Zürich

Nach Sauferei: Blatter-Wiese wieder geöffnet

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 02.09.2008

Der Botellón vom Samstag hat der Blatterwiese zugesetzt: Sie ist mit Glasscherben gespickt. Nach einer aufwendigen Reinigung wird sie heute Nachmittag wieder geöffnet.

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Die grossen Glasstücke erwischen die Mitarbeiter von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) mit der Zange.
Bild: Felix Schindler

   

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«Böswillige Sauerei.»

Politiker von links bis rechts fordern, dass die Teilnehmer des Botellóns zur Verantwortung gezogen werden. «Die Namen sind bekannt. Neben dem 17-jährigen Organisator, der später einen Rückzieher machte, sollen auch die von der Polizei registrierten Teilnehmer für die Reinigung zur Kasse gebeten werden», sagt SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Er will künftige Veranstaltungen dieser Art grundsätzlich verbieten. Für den Stadtzürcher SP-Präsidenten Koni Loepfe haben die Botellón-Teilnehmer ihren Kredit verspielt. «Das war nicht nur eine Sauerei, sondern eine böswillige Sauerei.» Trotzdem will er solche Massentrinkveranstaltungen nicht grundsätzlich verbieten. «Es braucht allerdings ein Konzept und jemanden, der dafür verantwortlich ist», sagt Loepfe. FDP-Gemeinderat Urs Egger bezeichnet die Situation als «schwierig». Ein Botellón-Verbot ist ihm wegen der Versammlungsfreiheit zuwider. Die Belastungen für die Quartierbewohner durch Komatrinker, die sich in Vorgärten erbrechen und urinieren, seien hingegen nicht tolerierbar. EVP-Gemeinderat Ernst Danner spricht sich für ein Botellón-Verbot aus. (bg)

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Rund ein Dutzend junge Männer und Frauen bewegen sich kniend und im Zentimetertakt über die Blatterwiese. Auf der Suche nach Glasscherben drehen sie mit blossen Händen jeden Grasbüschel um. Selbst in dieser Kauerposition sind im Grün der Wiese die gleichfarbigen Scherben nur mit grosser Mühe zu erkennen. Die Sisyphusarbeit wird zusätzlich erschwert, weil viele Scherben bereits im weichen Boden stecken.

Nicht nur die 12 000 Quadratmeter grosse Blatterwiese, sondern auch die umliegenden Grünflächen müssen mühselig von den Flaschenüberresten gereinigt werden. «So viele Scherben im Raum Blatterwiese mussten wir noch nie aufsammeln, nicht einmal nach dem Zürifäscht», sagt Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). Die Botellón-Teilnehmer zertrümmerten viele Flaschen mutwillig. Die bereitstehenden zehn Container sowie die Mulde blieben praktisch unbenutzt.

Für die Reinigung der Wiese ist die Firma «Rund ums Grün» zuständig. Sie verfügt über ein Fahrzeug, mit dem sich Wiesen absaugen lassen. Bei der Blatterwiese war aber auch der Rasenstaubsauger machtlos. Im Auftrag des ERZ putzen die Rasenspezialisten von April bis Oktober die Parkanlagen rund ums Seebecken. Dies kostet die Stadt laut Filli einen hohen sechsstelligen Betrag. Die Putzaktion auf der Blatterwiese wird separat verrechnet. Rund-ums-Grün-Geschäftsführer Tobias Gerber rechnet mit Kosten zwischen 18 000 und 25 000 Franken, die vermutlich die Stadt übernehmen muss. Der Stadtrat wollte dazu keine Stellung nehmen. Er wird das Thema Botellón an seiner Mittwochssitzung besprechen. Politiker fordern, dass die Teilnehmer der Veranstaltung und der ursprüngliche Organisator für die Kosten geradestehen (siehe Kasten). Nach der Grob- und Handreinigung wird die Blatterwiese heute gemäht. Das Mähfahrzeug saugt neben dem Schnittgut auch gleich noch allfällige Scherben auf. Trotzdem werden wahrscheinlich einige Splitter im Boden stecken bleiben. «Wir werden rund 90 Prozent der Scherben entfernen können», sagt Filli. Der angrenzende Kinderspielplatz ist scherbenfrei geblieben, weil er vorsorglich abgeriegelt wurde. Er ist bereits seit Samstag wieder offen. Um Schnittverletzungen zu vermeiden, dürfen mobile Händler in den Seeanlagen nur PET-Flaschen verkaufen.

Der Rasen auf der Blatterwiese ist neu. Spezialisten aus Deutschland verlegten ihn Ende Juli. Der Rollrasen kostete rund 400 000 Franken. Einen Teil davon bezahlte die Migros, die während der Euro auf der Blatterwiese einen Familienpark betrieb.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2008, 14:46 Uhr

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