Muslimische Jugendliche haben Opferrolle satt Muslimische Jugendliche haben die Opferrolle satt
Von Michael Meier
Dietikon – Obwohl unüberhörbar Schweizerdeutsch gesprochen wurde, handelte es sich beim Ummah-Day vom Samstag unübersehbar um einen muslimischen Anlass. Fast alle jungen Frauen trugen Kopftuch. Vom Verein «Ummah – muslimische Jugend Schweiz» organisiert, lockte der religiöse Grossanlass 800?Schweizer Muslime in die Stadthalle Dietikon – die meisten hier geboren, viele mit Schweizer Pass. An den Ständen gab es muslimische Produkte zu kaufen, etwa Sweatshirts mit der Aufschrift «I love my prophet» vom Fashionlabel Styleislam. Ein anderer Stand warb für Halal-Tattoos in Form kalligrafischer Symbole – «koschere» oder hautschonende Tattoos zum Aufkleben.
Moschee auch für Frauen
Auf der Bühne sprachen sich die Referenten durchweg mit Bruder und Schwester an. Andächtig lauschten die «Geschwister im Glauben» dem jüngsten Imam Berlins. Der 28-jährige Konvertit Ferid Heider hielt einen leidenschaftlich-frommen Vortrag über die Moschee, die nicht nur eine Stätte des Gebets sei, sondern auch ein Ort des sozialen Zusammenhalts und eine Schule der Barmherzigkeit. «Die Moschee soll in jeder Gesellschaft ein Leuchtturm sein, auch ohne Minarett.» Heider plädierte klar für die Öffnung der Moschee für die Frauen. Zu Zeiten des Propheten Mohammed seien Frauen selbstverständlich in die Moschee gegangen.
Ob Hasan Hatipoglu, Präsident der Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich, oder der grüne Politiker Daniel Vischer – alle Referenten riefen die Jungen zur Partizipation an der Schweizer Gesellschaft auf: Sie sollten örtlichen Vereinen beitreten, Freiwilligenarbeit leisten, in der Politik mitmachen, Parteien beitreten. Saloua Mohammed, Mitbegründerin der sozialen Jugendorganisation Lifemakers Germany, ermunterte die Jungen, sich sozial und karitativ in der Gesellschaft zu engagieren. Sie selber präsentierte sich als Beispiel dafür, dass Frauen im Islam dem Kopftuch zum Trotz nicht unterdrückt seien.
Unbestrittener Star des Abends war Tariq Ramadan, für die jungen Erwachsenen einfach «Bruder Tariq». Der umstrittene Genfer Islamwissenschafter rief dazu auf, sich nicht länger als Opfer oder Angehörige einer Minderheit zu fühlen. «Das produziert nur schweigende und passive Muslime», sagte das Vorbild der muslimischen Jugend.
Rapper kritisiert Medien
Rapper Amar114, ein deutscher Konvertit, machte fast mehr auf Unterweisung als auf Unterhaltung. «Willst du wissen, was Islam ist, schlag den Koran auf und lies», rappte er etwa. Harsche Kritik übte er an den Medien und fragte gar, ob nicht diese mit ihrer Verzerrung der Wahrheit in einer Parallelwelt lebten. Entsprechend ängstlich ging der Verein Ummah mit den Medien um. «Schweiz aktuell» von SF 1 sah davon ab, einen Beitrag zu drehen, weil alle Bilder vorher dem Verein zur Autorisierung hätten vorgelegt werden müssen.
Erstellt: 19.12.2010, 23:10 Uhr


