Ungleiche Ellen bei der Atommüll-Geologie Atommüll-Geologie (max. 2-zeilig)Was in Benken für den Atommüll genügt, reicht Stuttgart nicht

Das Umweltministerium in Stuttgart findet, 100 Meter dicke Opalinuston-Schichten seien für ein Atommülllager ungeeignet. Die Schweiz sieht das anders.

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Von Felix Maise

Im Untergrund des Zürcher Weinlands könne ein Atommüll-Tiefenlager gebaut werden, finden die Schweizer AKW-Betreiber und die Atom-Aufsichtsbehörde des Bundes. Der von den Werkbetreibern verlangte Nachweis für die über Jahrtausende nötige, sichere Lagerung des strahlenden Abfalls sei am Standort Benken erbracht. Die Eigenschaften des Opalinustons und die Mächtigkeit der Tonschicht machten den Bau, den Betrieb und den Verschluss eines Atommülllagers ohne Gefahr für die Nachwelt möglich.

Zu einem ganz anderen Schluss kommt man im Umweltministerium von Baden-Württemberg in Stuttgart, wie einer Presseerklärung des Ministeriums vom 18. September dieses Jahres zu entnehmen ist. Stuttgart äussert sich darin nicht zum möglichen Lagerstandort Benken. Doch im Zusammenhang mit der neu entbrannten Diskussion um Atommülllager in Deutschland heisst es, dass sich neben Salz wie in Gorleben «nach Expertenmeinung auch Opalinuston-Gesteinsvorkommen zur Einlagerung hochradioaktiven Materials» eignen und solche Gesteinsformationen auch im Süden des Bundeslandes vorkommen würden. Nach einer Bewertung des Landesamts für Geologie seien jedoch die Bedingungen in Baden-Württemberg gegenüber anderen Tonvorkommen ungünstig. Als Hindernis erachteten die Experten des Landesamts etwa die geringe Mächtigkeit/Dicke des Gesteins, schreibt CDU-Umweltministerin Tanja Gönner.

«Die Dicke der gesteinskundlich geeigneten Tonschichten ist mit bis zu 100?Metern im Vergleich zu den Tonschichten in Norddeutschland mit Mächtigkeiten von bis zu ca. 1000 Metern gering», hielt schon Gönners Amtsvorgänger und Parteikollege Ulrich Müller fest. Sind die deutschen Tonschichten rund 100 Meter dick, so beträgt die Mächtigkeit im Untergrund von Benken 113 Meter. Nur hält man diese Ausdehnung in der Schweiz anders als in Stuttgart für ausreichend für ein Atommülllager.

Offener Brief der AKW-Gegner

Der Freiburger Regionalverband Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) weist zusammen mit dem Nordwestschweizer AKW-Gegnerkomitee «Nie wieder Atomkraftwerke» (NWA) das Stuttgarter Ministerium jetzt in einem offenen Brief auf diesen Widerspruch hin und verlangt eine Erklärung dafür. «Wenn man die fraglichen Tonschichten in Baden-Württemberg für Endlager-untauglich hält, müsste sich Stuttgart konsequenterweise doch auch vehement gegen die Schweizer Lagerpläne in derselben Gesteinsformation in der Nordschweiz wehren», meint Bund-Geschäftsführer Axel Mayer dazu.

Eine Antwort auf ihr Schreiben vom 11. November haben die deutschen und Schweizer Umweltschützer bisher nicht erhalten. Auf eine entsprechende Anfrage des Deutschlandfunks meinte ein Sprecher des Stuttgarter Ministeriums summarisch, die deutschen Opalinuston-Schichten seien nicht mit den schweizerischen vergleichbar. Bund-Geschäftsführer Mayer glaubt das nicht, sondern sieht die Differenzen in der Politik, nicht in der Geologie: «Denn Letztere dürfte dies- und jenseits des Rheins ja keine grundlegend andere sein.»

(Erstellt: 22.11.2010, 20:50 Uhr)

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