Zürich

Notizen zu Namen: Salzburg, wie es singt und sich feiert

Von Hildegard Schwaninger. Aktualisiert am 02.08.2010

Hildegard Schwaninger über: +++ Die Salzburger Festspiele +++ Heinz Fischer +++ Werner Faymann +++ Eliette von Karajan +++ Jürgen Flimm +++ Alexander Pereira +++

1/9 Die halbe österreichische Regierung fuhr in Salzburg ein, angeführt von Bundespräsident Heinz Fischer...

   

Eröffnung der Salzburger Festspiele 2010! Ein doppeltes Jubiläum wird gefeiert. Die Festspiele wurden vor 90 Jahren gegründet, von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, und das Grosse Festspielhaus mit der damals grössten Bühne der Welt wurde vor 50 Jahren eröffnet. Mit «Rosenkavalier» unter Herbert von Karajan, der die Festspiele prägte und 337-mal hier höchstselbst am Dirigentenpult stand.

Der Aufmarsch der Mächtigen

Ein Grund zum Feiern! Die halbe österreichische Regierung fuhr in Salzburg ein, angeführt von Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann. Ein Aufmarsch der Mächtigen und Wichtigen! Viele Schaulustige stehen vor dem Festspielhaus, die Polizei ordnet, alles verläuft friedlich, es gibt nicht viel zu tun. Ein silberner Mercedes mit Graubündner Nummer fährt vor. Ihm entsteigt Eliette von Karajan (Bild), die Witwe des Maestros. Ihr offizieller Wohnsitz ist St. Moritz.

Man nimmt die 2200 Plätze im Grossen Festspielhaus ein. Lokalmatadore erscheinen in Dirndl und Tracht. In der ersten Reihe sitzt Erzbischof Alois Kothgasser. Salzburg hat etwa 150 000 Einwohner und über 60 Kirchen, während Jahrhunderten waren hier die Erzbischöfe regierende Fürsten. Das Mozarteumorchester Salzburg und der Salzburger Bachchor stehen auf der Bühne, Ivor Bolton dirigiert, das Publikum erhebt sich und singt die österreichische Bundeshymne.

Viel Applaus am schönsten Ort der Welt

Salzburg feiert die Festspieleröffnung mit Freude, Stolz und nationalem Selbstbewusstsein. Helga Rabl-Stadler betritt als Erste das Rednerpult. Die vor Enthusiasmus glühende Festspiel-Präsidentin beschwört die Vergangenheit der Festspiele, Clemens Holzmeister als Erbauer des Hauses, Herbert von Karajan als Visionär, begrüsst den Erzbischof (grosser Applaus) und die Mezzosopranistin Christa Ludwig, die vor 50 Jahren hier gesungen hat (grosser Applaus) und verweist auf Gegenwart und Zukunft. Der Komponist Wolfgang Rihm ist da, seine Oper «Dionysos» wird hier uraufgeführt.

Salzburg – Mittelpunkt des Universums. Dem Selbstbewusstsein tut auch gut, dass gerade der Film «Knight and Day» hier anläuft, der zum Teil in Salzburg gedreht wurde. Die Hauptdarsteller Tom Cruise und Cameron Diaz hatten Salzburg zum schönsten Ort der Welt erklärt.

Wunsch nach Frieden

Festredner ist der Dirigent Daniel Barenboim, der die israelische und die palästinensische Staatsbürgerschaft besitzt und dessen Anliegen der Friede ist. «Es hilft unendlich viel zum Frieden, nicht auf den anderen zu warten, bis er kommt, sondern auf ihn zuzugehen», zitiert er Richard von Weizsäcker, und er erzählt, wie er 1952, mit 9 Jahren, zum ersten Mal nach Salzburg kam. Damals dauerte die Reise von Buenos Aires drei Tage (Propellerflugzeug, Eisenbahn). Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller erinnert daran, dass die Salzburger Festspiele 1920 nicht als Luxusveranstaltung, sondern aus wirtschaftlicher Not gegründet wurden. Damals, nach dem Ersten Weltkrieg, ging es den Salzburgern schlecht (acht von zehn Kindern waren unterernährt), die Künstler verzichteten auf ihre Gage. Das Geld, das die Festspiele einbrachten, ging an Kriegswitwen und -waisen. Dann bedankt sich Burgstaller noch bei den Medien. Die österreichischen Zeitungen berichten täglich so viel über die Salzburger Festspiele, als wären sie das wichtigste Ereignis auf der Welt. Jeder kennt jetzt die Schauspielerin Birgit Minichmayr, die im «Jedermann» die Buhlschaft spielt. Sie ist auf allen Titelseiten.

Noch ist Regisseur Jürgen Flimm Chef der Salzburger Festspiele (die Salzburger Hymne sang der gebürtige Kölner auswendig mit). Dann wird Markus Hinterhäuser sein Nachfolger für ein Jahr. Im Sommer 2012 wird Alexander Pereira als Intendant in der ersten Reihe sitzen. Bis dahin bleibt er uns in Zürich noch erhalten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.08.2010, 17:23 Uhr

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