Ustermer Fitness Connection reibt sich im Konkurrenzkampf mit Activ Fitness auf

Ein kleines Center wehrte sich mit immer tieferen Preisen gegen eine Filiale von Activ Fitness – und scheiterte. Nun hat es der grösste Gläubiger gekauft.

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Die Kunden des Fitnesszentrums Fitness Connection sind verunsichert. Sie hatten kürzlich gleich zwei Schreiben des Centers in der Post. Im einen teilte ihnen der Besitzer Andreas Zwing mit, dass er sein «Lebenswerk» verkaufen musste. Neuer Eigner ist Peter Ott, der ehemalige Inhaber des gleichnamigen Baugeschäfts und Besitzer der Liegenschaft am Schulweg 9, in welcher sich das Fitnesszentrum befindet. Zwing schreibt, er selbst sei krankheitshalber nicht mehr in der Lage gewesen, den Betrieb zu führen, und habe nach Lösungen gesucht. «Der häufige Wechsel in der Betriebsleitung war sicher der falsche Weg», räumt Zwing ein.

Das zweite Schreiben spricht eine deutlichere Sprache. «Nur mit Rücksicht des Vermieters konnte ein Konkurs verhindert werden», lässt Ott die Kundschaft wissen. Das Unternehmen habe seit anderthalb Jahren keine Mietzinse entrichtet. Er ist als Eigentümer der Liegenschaft der grösste Gläubiger von Fitness Connection – und trainiert dort selbst seit 20 Jahren. «Die Vorstellung für den Bankrott des Zentrums verantwortlich zu sein, schmerzte», sagt der Ustermer.

Qualität litt unter Preisdruck

Für Ott steht fest, die Eröffnung der Migros-Tochter Activ Fitness im Kern von Uster gab dem Zentrum den Rest. «Zwing versuchte der Konkurrenz, die mit Dumpingpreisen operiert, mit Preissenkungen die Stirn zu bieten.» Vor 20 Jahren hatte Fitness Connection 2300 Mitglieder, die für ein Jahresabo 1190 Franken zahlten. Heute zählt das Center 1300 Mitglieder, der Jahresbeitrag kostete bis zur Übernahme 799 Franken. «Das Zentrum war zugrunde gewirtschaftet, die Qualität und der Kundendienst litten», bringt es Ott auf den Punkt.

An den Geräten habe der frühere Eigentümer nicht gespart, das weiss Sylvia Gattiker. Sie war Zwings Stellvertreterin. «Abstriche wurden aber bei der Wartung gemacht. Einige Geräte waren lange defekt.» Ihr legt nun Peter Ott das Unternehmen in die Hände: «Ich kann nur den finanziellen Rückhalt bieten, sie muss den Rest stemmen.» Gattiker war zweifache österreichische Meisterin im Kunstturnen und vierfache Aerobic-Schweizer-Meisterin. Sie liess sich in den Vereinigten Staaten zur Fitness- und Aerobic-Instruktorin ausbilden und ist am letzten Schliff eines Bachelors in Gesundheit- und Präventionsmanagement. Und sie zeigt sich zuversichtlich: «Wir wollen zu einem Vorzeigezentrum werden, das präventiv gegen das Übergewicht vorgeht.» Ihre Kampfansage an die Migros-Tochter: «Wir treten der anonymen Maschinerie mit einer familiären Atmosphäre entgegen.»

Jahresabo wird teurer

Gattiker will Mitarbeiter einstellen und das Team schulen. Sie will ihre Angestellten so ausbilden, dass sie Kunden mit Rückenproblemen und Senioren betreuen können. «So können wir den angepriesenen Kundendienst wieder erbringen.» Das habe aber seinen Preis. «Wir wollen nicht mit Tiefstpreisen, sondern mit Qualität punkten.» Das Jahresabo kostet künftig 950 Franken.

Eine Kundin, die ungenannt bleiben möchte, wirft der Geschäftsführung vor, dass sie im Wissen um die finanzielle Notlage ihr kurz vor dem Besitzerwechsel noch ein Jahresabonnement verkauft habe. Ohne zu wissen, ob das Zentrum überlebt. Ott schlägt ihre Bedenken in den Wind: «Wir sind zwar nicht über den Berg, aber ich stehe für den Fortbestand von Fitness Connection ein.» Ein Geschäft mache er damit wohl nicht. «Unser Ziel ist es, finanziell bald eine schwarze Null zu schreiben.»

Neben Fitness Connection und Activ Fitness gibt es in Uster zwei weitere Zentren: Fitness Plus ist eine kleine Kette, die sechs Filialen zählt. Ebenfalls nur ein Zentrum besitzt der Arzt Richard Biggoer. Er stellt fest, dass Kunden zu Activ Fitness wechseln, wenn der tiefe Preis das entscheidende Argument für die Zentrumswahl sei. Gelitten habe sein Geschäft in den letzten Jahren nicht. «Unsere Mitgliederzahlen steigen.»

Migros mit Geschäft zufrieden

Activ Fitness in Uster eröffnete vor zwei Jahren. Wie viele Mitglieder das Center hat und ob die Zahl gestiegen ist, will Betriebsleiter Roli Kurzo nicht preisgeben. Nur so viel: «Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsgang.» Er bestätigt, dass Kunden von anderen Ustermer Anbietern nun bei ihm trainieren. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.03.2011, 22:18 Uhr)

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