Das Tal der Zukunft

Von Reto Westermann. Aktualisiert am 29.01.2010

Noch verlassen die meisten die Eisen- oder Autobahn im Limmattal nur zum Shoppen oder Arbeiten. Das könnte sich ändern: Kaum eine andere Gegend verändert sich schneller. Das Regionenrating Limmattal.

Zwar nimmt man das Limmattal nicht als Stadt im klassischen Sinn wahr - aber aufgrund seiner Grösse und Struktur wird das Gebiet nicht zu Unrecht oft auch als Stadtlandschaft bezeichnet. Denn die einzelnen Orte im lang gezogenen Tal sind in den letzten Jahren so stark zusammengewachsen, dass sie praktisch eine Einheit bilden und mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind wie grössere Städte. Zum Wandel des Limmattals passt auch der Umbruch, in dem sich die Region derzeit befindet. Aus dem Industrie-, Verkehrs- und Einkaufstal wird derzeit ein neuer, städtisch geprägter Wohnstandort.

Vor allem die im Bau befindlichen Quartiere Limmatfeld (Dietikon) sowie Rietpark (Schlieren) bringen zusammen mit den bereits fertiggestellten Neubauprojekten auf dem Cattaneo-Areal und weiteren Grundstücken in Dietikon urbanen Charakter in die beiden Gemeinden. «Mit den neuen Projekten erhält das Limmattal eine bisher nicht vorhandene städtebauliche Qualität», sagt Markus Mettler, Geschäftsführer von Halter Entwicklungen aus Zürich und Verantwortlicher für die Bebauung des Limmatfeldes und des Färbi-Areals, das zum Gebiet Rietpark in Schlieren gehört. In der Tat: Hohe, städtische Häuser, grosse Parks und Plätze sind Elemente, die es in den eher dörflich geprägten Strukturen der Limmattaler Gemeinden bisher nicht gab.

Die Stadt kommt

Sind die neuen, urbanen Zentren einmal fertiggebaut, ist es gut möglich, dass sie den bisherigen Topgemeinden im Regionenrating fürs Limmattal einmal den Rang ablaufen. Noch aber ist alles beim Alten, wie die aktuellen Zahlen des Ratings zeigen, die von den Research-Spezialisten der Zürcher Kantonalbank ermittelt werden. Die mit Sonne und Aussicht verwöhnten Gemeinden rechts der Limmat sowie das stadtnahe Uitikon belegen nach wie vor die Spitzenplätze.

Erst im Mittelfeld hingegen folgen Dietikon und Schlieren, die beiden künftigen Zentren der Limmattalstadt. Auf den hintersten Rängen liegen die beiden Aargauer Gemeinden Killwangen und Spreitenbach. Hier sind Immobilien dafür nach wie vor sehr günstig zu haben. So kostet die gleiche Eigentumswohnung in Spreitenbach eine Viertelmillion Franken weniger als in Oetwil auf der anderen Seite der Limmat. Davon, dass die neuen, urbanen Wohnquartiere in Dietikon und Schlieren Erfolg haben werden, ist man im Limmattal überzeugt: «Die Leute wollen nicht mehr unbedingt im Grünen wohnen», beobachtet Markus Ehrat, Immobilienmakler in Dietikon. Eine gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants würden immer wichtiger. «Nicht zuletzt die Senkung der Promillegrenze hat dazu geführt, dass man gerne in Fussdistanz zur nächsten Beiz wohnt, um einfach nach Hause gelangen zu können», sagt Ehrat.

Öffentlichen Verkehr ausbauen

Auch Entwickler Markus Mettler ist sich sicher, dass das Limmattal den Turnaround schaffen wird und die neuen Quartiere ihre Bewohner finden. «Durch die hohe Dichte an Arbeitsplätzen gibt es heute eine grosse Zahl an Zupendlern», sagt er. Diese seien sehr daran interessiert, ins Limmattal zu ziehen, sobald das passende hochwertige Wohnumfeld vorhanden sei. Der Absatz der Wohnungen in der ersten Etappe des Limmatfeldes in Dietikon jedenfalls scheint die Prognosen zu bewahrheiten: Die Vermietung der fast fertig gestellten Wohnungen läuft sehr gut, und auch für den Verkauf von Eigentumswohnungen ist ein grosses Potenzial vorhanden: «Sobald der neue Stadtteil noch ein Stück weiter gebaut ist, sind die Voraussetzungen für die Käufer noch besser», ist Mettler überzeugt.

Davon, dass die neuen Quartiere Neuzuzüger anziehen werden, ist man auch bei der Standortförderung Limmattal überzeugt: «Die Prognosen des Kantons Zürich gehen bis 2030 von einem Bevölkerungswachstum von sieben Prozent aus», sagt Standortförderer Bruno Hofer. Deshalb setzt sich die Standortförderung auch für den nötigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs ein. Bis 2015 soll im Rahmen der vierten Teilergänzung des S-Bahn-Netzes eine dritte S-Bahn-Linie das Tal erschliessen.

Eine Stadtbahn für eine Stadtlandschaft

Geplant ist im Gebiet Silbern bei Dietikon zudem eine neue S-Bahn-Station zur Erschliessung des dortigen Industriegebiets. Gleichzeitig würden Oetwil und Geroldswil mit Buslinien zwischen den Gemeinden und der neuen S-Bahn-Station noch besser erschlossen. Grösstes Infrastrukturprojekt im Limmattal ist derzeit aber die Limmattalbahn, für die erste Planungsschritte am Laufen sind. Wird sie realisiert, fährt sie ab dem Jahr 2019 auf 13 Kilometern Streckenlänge zwischen Altstetten und Killwangen und bedient 27 Haltestellen - das passende Verkehrsmittel für die Stadtlandschaft Limmattal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2010, 12:25 Uhr

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