz. Wenn wir nicht einkehren, dann, weil ein Imbiss auf uns wartet – aber davon gleich.
Bereits sehen wir auf der nächsten Krete den Cheisacherturm aus hellem Holz. Wir streben ihm via Ampfernhöhe zu, wo uns ein Bunker interessiert, eine ehemalige Sanitätshilfsstelle. An ihm vorbei halten wir aufwärts, bleiben dabei auf dem Wanderweg Richtung Bürersteig, biegen schliesslich doch von ihm links ab; bis zur Turmweihe am 30. April/1. Mai soll die entsprechende Beschilderung angebracht sein.
Schlank ist der Turm, frisch, elegant. Auf der Plattform auf 24 Meter über Boden schauen wir uns um. Die Luft ist dunstig. Wir sehen das Fricktal ausgebreitet samt dem nahen Gansingen, sehen den Rest unserer Route, die auf den Laubberg führen wird und nach Wil – sehen aber nicht die Alpen und den Feldberg. Macht nichts. Denn jetzt lockt die nächste Attraktion. Karin und ihr Partner René erwarten uns bei einem windgeschützten Bänkli. Es gibt Kaffee mit Güx, wie Karin sagt, Tee, ein Plättli mit Fleisch, Käse, Brot aus der Gegend. Wir geniessen und fragen uns: Sind alle Fricktaler so nett?
Endlich müssen wir doch weiter, wir haben noch einmal zweieinhalb Schwitzstunden vor uns. Auf Waldwegen geht es hinüber zum Bürersteig. Und dann geht es wieder aufwärts und am Bürerhorn vorbei zum Laubberg. Rührend die rudimentäre Kapelle mit der Pietà. Wir halten inne. Und steigen alsbald auf dem steilen Stationenweg und später durch einen sanften Hang ab nach Wil.
Dort werden wir wieder an den Turm erinnert. Karin hat erzählt, dass die Bäckerei Weber das «Cheisacher-Tübli» kreiert habe, ein Praliné. Und beim Metzger des «Schwyzerhüsli», in dessen Gastwirtschaft wir ein Bier nehmen, gibt es die «Cheisacher Turm-Salami», die wir oben beim Turm assen. Da nimmt eine Region Anteil an ihrem Bauwerk.
Thomas Widmer
Fünf Stunden. 400 Meter aufwärts, 450 abwärts.
Sennhütte: Besenbeiz mit Selbstbedienung, Mi bis So, www.sennhuette.ch. In der Nähe gibt es eine Grillstelle.
Turm: www.cheisacherturm.ch
Thomas Widmer stellt jeden Freitag eine Wanderung vor. Privater Wanderblog auf widmerwandertweiter.blogspot.com
In Effingen, kurz nach dem Start der Wanderung.Foto: Thomas Widmer
Erstellt: 03.03.2011, 18:45 Uhr
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