See-Spital erhält Notfallpraxis
Von Simona Pfister
Horgen – Seit der Eröffnung der Notfallstation im See-Spital in Horgen 2005 steigen deren Patientenzahlen kontinuierlich an. Grund für die Entwicklung: Immer mehr Menschen gehen mit kleineren Beschwerden direkt in den Notfall, anstatt sich an ihren Hausarzt zu wenden. «Viele haben gar keinen Hausarzt mehr oder sind mit dem System in der Schweiz nicht vertraut», sagt der Direktor des See-Spitals Horgen, Markus Gautschi, zu dieser Entwicklung. Patienten mit Bagatellkrankheiten würden deshalb die Notfallstation der Spitäler überfüllen.
Vorteile für alle
Dieser Situation soll nun mit einem neuen Notfallkonzept begegnet werden. Neben der herkömmlichen Notfallstation will das See-Spital auf Jahresbeginn 2012 eine Notfallpraxis einrichten, die gemeinsam mit den Hausärzten aus der Umgebung betrieben wird. Beim Eintritt werden die Patienten voruntersucht und die leichteren Fälle direkt an die Notfallpraxis weitergewiesen. Die herkömmliche Notfallstation wird so entlastet. Markus Gautschi sagt, dass auch die Patienten von diesem System profitierten. «Sie müssen weniger lange auf die Behandlung warten.» Dank der Erfahrung der Hausärzte sei die Untersuchung zudem effizienter.
So bringt dieses Konzept auch finanzielle Vorteile. Eine in der «NZZ am Sonntag» veröffentlichte Studie am Stadtzürcher Waidspital zeigt, dass mit einer solchen Notfallpraxis massiv Kosten eingespart werden können. Auch im Spital Baden, dem ersten der neun Schweizer Krankenhäuser mit diesem System, läuft die Notfallpraxis mit Erfolg.
«Wir haben schon lange an dieses Konzept gedacht», sagt Markus Gautschi. Jetzt seien auch von den Hausärzten in der Region positive Signale gekommen. Auch sie werden vom System profitieren: Die Ärzte können künftig ihre Notfalldienste am Wochenende und abends in der Spitalpraxis leisten. Dort steht ihnen eine professionelle Infrastruktur zur Verfügung. Patrick Holzmann, Präsident des Ärztevereins Wädenswil, Au, Schönenberg und Hütten, sagt: «Wir stehen der Idee sehr positiv gegenüber.» Gemeinsam mit dem Ärzteverein Horgen, Hirzel und Oberrieden überprüfe man das Modell. Denn Aufwand und Ertrag für Notfalldienste stünden zurzeit in keinem Verhältnis.
In der Notfallstation des See-Spitals in Horgen wird es ab nächstem Jahr eine Notfallpraxis für hausärztliche Dienste geben.Foto: PD
Erstellt: 14.02.2011, 21:45 Uhr


