Zürich

Eine Routinière mit spitzer Zunge

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 26.01.2010 3 Kommentare

Claudia Nielsen sitzt seit 16 Jahren für die SP im Gemeinderat. Nun will sie in die Stadtregierung. Das Portrait von einer, die aneckt.

Claudia Nielsen.

Claudia Nielsen. (Bild: Keystone)

Der Smartspider stellt das politische Profil anhand der Smartvote-Daten dar. Er zeigt die Einstellungen in 8 Themenbereichen. Ein Wert 100 bedeutet eine starke Zustimmung zum formulierten Ziel, 0 bedeutet keine Zustimmung. Details zur Berechnung finden sich unter: www.smartvote.ch

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Die alten Hasen im Gemeinderat wissen, was sich anbahnt, wenn einer von der SVP an einem Votum von Claudia Nielsen herumkrittelt. Dann klingelt es umgehend beim Ratspräsidenten oben auf dem Bock, Nielsen verlangt erneut das Wort. Und wenn sie an der Reihe ist, stellt sie klar, was ihrer Ansicht nach von der Sache zu halten ist; in schneidendem Ton und voller Ironie.

Claudia Nielsen sitzt seit bald 16 Jahren für die SP 3 im Gemeinderat. Sie war Präsidentin der Verkehrskommission und steht zum zweiten Mal der Kommission Polizei, Tiefbau, Entsorgung und Industrielle Betriebe vor. Sie kennt die Materie, sie weiss, wie der Ratsbetrieb läuft - und bleibt ihren Widersachern nichts schuldig.

Die promovierte Umweltökonomin trug so zu manchen grossen Würfen im Parlament bei: zum autofreien Limmatquai und Münsterhof oder zu Umweltvorlagen wie Geothermie, Atomausstieg oder 2000-Watt-Gesellschaft. Und es gebe noch viel zu tun, meint Nielsen. Als Stadträtin möchte sie sich für Projekte einsetzen, welche die Energieeffizienz fördern, zudem für zahlbare Wohnungen und für eine menschenfreundliche Wirtschaft.

Sie sorgt für das Tischgespräch

Damit es auch so weit kommt, führt Nielsen einen gewitzten Wahlkampf: So fordert sie etwa Zürcherinnen und Zürcher auf, sie zu sich nach Hause zum Essen einzuladen, um mit ihr zu diskutieren. Das passt zu ihr: Sie hat keine Berührungsängste, ein offenes Ohr für die Probleme anderer, kocht und isst auch privat gerne mit Freunden. Und sie spricht, wie ihr der Mund gewachsen ist: «Wenn ich trotz viel Arbeit Leute eingeladen habe, könnte ich mich löffeln und denke: Was bin ich für ein Ei.»

Dass sie fachlich das Zeug zur Stadträtin hat, bezweifelt im Gemeinderat kaum jemand. Sie sei hochkompetent, leite die Sitzungen straff und effizient und könne sich durchsetzen, heisst es bei Linken und Bürgerlichen. Sie scheue sich auch nicht, unpopuläre Meinungen zu vertreten. In der Kommission wird sie aber auch als «lehrerinnenhaft» und machtbewusst erlebt, und sie eckt dort mit ihrer spitzen Art auch an.

Kein Auto, aber Fliegen

Politisiert wurde Claudia Nielsen durch die Umweltdiskussion der 80er-Jahre, dennoch trat sie 1992 nicht den Grünen, sondern der SP bei. Der Grund dafür war ihre Reise als 20-Jährige in ihr Vaterland Südafrika. Damals herrschte dort tiefste Apartheit, und die Armut, die sie in den Blechhütten antraf, ging ihr so nahe, dass sie nicht untätig bleiben konnte. Da sich vor allem die SP gegen die Apartheid engagierte, trat sie dieser bei.

Claudia Nielsen wurde 1962 geboren; ihr Vater ist Südafrikaner, ihre Mutter Schweizerin. Sie wuchs in Rüschlikon auf und studierte Wirtschaft. Später wurde sie Parteisekretärin der SP Zürich und war Verwaltungsratspräsidentin der Alternativen Bank. Heute arbeitet sie als selbstständige Unternehmensberaterin und ist Geschäftsführerin der Oikokredit Deutsche Schweiz, die Mikrokredite vergibt.

Nielsen ist ledig, Single zurzeit, und wohnt in einer Genossenschaftswohnung im Kreis 4. In der Freizeit wandert sie gerne und reist viel - auch mit dem Flugzeug. Darf sie das als grüne Rote? Sie sei konsequent, fahre Velo und besitze kein Auto. Aber eine Hardlinerin sei sie nicht, und sie mache manchmal mit Genuss eine Ausnahme. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2010, 09:19 Uhr

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3 Kommentare

Hans-Peter Amrein

21.01.2010, 17:38 Uhr
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Das Volk wählt diejenigen Politiker, welche es verdient (s.i.c.)! Antworten


Rolf Lüthi

02.02.2010, 16:45 Uhr
Melden

Claudia Nielsen befasst mit Themen, die ich für wichtig halte. Leider musste ich feststellen, dass sie sich nicht wirklich engagiert. Antworten



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