Singen wie Johnny Cash
Von Daniela Müller-Smit
Bassersdorf – Aus den Musikboxen ertönt der «Cherokee Boogie». «Hey-ho-Alina» singt ein Pärchen den Refrain lautstark mit. Andere tanzen zum mitreissenden Rhythmus. Mit rauchenden Köpfen sitzt eine Gruppe um die Dreissig konzentriert über dicken Song-Büchern im Bassersdorfer Rütli-Pub. «Ich habe überhaupt keine Ahnung von Country. Habt ihr schon was gefunden?» fragt jemand in die Runde und erhält als Antwort nur stilles Schulterzucken. «Ich werde ‹Leaving on a Jet Plane› von John Denver singen», meint da einer. Derweil reihen Marco Steiger und sein Freund Christian Wikart die Obstler-Gläschen auf dem Tisch auf. «Die brauchen wir, um die Stimme ein wenig zu ölen», sagen sie grinsend. Ein wenig Lockerheit kann schliesslich nicht schaden. Die beiden besuchen öfters gemeinsam Karaoke-Anlässe und haben sich spontan entschlossen, beim «Swiss Country Star 2011» mitzumachen.
Country ist nicht gleich Cowboy
«Bei der heutigen, siebten Ausscheidung machen elf Leute mit. Zwei sind sogar extra aus Adelboden und Hasliberg angereist», sagt Patrice Godefroid von «Karaoke7». Seit 20 Jahren ist er im Karaoke-Geschäft tätig. In Zusammenarbeit mit dem Internetradio Countryradio.ch (CRS) organisiert er in verschiedenen Kantonen den Gesangswettbewerb, bei dem es einen Flug nach Nashville und eine professionelle Studioaufnahme zu gewinnen gibt.
Von den 63 000 Titeln, die Godefroid im Angebot hat, sind rund 6000 aus der Sparte Country. «Unser Ziel ist es, die Countrymusik bekannter zu machen und mit den Vorurteilen aufzuräumen», sagt Mitorganisator David Bolli von CRS. «Country ist nicht gleich Cowboy» betont er. Um die Musik zu mögen, müsse man nicht einen Cowboyhut aufsetzen, in die Boots hüpfen und eine Fransenjacke tragen. Schliesslich sei die Countrymusik auch sehr vielseitig. «Egal ob Ballade, Pop oder Rock, im Country findet jeder etwas für seinen Geschmack».
Publikumsjury entscheidet
«Ich habe mich für ‹Let Your Love Flow› entschieden», sagt Christian Wikart und fügt rasch an: «Weisst du, das ist das ‹Bett im Kornfeld›». Welcher Titel jetzt die Originalversion ist, interessiert hier niemanden so genau.
Während die Musik ab Band spielt, folgen die Augen dem Monitor, der den Songtext häppchenweise vorgibt. Die meisten Sängerinnen und -sänger kennen den Text ihres ausgewählten Titels sowieso auswendig. Den Refrain von «Let Your Love Flow» singt und summt auch das Publikum im Hintergrund mit. Anschliessend klatscht, pfeift und grölt es laut.
«Je lauter das Publikum ist, desto besser, denn einzig das Publikum bestimmt die jeweiligen Gewinner», so Godefroid. Obwohl der Spassfaktor wichtig sei, stünden klar die stimmlichen Qualitäten im Vordergrund.
Und diese setzen sich auch beim Anlass im Bassersdorfer Rütli-Pub durch: Der Ustermer André Gschwend gewinnt mit einer eindrücklichen Version des Johnny-Cash-Klassikers «Folsom Prison Blues». Er darf Ende Mai beim grossen Finale in Wädenswil antreten.
Obwohl der Ustermer André Gschwend sonst nur unter der Dusche singt, hat er in Bassersdorf die Vorausscheidung zum «Swiss Country Star» gewonnen.Bild: Leo Wyden
Erstellt: 30.01.2011, 23:10 Uhr



