Notizen zu Namen: Jazz auf Schloss Dracula
Auch wenn die Schönheit des Engadins überirdisch ist, der Tourismus im Sommer boomt nicht wie im Winter. Um dem gesellschaftlichen Leben etwas einzuheizen, braucht es Ideen. Einer, der sich da an vorderster Front verdient macht, ist Christian Jott Jenny. Vor drei Jahren gründete er das Festival da Jazz, und bereits heute ist diese Institution von St. Moritz nicht mehr wegzudenken. Hut ab vor dem, was Jenny hier auf die Beine gestellt hat! Der Dracula Club, wo im Winter die Hölle los ist und die Reichen und (mehr oder weniger) Schönen die Nächte durchfeiern, war im Sommer immer geschlossen. Gunter Sachs ist der Gründer und (mit Sohn Rolf Sachs) Besitzer des Dracula Clubs (das Grundstück, auf dem der Club steht, gehört dem Kulm Hotel). Von der Idee, den Dracula Club im Sommer als Jazzclub zu aktivieren, war Rolf Sachs schnell begeistert, er ist Jenny ein freundschaftlicher Partner, wertet das Ereignis häufig durch seine Präsenz auf und hilft mit Rat und Tat. Das Festival da Jazz belebt das Engadin, Stars der internationalen Jazzszene finden den Weg hierher, Jazzfreunde auch, Tourismuschefin Ariane Ehrat nennt Jenny einen «Glücksfall für das Engadin».
«Ein ökonomischer Wahnsinn»
Noch ist es, wie Jenny sagt, «ein ökonomischer Wahnsinn». Das Festival ist zu 85 Prozent fremdfinanziert, von Sponsoren und Unterstützern. Das Kulm Hotel beherbergt Künstler und Gäste des Festivals (Direktor Dominique Godat zeigt sich auch an den Konzerten), Lexus stellt die Autos für den Transport der Künstler zur Verfügung (Lexus-Schweiz-Chef Philipp Rhomberg lädt Mitarbeiter und Kunden zu Jazz-Abenden), das Hotel Hauser offeriert Hotel-Packages für Jazzfreunde. Der Dracula Club ist an fast allen Konzerten sehr gut besucht; beim Konzert von Sophie Hunger mussten Musikfreunde weggeschickt werden, da der Club nur 150 Gäste fasst.
Samstagabend fand ein kleines Ereignis statt. Paul Kuhn trat auf. Er ist 82½ Jahre alt, vor allem als TV-Entertainer à la Harald Juhnke bekannt (Kuhns Hit aus den Sechzigerjahren: «Es gibt kein Bier auf Hawaii»), doch seine Liebe gehört dem Jazz, und «je älter ich werde, desto mehr finde ich zum Jazz zurück»). Christian Jenny setzte sich vor zwei Jahren in den Kopf, Paul Kuhn, der in Lenzerheide lebt, für ein Konzert im Dracula Club zu gewinnen. Und es wurde eine Sternstunde. Prominentes Publikum (darunter: Investor René Braginsky mit Familie), feine Musik und beste Stimmung. Um Mitternacht intonierte Paul Kuhn «Happy Birthday» für Christian Jenny, der seinen 33. Geburtstag feierte.
Ein engagierter Mann mit Hochzeitsplänen
Wer ist Christian Jott Jenny? Ein junger Mann, der vor Ideen sprüht. Er ist Tenor und Unternehmer. Unter dem Pseudonym Leo Wundergut tritt er als Sänger auf, in der Alten Kirche Witikon gründete er die Schubertiade Zürich, wo er selbst «Die Winterreise» sang, manchmal hat er auch Engagements als Opernsänger in Berlin. Er gründete eine Firma, die «Amt für Ideen» heisst, er selbst nennt sich Amtsvorsteher. Und Christian Jott Jenny hat eine besonders hübsche Freundin: Selina Messerer, die blonde Tochter eines Goldschmieds und Primarlehrerin. Am 21. August heiraten die beiden. Im Bergell. Trauzeuge (er war mit seiner Familie auch beim Konzert von Paul Kuhn) ist der Musiker Raimund Wiederkehr, der mit Jenny zusammen zehn Jahre bei den Zürcher Sängerknaben war.
Das Catering beim Festival da Jazz machen Franzoli (Franz Rhomberg und Oliver Zingg), die sich in Zürich gut etabliert haben. Sind auch für das Opening der neuen Luxusboutique von Hermès (am Paradeplatz, wo vorher Meister Silber war) im September engagiert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.08.2010, 08:46 Uhr




