Streit um KV-Lehrmittel: Kleine Verlage fürchten um Einnahmen in Millionenhöhe

Ein neuer Kampfverbund von Lehrmittelverlagen schlägt Alarm: Man sieht sich durch ein Manöver der KV-Schulen in der Existenz bedroht.

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Von Fabian Renz, Bern

Keine andere Ausbildung ist bei Schweizer Jugendlichen so beliebt wie die kaufmännische. Entsprechend lukrativ ist das Geschäft mit den Lehrmitteln für die angehenden Berufsleute: Viele kleinere, spezialisierte Verlage sind auf das Geld, das sie aus dem Absatz von Unterrichtsmaterialien für kaufmännische Bildungseinrichtungen verdienen, nachhaltig angewiesen.

Eine auf nächstes Jahr in Kraft tretende Bildungsreform lässt die Branche nun um diese Einnahmequelle zittern. Grund dafür ist die notwendig gewordene Komplettüberarbeitung der Lehrmittel: Die KV Bildungsgruppe Schweiz, ein Verbund der sechs grössten kaufmännischen Bildungszentren (Aarau, Basel, Bern, Luzern, Zürich, Winterthur), hat dazu ein Vorgehen gewählt, das die Kleinverleger als illegitime, wenn nicht sogar als illegale Ausschaltung des freien Wettbewerbs empfinden.

So soll gemäss Absprache das neue, grosse Lehrmittel für Wirtschafts- und Gesellschaftsfächer vom Verlag SKV produziert werden, welcher der Dachorganisation KV Schweiz angegliedert ist.Die Kleinverlage, die sich um die Chancen für den Absatz eigener Produkte gebracht sehen, brandmarken diese Vereinbarung als kartellistisch. Sie sehen durch das befürchtete «Lehrmittel-monopol» die Unterrichtsqualität bedroht – und ihre eigene Existenz.

«Eine Katastrophe», sagt Sascha Gloor. Er ist Sprecher der neu gegründeten Interessengemeinschaft, in der sich die betroffenen Unternehmer gegen ein Monopol wehren wollen. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund: «Jahrelang aufgebautes Know-how droht durch Vetternwirtschaft kaputt gemacht zu werden. Und dem Verlag SKV werden ein paar Millionen Franken geschenkt.» Gloor glaubt auch zu wissen, was dahintersteckt: «Der Verlag SKV hatte in den letzten Jahren mit seinen Lehrmitteln kaum Erfolg. KV Schweiz möchte mit diesem Manöver weggefallene Einnahmequellen wiedergewinnen.»

Mario Fehr: «Vorwurf absurd»

Bei KV Schweiz wehrt man sich. «Der Vorwurf, unser Verlag SKV sei aus finanziellen Gründen auf ein Lehrmittel-monopol angewiesen, ist absurd», sagt KV-Präsident Mario Fehr. «Wir haben mit dem Verlag in den letzten Jahren durchgehend Gewinn erwirtschaftet – im freien Markt notabene.» Auch Peter Kyburz, Generalsekretär des KV Schweiz, versteht die Aufregung nicht. Er betont, dass zwischen SKV-Verlag und Schulen keinerlei Abnahmegarantien vereinbart worden seien: «Die KV-Lehrkräfte sind frei in der Entscheidung, ob sie das neue Lehrmittel verwenden wollen. Der Wettbewerb ist gewährleistet.» Kyburz ist zuversichtlich, dass die Produktion des Verlags SKV höchsten Qualitätsansprüchen genügen wird und am Markt bestehen kann.

Gleicher Ansicht ist Peter Häfliger, Rektor des KV Bildungszentrums Luzern und Chef der Bildungsgruppe, in der die sechs grossen KV-Schulen verbunden sind. «Es sind hervorragende Lehrkräfte aus unseren Institutionen, die am neuen Lehrmittel arbeiten», betont Häfliger. Dass die «KV-Familie» in einem koordinierten Vorgehen das verlangte Material erstellen lasse, entspreche einem «natürlichen Bedürfnis». Und natürlich sei es die «Idee», dass dieses Gemeinschaftsprodukt in den KV-Schulen auch verwendet werde. Dazu zwingen könne und wolle man aber niemanden.

Sascha Gloor hält von diesen Beteuerungen wenig. «Die Rektoren der sechs grössten KV-Bildungszentren werben aktiv Lehrkräfte als Autoren für die geplante Publikation an und befreien sie dafür sogar von der Unterrichtspflicht. Da soll mir niemand erzählen, die Verwendung dieses Lehrmittels werde an diesen Schulen hinterher freiwillig sein.» Die Interessengemeinschaft will juristisch abklären lassen, ob die kritisierte Absprache gegen das Wettbewerbsrecht oder die Submissionsregeln verstösst. Mehr Hoffnung setzt man indes auf den politischen Weg. So hat FDP-Nationalrat Otto Ineichen seine Bereitschaft erklärt, mit einem parlamentarischen Vorstoss gegen das «Lehrmittelmonopol» anzutreten. Unterstützung signalisierte auch die Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen.

(Erstellt: 25.03.2011, 23:10 Uhr)

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