Zürich

Notizen zu Namen: Die Stunde der Karrierefrauen

Von Hildegard Schwaninger. Aktualisiert am 28.07.2010

Hildegard Schwaninger über: +++ Nadja Schildknecht +++ Barbara Artmann +++ Doris Fiala +++ Oprah Winfrey +++ Olivia Bossart +++ Michel Rey +++ Urs Rohner +++

1/5 Auf dem Podium standen Barbara Artmann, Besitzerin von Künzli-Schuhe...

   

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er Anlass war vielversprechend. Drei prominente Frauen, die auch einen gewissen Glamour haben, sprechen über ihren Lebensweg. «My Way» hiess die Veranstaltung, und auf dem Podium standen Barbara Artmann, Besitzerin von Künzli-Schuhe, Nadja Schildknecht (Bild), Ex-Model und Chefin des Zurich Film Festival, Doris Fiala, Politikerin und PR-Unternehmerin.

Die Zunftstube im 3. Stock des Zunfthauses zur Waag war trotz schönen Wetters gerammelt voll, rund 100 Gäste, fast alles Frauen, Männer waren dünn gesät, man sah Urs Derendinger, Chef der Schweizer Börse.

Keine zweite Oprah

Veranstaltet wurde das Podiumsgespräch von Olivia Bossart, Erfinderin und Chefin des Frauennetzwerks Kion. Olivia Bossart ist eine umtriebige Networkerin; sie organisiert Anlässe und – das scheint ihr liebstes Hobby zu sein – tritt dort auch als Moderatorin auf. Genau das ist das Problem. Olivia Bossart mag eine tüchtige Organisatorin sein, eine Oprah Winfrey wird sie nie. Es wird von einem Thema zum anderen gezappt, und am Schluss hat man nicht viel erfahren.

Es war mehr wie beim Motivationstraining. Schuhfabrikantin Artmann, die sich selbst als Sternenkind betrachtet (soll heissen, dass ihr alles glückt, was sie anpackt), erzählte, dass sie – Angestellte bei der Zürich-Versicherung – dachte, sie wolle selbstständig werden, «und da hatte ich die Idee, ich kaufe eine Firma, und das Schicksal hat mir Künzli zugedacht». Die jungen Frauen im Publikum, die sich auch gerne einen Lebensweg zurechtzimmern wollen, waren etwas ratlos. Ja gut, aber wie macht man das?

Auch Nadja Schildknecht wurde nicht besonders konkret. Nach dem KV wurde sie Model, «ich reiste zehn Jahre um die Welt, das gab mir eine gewisse Internationalität und Offenheit», und dann, bei Wein und Käse am Küchentisch, wurde die Idee des Filmfestivals geboren. «Wenn man genug Leidenschaft mitbringt, kann man Sachen erreichen, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie erreichen kann.» Dass Urs Rohner, der CS-Banker, der damals eine Familie und drei Kinder hatte und heute Vater von Schildknechts Tochter ist, auch etwas mitgeholfen hat, blieb unerwähnt.

Eine vitale Politikerin

Die vor Vitalität glühende Doris Fiala nahm das Mikrofon in die Hand und redete, als wäre sie an einer Wahlkampfveranstaltung. Laut, mit Überzeugungskraft und immer wieder die Floskel «Meine Damen und Herren» einflechtend. Sie redete von Mut und Hartnäckigkeit, die es brauche, um sich und sein Geschäft erfolgreich aufzubauen, sagte: «Man muss die Welt nicht verändern wollen, man muss seinen Beitrag leisten wollen» und erzählte das Neueste von sich selbst: Sie macht gerade ihren Master in Sicherheitspolitik und Krisenmanagement.

Fialas Laufbahn hat ja eine gewisse Buntheit. Bevor sie ihren Mann, der aus der damaligen Tschechoslowakei stammt, heiratete und Mutter von drei Kindern wurde, war sie im Gastgewerbe tätig. Einmal arbeitete sie im Baur au Lac. Da lernte sie auch den Umgangston im Gastgewerbe kennen, der rauer ist als im Militär. Einmal benutzte sie statt der Personaltoilette die Gästetoilette und wurde dabei von Direktor Rey, dem Vater des heutigen Direktors Michel Rey, erwischt. Sie wurde fürchterlich geschimpft.

Optimismus und ein Cocktail

Die Damenrunde redete viel von Optimismus, den man haben sollte, und vom Glauben an sich selbst. Eine Zuhörerin kam dann endlich zur Sache: «Und wie finanziert man das Ganze?» – «Heute ist die Geldbeschaffung knüppelhart. Ob für Firmengründung, Sponsoring, wenn kein Return of Investment da ist, nützen alle Beziehungen nichts», sagte Nadja Schildknecht. Und Fiala doppelte nach: «Fängt man bei null an, ist es heute selbst mit dem besten Businessplan nicht einfach, das Geld aufzutreiben, das man für die Selbstständigkeit braucht.» Dann ging man zum Cocktail, den Zunfthaus-Wirt Sepp Wimmer liebevoll vorbereitet hatte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.07.2010, 07:46 Uhr

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