Zürich

Test bestanden

Aktualisiert am 27.12.2011

Mit einem simplen Gerät will ein Oberglatter Verein in Afrika für sauberes Trinkwasser sorgen. Die Belastungsprobe in der Kläranlage hat es bestanden. So gut, dass es sogar seinen Erfinder überrascht.

Von Andreas Frei

Oberglatt – Für den Tüftler Roland Widmer war es ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Und was für eines: Die Belastungstests seines Wasseraufbereitungsgeräts in der Kläranlage Oberglatt übertreffen alle Erwartungen. Widmers Befürchtung, das UV-Licht sei mit seinen 6 Watt zu schwach bemessen für einen hohen Durchfluss, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil, sogar die Probe eines spontanen Belastungstests mit 1000 Litern Wasser pro Stunde ist sauber.

Widmers kostengünstiges Wasseraufbereitungssystem Waterflow ist besser als erwartet. «Wir halten uns damit problemlos an die Trinkwassernormen in Europa», sagt der Oberglatter stolz. Damit kann es bedenkenlos in Afrika eingesetzt werden. Zuerst in einer Schule in Uganda und in einem Spital und einer Baptistenschule in Togo. Aber grundsätzlich überall, wo Wasser in grosser Menge keimfrei verfügbar sein soll.

Das Gehäuse klemmt

Ein Tag zuvor in der Abwasserreinigung Kloten und Opfikon: Niemand beachtet das Flugzeug, das gerade im Tiefflug über die Becken donnert. Konzentriert hantieren Max Egli, Markus Simmler, Roland Widmer und weitere Mitglieder des Oberglatter Vereins Aqua Pura mit Schläuchen, Pipetten und Schraubenschlüsseln. Drei verschiedene Systeme des Wasserreinigungssystems müssen sich bewähren, jenes für 200 Liter Durchfluss und die grösseren Geschwister mit 400 sowie 600 Liter Durchfluss.

Unter den Augen von Klärmeister Markus Fehr und einigen Zuschauern beginnt das Prozedere. Simmler reguliert den Durchflussmesser, Vereinsvizepräsident Egli kontrolliert das Waterflow-Gerät, und Präsident Widmer entnimmt Proben des gereinigten und des Klärwassers zur Kontrolle und zum Vergleich. Die ersten Schwierigkeiten tauchen beim Wechsel vom 200-Liter- auf das 400-Liter-System auf: Das Metallgehäuse lässt sich kaum mehr öffnen. «Es ist bewusst so massiv gebaut, damit es nicht gleich kaputtgeht», sagt Egli. Erst nach ein paar gezielten Hammerschlägen kann Simmler die UV-Lampe entfernen und den Filter untersuchen. Dieser ist sauber, da das Klärwasser kaum Dreck enthält. Im Einsatzgebiet Afrika wird das anders sein, dort ist das Wasser stärker verunreinigt.

Begeistert von der Leistung

Während Simmler das Gerät aufbaut, schwärmt er vom System: «Es kann fast ohne Druck betrieben werden.» Der Landwirt ist Mitgründer des Vereins. Zusammen mit Widmer wollte er herausfinden, ob sein Hofwasser keimfrei ist.

Kaum ist das 400-Liter-System installiert, tauchen neue Probleme auf: Simmler will den Durchfluss erhöhen, um die Möglichkeiten des Geräts am oberen Limit auszutesten. Er hat volles Vertrauen in das Reinigungsvermögen, doch Widmer hat die ganze Messung wissenschaftlich vorbereitet und ist wenig begeistert von Simmlers Idee. Max Egli schlägt schliesslich den Kompromiss vor. Nach drei Proben und dem Wechsel zum 600-Liter-System wird alles wiederholt, dann auch mit 1000 Liter Durchfluss. Simmler ist erst zufrieden, als Widmer versichert, dass er genügend Probeplatten hat. Mittlerweile sind auch Peter Preisig, Präsident der Preisig AG, und Peter Schnyder zur Gruppe hinzugestossen. Schnyder betreibt die Primar- und Sekundarschule in Uganda, die sich für das System von Aqua Pura interessiert. Preisig unterstützt ihn mit Technik und Sanitäranlagen. Nach einer knappen Stunde sind die Proben entnommen, bereit für 24 Stunden im Inkubator.

Nun, da die Resultate aus dem Inkubator gezeigt haben, dass Widmers Technik besser funktioniert als erhofft, wird der Verein einen Standardtyp des Systems festlegen. Dieses wird dann in Afrika zum Einsatz kommen.

Markus Simmler überwacht den Testlauf. Das Waterflow-Gerät (links hinten) filtert Wasser und tötet Bakterien. Foto: Thierry Haecky

Erstellt: 27.12.2011, 06:30 Uhr

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