Zürich

Mit Bordküchen im Höhenflug

Aktualisiert am 23.06.2011

Trotz massivem Druck in der Flugzeugbranche ist die Fällander Bucher-Leichtbau AG stark gewachsen. Auf den Hersteller von Bordküchen warten schon neue Geschäfte.

Von Stefan Krähenbühl

Fällanden – Am Anfang stand die Herausforderung. Als Roland Hengartner die Geschäftsführung der Fällander Bucher Leichtbau AG übernahm, schrieb das Unternehmen rote Zahlen. Es galt, einen Kleinbetrieb im riesigen Aviatik-Markt zu positionieren, Marktanteile zu gewinnen, dem Unternehmen ein klares Profil zu verschaffen und Gewinne zu erwirtschaften. Hengartners Mission hiess Turnaround. Das war im Oktober 2003.

Heute hat sich Bucher-Leichtbau, die auf die Fertigung von Bordküchen für Passagier- und Transportflugzeuge spezialisiert ist, etabliert. Aus 23 Millionen Franken Umsatz im Jahr 2003 sind 75 Millionen Franken im vergangenen Jahr geworden. Seit 2004 schreibt die Firma jährlich Gewinne. Und das Wachstum hat Konsistenz. Allein in den letzten drei Jahren vergrösserte sich der Personalbestand von 170 auf 230 Mitarbeiter. Akzente konnte die Bucher Leichtbau im Engineering setzen. «Wir haben im Bereich Bordküchen grosse Schritte machen können», sagt Hengartner.Nebst den Standard-Bordküchen aus Aluminium, die aus diesem Material weltweit nur in Fällanden hergestellt werden, setzt das Unternehmen seit drei Jahren vermehrt auf edle Küchen aus Kompositmaterialien für Business- und First Class. «Funktionalität ist nicht mehr das einzige Verkaufsargument», sagt Hengartner. «Design wird immer wichtiger.» Zu spüren bekommt er das besonders bei Aufträgen für neue Grossraumflugzeuge wie den Airbus 380 oder die Boeing 747-8, in denen die Fällander Bordküchen mitfliegen.In den letzten Jahren ist die Situation in der Luftfahrtbranche schwieriger geworden. Zwar wächst sie – schenkt man dem Airbus-Chef Thomas Enders Glauben – immer noch stark, aber der hohe Ölpreis setzt die Fluglinien unter Druck. Um den Flugverkehr rentabel halten zu können, sind sie zum Sparen verpflichtet. Dass davon vor allem die Zulieferer betroffen sind, liegt auf der Hand. «Wir spüren den Kostendruck stark», sagt Hengartner. «Deshalb versuchen wir, unsere eigenen Kosten laufend zu reduzieren.» Offenbar mit Erfolg. Unter der Führung Hengartners haben sich die Produktionskosten in den letzten Jahren um 10 bis 15 Prozent verringert.

Zweites Standbein ausgelagert

Bezeichnend für die erfolgreiche Positionierung des Unternehmens ist der Neubau in der Huebwis, 400 Meter vom Hauptsitz entfernt. Dorthin verlagerte Bucher-Leichtbau vergangenen Herbst ihr zweites Standbein: den Bereich Medical & Interior Components (MIC). Dazu gehören in erster Linie medizinische Systeme wie Patientenliegen oder Ausrüstung zur Erstversorgung von Patienten an Bord. Man habe die beiden Bereiche Bordküchen und MIC mit dem Neubau klarer trennen wollen, sagt Hengartner.

Hauptgrund für das Huebwis-Projekt dürften jedoch die engen Platzverhältnisse in den Räumlichkeiten an der Industriestrasse 1a gewesen sein. Zwar wurde das Gebäude bereits im Jahr 2005 um 1000 Quadratmeter vergrössert, doch das Wachstum war zu stark. «Immerhin sind wir jetzt für die Zukunft gerüstet», sagt Hengartner. Tatsächlich verfügt das Unternehmen am neuen Standort über Reserven. Die Büroräume sind dünn besiedelt, die Produktionsflächen grosszügig gestaltet. Auch wenn sich die Bucher Leichtbau mit dem Ausbau der Sparte MIC weiterentwickelt hat, ihre Kernkompetenz bleibt mit einem Anteil von 85 Prozent die Produktion von Bordküchen. Rund 550 Stück verlassen die Fällander Werkhallen pro Jahr. Die grösste Küche – diejenige des A380 – wiegt trotz Aluminium je nach Ausführung zwei bis drei Tonnen und kostet zwei bis drei Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Bordküche eines Standardrumpfflugzeugs Typ A320 wiegt gerade mal 400 bis 500 Kilogramm. Hengartner bezeichnet die Arbeit für die A380-Maschinen denn auch als «Prestige-Auftrag». «Es zeigt der Branche, dass wir bei grossen, neuen Flugzeugen dabei sind.»

Eine Firma auf Partnersuche

Die Herausforderungen in Fällanden bleiben in Zukunft nicht aus. Zurzeit kämpft Bucher-Leichtbau wie alle Exportfirmen mit den Auswirkungen der Währungskrise. Um die Umsatzverluste im Ausland aufzufangen, forciert die Firma die Zusammenarbeit mit Partnern im Ausland. Den Fokus will das Unternehmen aber weiterhin auf die Schweiz legen. Heute finden über 80 Prozent des Herstellungsprozesses von Bordküchen in Fällanden statt. «Wir hätten 2003 die Produktion von Trolleys ins Ausland verlegen können, wie unsere Konkurrenz», sagt er. «Aber das wollten wir nicht.» Stattdessen stellte Hengartner die Produktion der rollenden Speisewagen ein und straffte damit den Tätigkeitsbereich der Firma. Der Erfolg sollte ihm recht geben.

Roland Hengartner im Lauger der Bucher-Leichtbau AG. Foto: David Kündig

Erstellt: 23.06.2011, 22:30 Uhr

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