Zürich
Trendwende bei der Kriminalität: Wieder mehr Raubüberfälle
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 23.10.2012 109 Kommentare
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Was tun, wenn man bedroht wird?
Befolgt man einige Verhaltensregeln, so kann man das Risiko deutlich senken, Opfer eines Raubüberfalls zu werden. Marco Cortesi, Medienchef der Zürcher Stadtpolizei, rät, bei Dunkelheit wenn möglich nicht allein unterwegs zu sein. Je grösser die Gruppe, in der man sich bewege, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass man überfallen werde.
Stehe man dennoch einmal Männern mit gezücktem Messer gegenüber, sei es besser, sich nicht zu wehren und Portemonnaie und Handy herauszugeben, sagt Cortesi. «Dann muss man das eben tun. Die Gesundheit geht vor.» Umso besser, wenn in einem solchen Fall nicht viel Geld im Portemonnaie ist und wenn man keinen wertvollen Schmuck trägt.
Die Polizei schreibt in ihren Meldungen allerdings immer wieder von Räubern, die mit Portemonnaies mit Hunderten von Franken flüchteten. Cortesi rät zudem, sich Gesicht und Kleidung der Täter einzuprägen und nach dem Raub sofort die Polizei zu alarmieren. So konnte sie in der Nacht auf Freitag drei Teenager fassen, die beim Bahnhof Bülach drei junge Männer ausgenommen und mit Handys und knapp 2000 Franken geflohen waren. Die Opfer alarmierten sofort die Polizei, und diese konnte die Jugendlichen – sie waren zwischen 16 und 19 Jahre alt – kurz darauf in der Nähe festnehmen. (jho)
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Es war mitten in der Nacht, als Passanten am Bellevue einen Streifenwagen stoppten. Sie brachten die Polizisten zu einem blutenden Mann, der schwere Verletzungen im Gesicht hatte. Der 17-Jährige sagte, er sei von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen und ausgeraubt worden.
Dieser Raubüberfall vom Sonntag ist kein Einzelfall. Bei der Zürcher Stadtpolizei ging in den letzten Wochen eine Anzeige nach der anderen ein. «Wir sehen es nicht gerne, aber die Tendenz bei solchen Delikten ist steigend», sagt deren Medienchef Marco Cortesi. Im Kanton ist die Zahl der Raubüberfälle schon 2011 um 76 auf 700 Fälle gestiegen, im ersten Halbjahr 2012 nun nochmals deutlich um 45 Prozent. Dies, nachdem sie zuvor seit 2004 fast jährlich gesunken ist. Absolute Zahlen für das laufende Jahr gibt die Kantonspolizei erst Anfang 2013 in der Kriminalstatistik bekannt.
Kriminaltouristen aus Bern
Wie die Übergriffe der vergangenen Wochen zeigen, schlugen die Räuber meist in den Kreisen 4 und 5, im Niederdorf und zweimal in einem Parkhaus zu – Orte, an denen sie auch nachts nicht lange auf ein Opfer warten müssen. Oft benutzten sie nicht einmal eine Waffe; sie rempelten das Opfer an, verprügelten es oder schlugen ihm die Faust ins Gesicht. Dann nahmen ihnen die Täter Handy und Portemonnaie ab und flohen. Nur wenige bedrohten ihre Opfer mit einem Messer oder Pfefferspray. Wie der leitende Jugendanwalt Hansueli Gürber sagt, finden diese Übergriffe manchmal auf belebten Strassen statt, ohne dass andere Passanten etwas merken.
Nicht selten kommen die Täter aus anderen Kantonen in die Stadt. Dem Jugendanwalt sassen schon Jugendliche aus Solothurn oder Bern gegenüber, nachdem sie Raubüberfälle verübt hatten. Für sie ist die Stadt schon wegen der grossen Menge von Partygängern interessant. Auffallend ist, dass Täter wie Opfer praktisch immer Männer sind. «Es gibt einen Ehrenkodex», sagt Gürber, «viele Täter sagen, sie würden nie eine Frau ausnehmen.»
Es geht nicht nur ums Geld
Bei den Überfällen geht es den Tätern nur teilweise ums Geld. Manche gehen in den Ausgang, haben kein Geld und beschliessen spontan, andere Jugendliche auszunehmen. Sie mustern die Jungen, denen sie begegnen, und knöpfen sich schliesslich jene vor, denen sie sich überlegen fühlen. Anderen geht es vor allem darum, Macht auszuüben.
Laut Gürber sind die Täter oft Junge, die keine Perspektive haben und sich deshalb ohnmächtig fühlen. «Das ist ihre Chance, sich einmal gross zu fühlen.» Die Gruppe der Täter ist laut Gürber von der Herkunft her gemischt: Es sind Schweizer darunter, Junge aus dem Balkan und östlicheren Ländern, hingegen weniger Nordafrikaner. Meist sind sie jung und körperlich fit.
Brutaler, so sagt Gürber, sind die Übergriffe nicht geworden, auch wenn dies immer behauptet werde. Nur einzelne Täter gingen brutal vor. Gefährlich werde es immer dann, wenn ein Übergriff anders verlaufe, als es sich die Täter vorgestellt haben. «Dann kann die Situation eskalieren.»
Bewusstsein über Vergehen fehlt
Weshalb aber nimmt gerade jetzt die Zahl der Raubüberfälle wieder zu, nachdem sie über Jahre gesunken ist? «Wenn die Polizei viele Täter erwischt, spricht sich das herum, die Zahl der Übergriffe sinkt», erklärt Hansueli Gürber. Nach einiger Zeit gingen die Erfolge der Polizei aber vergessen und die Jugendlichen begännen wieder, andere auszunehmen.
In der Schweiz seien die Täter nicht bandenmässig organisiert, sagt Marco Cortesi. Manche sind aber oft miteinander unterwegs, in wechselnder Zusammensetzung, und haben einen Rädelsführer. So funktionierte auch eine Gruppe von zehn Jugendlichen, gegen welche die Stadtpolizei vor ein paar Tagen die Ermittlungen abgeschlossen hat. Sie haben in Zürich Ende 2011 38 Personen beraubt oder bestohlen. Meist haben sie ihre Opfer mit Messern bedroht, manche damit verletzt oder sie haben sie verprügelt. So erbeuteten sie 20'000 Franken.
Vielen Jungen ist zu wenig bewusst, dass ein Raubüberfall kein leichtes Vergehen ist. Im günstigsten Fall kommen sie mit einigen wenigen Tagen Gefängnis davon. Manchen werden aber auch stationäre Massnahmen in geschlossenen oder offeneren Anstalten auferlegt. Diese dauern im Durchschnitt vier bis fünf Jahre.
Beschränkte Mittel der Polizei
Viel kann die Polizei laut Cortesi nicht tun, um Raubüberfälle zu verhindern. Ihre Mittel seien beschränkt, sie könne nicht einfach mehr Patrouillen auf die Strasse schicken. Dennoch meint er: «In Zürich muss niemand Angst haben.» Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Opfer eines Raubüberfalls wird, sei sehr klein. Und Hansueli Gürber sagt: «An schönen Wochenenden gehen in Zürich 100'000 Leute in den Ausgang. Es ist unglaublich, dass nicht mehr passiert.»
Die Täter vom Bellevue hat die Polizei übrigens noch in derselben Nacht verhaftet. Es sind Schweizer und Spanier zwischen 14 und 16 Jahren. Die Polizisten fanden sie auf der Toilette eines Restaurants beim Stadelhofen, wo sie die erbeuteten Portemonnaies und Handys verstecken wollten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.10.2012, 06:36 Uhr
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109 Kommentare
Solange weiterhin die Kuscheljustiz regiert, werden die Gewalttaten noch weiter steigen.
Die Täter sollten für einige Zeit bei Wasser und Brot weggesperrt werden, für Auswärtige soll zudem ein Rayonverbot ausgesprochen werden, bei Ausländern muss im Wiederholungsfall die konsequente Ausweisung erfolgen. Die zum Teil lächerlichen tiefen Strafen laden ja geradezu zur Gewalttätigkeit ein.
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Alles wird schöngeredet von der Politik, der Polizei die von der Politik angestellt wird und von den Medien, die Mitte- Links in gutem Licht darstellen wollen. Als Bürger hingegen fühle ich mich immer weniger wohl nachts durch die Strassen zu gehen. Antworten
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